1 |Mpin ^ tmM/l^^*^ ^^^Br^H^^t ^^^^^Uf^j^Ujl ■^Ib' hVH ^^^^KlBK'mBli'V- ■ IhI iH ^^^^^Bv nV I f mHL InP iÄi.\ . LTBRARy '■^"^ "^^ ^°^'< - -^N'CAL GAROm BRONX, NEW YORK 10458 Zeitschrift für Gärungsphysiologie allgemeine, landwirtschaftliche und technische Mykologie unter Mitwirkung von V. Babes- Bukarest, Chr. Barthel-Stockliolra, A. Bau -Bremen, M. W. Beijerinck-Deltt, W. Benecke -Berlin, Ph. Biourge LJiwen, A. J. Brown -Binningliam, M. Bücheier Weiliensteplian, R. Burri-LieLet'elil bei Bern, A. Calmette-Lille, R. Chodat-(Tenf, A. Cluss- Wien, F. Czapek-l'rag, M. Düggeli-Züricli, J. Effront l'riissel, F. Ehrlich-Breslau, H. V. Euler -Stuckholni, A. Fischer -Basel, C. Gorini -Mailand, R. Graßberger-Wien, A. Harden Lunilon, H. A. Harding-New York, F. C. Harrison-Ste. Anne de Bellevne, Canada, F. V. Höhnel-Wien, J. Chr. Holm -Kopenhagen, F. Hueppe-Prag, G. v. Istvänffi- Budapest, Orla Jensen-K()|ienliagen, Alfred Jörgensen-Kopenhagen, V. v. Klecki-Krakau, M. Klimmer- Diesden, A. Koch-Göttingeu, R. Kolkwitz-Steglitz-Berlin, F. Krasser-l'rag, W. Kruse-Bnun, H. van Laer-Gent, F. Löhnis- Leipzig, Ch. E. Marshall-East Lansing, Miihigan, R. Meißner Weinsberg, W. Migula-Eisenach, H. Molisch-Wien, C. Neuberg-Beriiu, W. Palladin-lVtersbnrg. P. Petit Nancy, P. Pichi-Conegliano, E.Prior-Wien, 0. Richter-Wien, K. Saito-T(d;in, ^ A. Schattenfroh -Wien, W. Seifert- Kl(.steineul)urg, J. Stoklasa- I'rag, Freiiien- v. Tubeuf- Miiuelien, W. Winkler-Wien, J. Wortmann -Geiseniibini a. lUiein, H. Zikes-Wieu herausgegeben von Professor Dr. Alexander Kossowicz-Wien BAND I BERLIN Verlag von Gebrüder Borntraeger W 35 Schüneberger Ufer 12a 1912 608 öd,. I Alle Reclite, insbesondere das Reclit der Übersetzung in fremde Spraclien, vorbehalten Copyright, 1912, by Gebrüder Borntraeger in Berlin Druck von E Buchbinder (II. Duske) in Nturuppin. Inhaltsverzeichnis. Seite Zur Einfüliriing I r i g i n a 1 a b h a 11 d 1 u n g e ü : R. Meißiier, Versuche über die Entsäuerung von 1910er württembergisclien Weinen mittels reinen gefällten kohlensauren Kalkes 1 S. Lwow, Über die Wirkung der Diastase und des Emulsius auf die alkoholische Gärung und die Atmung der Pflanzen ID F. V. Höhnel, Beiträge zur Mykologie, I 45 C. CT(jrini, Untersuchungen über die säiirelabbildeuden Kokken des Käses . . 49 AI. Kossowicz, Die Zersetzung von Harnstofi', Harnsäure, Hippursäure und Grlykokoll durch Schimmelpilze (iO W. Pallad in, Über die Bedeutung der Atmungspigmeute in den Oxydations- prozessen der Pflanzen und Tiere 91 R. Meißner, Zehnjähriger Versuch über die Lebensdauer rcingezüchteter Wein- hefen in 10 prozentiger Rohrzuckerlösung lOG C. Neuberg und J. Kerb, Entsteht bei zuckerfreien Hefegärungen Äthyl- alkohol? 114 AI. Kossowicz, Die enzymatische Natur der Harnsäure- und Hippursäure- Gärung, 1. Mitteilung 121 AI. Kossowicz, Über das Verhalten einiger Schimmelpilze zu Kalkstickstoff . 124 J. Weese, Studien über Nectriaceen, 1. Mitteilung 120 H. Euler und Th. Berggren, Über die primäre Umwandlung der Hexosen bei der alkoholischen Gärung 20;J F. V. Höhnel, Beiträge zur Mykologie, II bis VII 219 N. Iwan off, Über die Wirkung der Phosphate auf die Arbeit des proteolytischen Enzyms in der Hefe 230 AI. Kossowicz, Die Bindung des elementaren Stickstoffs durch Saccharomyceten (Hefen), Monilia Candida und Oidium lactis 253 0. Gratz, Studien über die Autibiose zwischen Bacteriuin casei e und den Bakterien der Coli-Aerogenes-Gruppe 2")0 K. Saito, Vorläufige Mitteilung über die Mikroorganismen, welche sich an der Bereitung des cliinesischen Branntweins „Kaoliang-Ciiiu"' beteiligen . . . ."{1.") AI. Kossowicz, Die enzymatische Natur iler Harnsäure- und Ilippursäuve- Gäruug, 2. Mitteilung 317 ly Inlialtsverzeichnis. Sammelreferate: g^-^^ J. Weese, Neuere Literatur über Atichia Flotow 63 F. Löhnis, Fortscliritte der landwirtschaftlichen Bakteriologie, I H8 J. Chr. Holm, Die Krankheiten des Bieres und deren Bekämpfung .... 820 F. Löhnis, Fortschritte der Inndwirtscliaftlichen Bakteriologie, II ."UO Referate: 1. (Tärnngsphysiologie und allgemeine Mykologie . S9 — 90, löG — 181, 282 — 286 II. Landwirtschaftliclie und tedmische Mykologie .... 181—193, 286—299 III. Pflanzenkraukheiten und Systematik der Pilze .... 194—202, 299—314 Zur Abwehr 370 Register der Persouennamen 372 Alphabetisches Sachregister 378 Zur Einführung. Es gibt wohl kaum eine Wissenschaft, die in verhältnismäßig kurzer Zeit einen so außerordentlichen Aufschwung, eine so großartige Entwicklung- erfahren hat, wie die Gärungsphysiologie und Mykologie (Bakterio- logie). Nirgends sieht man aber auch diese innige Wechselbeziehung zwischen Wissenschaft und Praxis. Schon die grundlegenden Arbeiten Pasteurs über die alkoholische Gärung hatten an die Praxis angeknüpft, denn der endgültigen Widerlegung der generatio aequivoca folgten bald die Studien über die Krankheiten des Weines, des Bieres, die Essigfabrikation usw. und allen diesen Untersuchungen lag das Streben zugrunde, Mittel ausfindig zu machen, um die Fabrikation dieser Genuß- mittel recht einträglich zu gestalten, sie vor Schädigungen zu bewahren. E. Chr. Hansen war es, der bald darauf die Pläne Pasteurs verwirk- lichen konnte, seine Einzell- Kultur, ungefähr gleichzeitig entstanden mit R. Kochs Plattenkultur, ermöglichte es nachzuweisen, daß es ver- schiedene Hefen, gutartige und für den Gärungsbetrieb schädliche, daß es ebenso auch verschiedene Essigbakterien gebe. Der Begriff der Beiuzucht fand rasch Eingang zunächst in die Praxis der Bierbrauerei. Jedes größere unternehmen dieser Art hatte bald sein physiologisch- biologisches Laboratorium. In diesen der Praxis gewidmeten Instituten fand die Gärungsphysiologie die erste und regste Pflege. Auch in die Brennerei, in die Preßhefefabrikation und zum Teil auch in die Weinbereitüng wurde das Reinzuchtverfahren und damit auch das gärungsphysiologische Studium kurz nachher eingeführt. Die Forschungen Hansens über die Essigbakterien fanden bald eine wertvolle Ergänzung durch die Entdeckungen A. J. Browns, M. W. Beijerincks, Hennebergs und Rothenbachs; die beiden letzt- genannten Forscher haben bekanntlich die Einführung von Essigbakterien- Reinzuchten in die Praxis der Essigfabrikation mit Erfolg uuternonnuen. Die Hefen, die Sproßpilze, die ursprünglich nur für die Gärungs- gewerbe von Interesse schienen, haben aber liald auch die Aufmerksamkeit Zoitschr. f. Gärungspliysiologie. Bil. I. 1 II Zur Einfühlung. anderer Forscher erregt. Ihr häufiges Vorkommen auf den verschiedensten Materialien, auf Früchten, auf Pflanzen, im Boden, in der Milch und in den Molkereiprodukten, vereint mit den kräftigen zersetzenden Wir- kungen, deren sie fällig sind, machen sie zu Organismen, die sich für den Kreislauf der Materie von großer Bedeutung erweisen. Aber auch die landwirtschaftliche und technische Bakterio- logie erfuhren während dieser Zeit eine mächtige Entwicklung. Es ist noch nicht lange her, seit List er und Hueppe die ersten Milchsäure- bakterien in Reinzucht erhielten. Heute steht die Mykologie des Molkereiwesens in hoher Blüte. Zahlreiche wissenschaftlich be- deutsame Feststellungen wurden gemacht und insbesondere für die Praxis der Butterbereitung und Käsefabrikation verwertet. Ebensowenig blieb die Bodenbakteriologie zurück. Die Untersuchungen von Hell- riegel und Wilfarth über die Stickstoff bindung durch Leguminosen- knöllchen, denen bald die Reinzucht des Bacterium radicicola durch M. W. Beijerinck folgte, die Entdeckung freilebender stickstoffixierender Organismen durch Winogradsky, Beijerinck, Löhnis, die Auffindung nitrifizierender Mikroorganismen durch Winogradsky, stellen die wich- tigsten Etappen der von zahlreichen hervorragenden Forschern aus- geführten Untersuchungen dar, die zuletzt dahin zielen, die Boden- fruchtbarkeit und den Ernteertrag zu erhöhen, der Landwirt- schaft Werte zu erhalten und neue Werte zu schaffen. Auch die zahlreichen Untersuchungen auf dem Gebiete der My- kologie der Nalu'ungsmittelge werbe , des Holzes, der Lederfabrikation, der Rotte der Textilpflanzen, der Reinigung der Abwässer sind lauter Arbeiten, die neben der Lösung wissenschaftlicher Fragen sich immer wieder von unmittelbarer praktischer Bedeutung für die Industrie, die Technik, die Hygiene, die verschiedensten Gewerbe, für die Landwirt- schaft erwiesen. In engem Zusammenhang damit stehen auch jene zahlreichen Forschungen, die sich auf die durch Pilze verursachten Krankheiten der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen und Nutztiere beziehen. Viele rein botanisch-wässenschaftliche Fragen werden Ihrer Lösung zugeführt und wirken befruchtend auf die technischen Probleme der Mykologie ein. Waren anfänglich fast ausschließlich die Mediziner und in der Praxis der Gärungsgewerbe stehende Forscher auf dem Gebiete der Gärungs- physiologie, landwirtschaftlichen und technischen Mykologie tätig, so sehen wir nunmehr nicht bloß in allen Staaten zahlreiche technisch- bakteriologische und landwirtschaftlich -bakteriologische Institute und Zur Einführung. UJ besondere Akadeinieu und Schulen für die Gärungsindustrie entstehen, auch die botanischen Institute der verschiedenen Hochschulen wenden immer mehr den Pilzen und besonders den Bakterien und Sproßpilzeu als den einfachst organisierten und daher auch dem Studium der Lebens- prozesse am leichtesten zugänglichen Pflanzen ihre Aufmerksamkeit zu. Die letzten Jahre brachten wieder hervorragende Entdeckungen auf dem Gebiete der Gärungsphysiologie und Mykologie, so E. Buchners Auffindung der Zymase, des Enzyms der Alkoholgärung, die physiologisch ebenso wichtigen wie interessanten Befunde von H. Molisch über die Eisen- und Schwefelbakterien, die mit manchen wissenschaftlichen Vor- urteilen aufgeräumt haben, und in methodologischer Beziehung die Tuschepunktkultur von R. Burri. Nunmehr ist es mit voller Sicherheit möglich, nicht bloß von Sproßpilzen und Schimmelpilzen oder besonders großen Bakterien absolut verläßliche von einer einzigen Zelle ausgehende Reinkulturen herzustellen, sondern auch von den kleinsten Mikroben. Anfangs waren es fast ausschließlich die Sproßpilze (Hefen) und Bakterien allein, die die Aufmerksamkeit des technischen Mykologen erregten, bald kamen einzelne „Schimmelpilze", die schon wegen ihrer großen Verbreitung und der vielfachen Schädigung, die sie in den Gärungs- und Nahrungsmittelgewerben verursachen, nicht gut auf die Dauer über- sehen werden konnten, dazu, und so fand die technische und landwirt- schaftliche Bakteriologie allmählich eine Erweiterung zur technischen und landwirtschaftlichen Mykologie. Je eingehender man nun die einzelnen Gärungs-, Zersetzungs- , Fäulnisprozesse erforschte, umso größer wurde der Formenkreis dieser „Schimmelpilze'', die man mit- berücksichtigen mußte. Die genauere Untersuchung der Zersetzung- gewisser Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, zeigte immer deutlicher die Mitwirkung jener Pilze, die schon auf dem Felde als Parasiten und Sapro- phyten an Pflanzen auftreten. An den Umsetzungen im Boden und Dünger betätigen sich gleichfalls eine gToße Zahl „höherer" Pilze. So erwächst immer mehr dem technischen und landwirtschaftlichen Bak- teriologen die Pflicht, das ganze Pilzreich in den Kreis seiner Unter- suchungen und Studien zu ziehen. Die Zahl der im Laufe der letzten Jahrzehnte entdeckten Bakterien, Hefen und eigentlichen Pilze wird immer größer und immer mehr macht sich die Forderung nach einer Einordnung dieser vielen Einzelorganismen in berechtigte Gruppen geltend, die das Erkennen, den Nachweis dieser Organismen erleichtern, ja überhaupt erst möglich macheu. Die Syste- matik der Pilze tritt damit in den Vordergrund des Interesses. Auf diesem Gebiete liegen aber nur die ersten Anfänge vor. v. Höhn eis 1* lY Zur Einführung. mit so bedeutender Sachkeuntnis, so großem Scharfsinn und so außer- ordentlichem Fleiß jahrelang geführter Kampf gegen die Irrtümer in der Systematik der Pilze zeigen deutlich, wie wünschenswert ein Neuaufbau der ganzen Systematik der Pilze ist; und dies ist um so mehr der Fall, als man wohl mit einiger Berechtigung sagen kann, daß ein wirklicher Fortschritt auf dem Gebiete der Gärungsphysiologie, landwirtschaft- lichen und technischen Mykologie außer von der Erweiterung unserer chemischen Erkenntnisse zumeist von der Ausgestaltung der Systematik der Bakterien und Pilze abhängt. Wie Löhnis in seinem im ersten Heft dieser Zeitschrift enthaltenen Sammelreferat über die Fortschritte der landwirtschaftlichen Bakterio- logie in den Jahren 1910/11 hervorhebt, sind in der Zeit vom Oktober 1909 bis Ende 1911 gegen 1200 wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Bakteriologie allein erschienen. Diese Angabe ist wohl der beste Beweis für die außerordentlich rege Tätig- keit, die auf diesem Gebiete entfaltet wird, und das Interesse, das man ihr entgegenbringt. Dieser Umstand rechtfertigt aber auch wohl am besten das Bestreben nach einer Zusammenfassung der vielfach so überaus verstreut erscheinenden Arbeiten, am besten die Begründung dieser Zeitschrift. Hier handelt es sich nicht um eine Konkurrenz gegenüber bestehenden Sammelorganen und Zentralblättern. Bei der großen Fülle jährlich erscheinender Abhandlungen können diese schon bestehenden Organe ohnehin kaum ihren Aufgaben nachkommen. Viele mykologische Arbeiten erscheinen in Zeitschriften, die weder dem Titel noch dem Inhalte nach zur Aufnahme dieser Abhandlungen dienen sollen. Solche Arbeiten werden nur allzuleicht übersehen, sind schwer ausfindig zu machen und sind, wenn auch ein oder das andere Referat auf sie hin- weist, doch gewöhnlich für längere Zeit der Wissenschaft entrückt. Die überaus rege Arbeit auf dem hier in Betracht kommenden wissenschaftlichen Gebiete macht es aber auch immer mehr zur Not- wendigkeit, den Leser durch gediegene Sammelreferate, möglichst voll- ständige Literaturlisten und verläßliche Referate aus der Feder von Fachmännern, die selbst auf dem von ihnen behandelten Gebiete for- schend tätig waren, mit den wichtigsten Erscheinungen der Wissenschaft vertraut zu machen; besonders diesen Aufgaben soll die Zeitschrift nach besten Kräften nachkommen. Hat nun auch die unermüdliche Forschung der letzten Jahrzehnte so manche wichtige Frage auf gärungsphysiologischem und mykologischem Gebiete der Lösung zugeführt, so sind doch die bedeutendsten Probleme kaum angeschnitten worden und jedes Jahr bringt neue Fragen, die Zur Eiufüliruug. y von ebenso großem wissenschaftlich-theoretischen wie praktischen Inter- esse sind. Die neue Zeitschrift will zunächst au der weitereu Auso-estaltuns: und Verbreitung- der für die Praxis, für die Land- und Volkswirtschaft so wichtigen Gäruugsphysiologie, der allgemeinen, landwirtschaftlichen und technischen Bakteriologie tätig mitwirken; aber auch die Systematik der Bakterien, der Gärungspilze und insbesondere auch jener höheren Pilze, die für die Umsetzungen im Boden und im Dünger und als Schädlinge der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen in Betracht kommen, wird hier in entsprechendem Maße berücksichtigt werden. Alle Herrn Fachkollegen lade ich zur regen Mitarbeit an dieser Zeitschrift ein und bitte sie insbesondere um Förderung der Ziele der- selben durch Zuwendung von Originalbeiträgen und ausführlichen Autor- referaten ihrer in anderen Zeitschriften erscheinenden Arbeiten. Originalabhaudlungen können auch in englischer, französischer und italienischer Sprache zur Veröffentlichung gelangen; in diesem Falle ist die Beigabe einer kurzen Zusammenfassung in deutscher Sprache sehr erwünscht. Wie jedes ernste wissenschaftliche und literarische, dem Kulturfort- schritte dienende Unternehmen soll auch diese Zeitschrift mit dazu bei- tragen, daß das wissenschaftliche Band, das ihre vielen hervorragenden Mitbegründer vereint, mit der Zeit zu einem dauernden, von dem edelsten geistigen Wettstreite beseelten Freundschaftsbunde der Völker und Nationen werde. Wien, im Januar 1912 Der Herausgeber Versuche über die Entsäuerung von 1910 er württembergischen Weinen mittels reinen gefällten kohlensauren Kalkes. Von Richard Meißner-Weinsberg. (Bericht an das Kgl. Württ. Ministerium des Innern und die Kgl. Württ. Zentralstelle für die Landwirtschaft, mit deren Genehmigung veröffentlicht.) Nach den Ausführung-sbestimniungen zu § 4 des Weingesetzes vom 7. April 1909 ist, abgesehen von der in § 3 dieses Gesetzes gestatteten Vermischung des Weines, des Traubensaftes und der zur Rotweinberei- tung benützten Maischen mit Zuckerwasser, eine zweite Möglichkeit gegeben, einen Wein mit hohem Säuregehalt bis zu einem gewissen Grade zu entsäuern, und zwar mittels reinen gefällten kohlensauren Kalkes. Theoretisch betrachtet ist der chemische Vorgang, der sich beim Entsäuern mit dieser Substanz abspielt, folgender: Freie Weinsäure oder im Wein gelöster Weinstein bilden mit dem kohlensauren Kalk unter Freiwerden von Kohlensäure weinsaures Kalzium, welches in Wasser und in schwach sauren Flüssigkeiten nur wenig löslich ist. Es scheidet sich infolgedessen dieses Salz, und damit auch die Weinsäure, zum größten Teile in der Gestalt von Kristallen im Wein aus und be- wirkt dadurch eine Verminderung des Säuregehaltes des Weines. Nur ein kleiner Teil des Kalksalzes bleibt in Lösung. Wird der Weinstein durch den kohlensauren Kalk zersetzt, so bildet sich neben weinsaurem Kalk Kaliumhydroxyd, welches jedoch sofort mit den Säuren des Weines, mit der Äpfelsäure, der Milchsäure, der Bernsteinsäure, der Essigsäure in Reaktion tritt und mit ihnen die entsprechenden Salze bildet. Ver- wendet man dagegen beim Entsäuern größere Mengen kohlensauren Kalkes als durch die Gesamtweinsäure neutralisiert werden können, so verbindet sich das Kalzium auch mit den eben genannten Säuren des Weines zu äpfelsaurem, milchsaurem, bernsteinsaurem und essigsaurem Kalk. Diese letztgenannten Kalksalze sind jedocli in Wasser selir leicht 2 Richaril Meißner, Tabelle Entsäuerungs- ursprünglicher G e m a r k 11 n g und Trauben- Zeitpunkt der Unter- Farbe des Weines (Rot- wein, Spezi- fisches Ge- wicht In 100 ccm Lau- fende Alko- Ex^ Freie Säuren Milch- säure (Be- stimmt Flüch- Nr. Lage sorte suchung 1910/11 Weiß- wein, Schiller- hol trakt (Ge- sarat- säiire) nach dem Ver- fahren tige Säuren wein) vonMös- lirgir) 1 IMetzingeu . . . f Natur- 1 wein S ^ rot 1.U005 5,80 3,00 1,13 0,14 0,04 2 Uhlbach .... Gezuckert -- ,, 0,9967 6,83 2,03 0,55 0,11 0,04 . 3 Cannstatt . , . ( Natur- 1 wein _s )! 1,0003 5,60 2,79 1,095 0,07 0,03 4 Fellbach .... Gezuckert •7 1,0013 6,44 2,48 0,96 0,10 0,06 5 Heilbronn . . . n "oj !7 0,9963 7,43 2,17 0,63 0,24 0,08 7 "Weinsberg . . . Desgl Trocken zucke- rung weiß rot 0,9969 1,0000 7,36 6,21 2,35 2,56 0,70 0,59 0,14 0,12 0,04 0,05 8 Löwenstein . . . Gezuckert 77 0,9969 7,46 2,26 0,73 0,20 1 0,06 9 Stetten i. R. )i N -C a: fc- O i- 1 II weiß 0,9996 6,76 1,95 0,82 0,06 0,07 1 10 Neustadt i. R. . . 1 Natur- Schiller 1,0002 5,26 2,58 0,91 0,08 0,03 1 11 Strümpfelbach . . 1 wein ■r. 'Z S rot 0,9987 5,82 2,01 0,56 0,19 0,06 12 Kleinheppach . Gezuckert S -1 a 71 0,9969 7,91 2,37 0,93 0,09 0,03 13 Korb i. R. . . . „ s s - Schiller 0,9992 7,16 2,72 0,87 0,17 0,04 14 Steinbachhof . . )7 1 § ^ >3 ^— rot 0,9987 5,08 2,12 0,68 0,13 0,04 15 Horrheim . . . )) 0^ Q.) .M Q S "ä Schiller 0,9995 6,66 2,61 0,94 0,07 0,04 16 Haberschlacht . . n > n 0,9979 6,08 1,94 0,51 0,10 0,07 17 Brackenheini . . 77 s rot 0,9989 6,99 2,49 0,87 0,08 0,04 18 Ingelfingen . . . 03 2 weiß 0,9996 6,37 2,56 0,56 0,37 0,06 19 Assurastadt . . . Natur- 77 1,0014 6,02 2,91 1,18 0,09 0,06 i 20 Desgl wein 'S 77 0,9990 6,79 2,64 1,13 0,06 0,05 21 Weikersheim . . 3 0,14 0,23 2,34 1,45 1,42 0,227 2,22 3,79 0,77 0,82 0,6 1 unter l 0,1 0,132 0,17 0,21 2,72 1,90 1,85 0,351 2,70 8,38 0,73 0,63 0,3 0,23 0,20 0,15 2,09 1,46 1,41 ; 0,222 2,20 6,00 0,51 0,89 0,42 0,4 0,6 lunter 1 0,1 0,22 0,23 0,27 0,29 2,61 1,94 1,72 1,52 1,67 , 1,43 0,271 0,248 2,42 2,40 6,00 5,00 0,75 0,30 0,82 0,5 0,166 0,17 1 0,21 2,42 1,60 1,55 ; 0,261 2,25 7,15 0,74 0,47 0,4 0,22 0,28 2,56 2,09 I 2,00 ' 0,330 2,68 6,28 0,36 1,10 1,07 0,6 0,7 untei 0,1 0,27 0,38 0,09 0,18 0,16 0,20 0,16 2,91 2,64 1,81 1,57 1,73 1,51 0,303 0,230 2,38 1,93 9,97 10,47 0,96 0,83 1,02 0,4 0,49 0,25 0,16 0,12 2,57 1,55 1,51 0,200 1,04 7,26 0,65 1,15 0,4 1 0,36 0,02 ! 0,27 0,12 2,34 1,19 1,14 1 0,187 2,25 7,48 0,96 4 Richard Meißner, löslich, sie verbleiben also im Wein. Dadurch wird aber die chemische Zusammensetzung- des Weines sehr stark verändert und besonders der Aschengehalt erheblich vergrößert. Die Folge hiervon ist, daß die so behandelten Weine einen eigenartigen, salzigen Beigeschmack erhalten, der natürlich ihre Qualität in verscliiedenem Grade vermindert. In der Weinbau -Versuchsanstalt in Weinsberg- wurden bereits im Jahre 1905 Versuche über die Entsäuerung von Weinen mittels kohlen- sauren Kalkes augestellt. Der Grund hierfür war die zahlreich wieder- holte Anfrage von selten der Praxis, ob durch kohlensauren Kalk der Essigstich aus den Weinen entfernt werden könne. Durch die damaligen Versuche konnte gezeigt werden, daß durch 0,66 g kohlensauren Kalk in 1 Liter Wein 1 g Gesamtsäure, durch 1,32 g kohlensauren Kalk 2 g Gesamtsäure zum Verschwinden gebracht werden, daß aber die Essig- säure verhältnismäßig nur wenig angegriffen wird. (Vergl. Jahres- bericht der württb. Weinbau -Versuchsanstalt für das Jahr 1905, S. 74 bis 77.) Mit anderen Worten, es mußte die oben gestellte Frage durch- aus verneint werden. Die Versuche wurden im Jahre 1910 mit einer anderen Frage- stellung wieder aufgenommen, nachdem die Kommission für die amtliche Weinstatistik in Trier es für wünschenswert erachtet hatte, gerade mit Weinen aus einem ungünstigen Weinjahre die Versuche durchzuführen. Mit Genehmigung des Kgl. Württb. Ministeriums des Innern und der Kgl. Württb. Zentralstelle für die Landwirtschaft wurden die Versuche mit 22 württb. 1910er Weinen angestellt. Die Fragestellung, welche diesen Versuchen zugrunde gelegt wurde, war folgende: 1. Enthalten die zu entsäuernden Weine mit hohem Säuregehalt genügende Mengen an Weinsäure, die sich mit dem kohlensauren Kalk zu dem im Wein wenig löslichen weinsauren Kalk umsetzt? 2. Ist in dem zum Versuch verwendeten Wein bereits eine größere Menge Mlchsäure gebildet? 3. Welche Mengen kohlensauren Kalkes können bei den Weinen verwendet werden, ohne daß dadurch eine geschmackliche Veränderung derselben eintritt? 4. Vermindert sich nur der Gehalt der Weine an Gesamtweinsäure oder werden auch die Milchsäure und andere Säuren des Weines an- gegriffen? 5. Wie gestaltet sich der spontane Säurerückgang der Versuchs- weiue ohne Verwendung von kohlensaurem Kalk? Die Versuchsweine, welche in den angeschlossenen Tabellen auf- geführt sind, wurden gleich nach ihrer Ankunft in der Versuchsanstalt Versuche über die Entsäuening von 1910er württembergischen Weinen. 5 auf ihre chemische Znsaminensetzung- untersucht (Tabelle A), um erkennen zu können, welche Veränderungen in ihnen durch die Versuchsanstellung vor sich gehen, und um die beiden ersten, oben gestellten Fragen zu beantworten. Zugleich wurde in einer Versuchsreihe je V2 Liter der betreffenden Weine mit je 0,33 g, in einer anderen mit 0,66 g reinen gefällten kohlensauren Kalk versetzt, die Flaschen nach tüchtigem Um- schütteln, wobei die freiwerdende Kohlensäure aus den Flaschen ent- wich, gut verkorkt und dann auf einige Zeit in den Keller gestellt, damit sich das weinsaure Kalzium kristallinisch absetzen könne. Diese Weine wurden dann auf freie Säuren (Gesamtsäure), Milchsäure, Ge- samtweinsäure, freie Weinsäure, Weinstein und Weinsäure, an alkalische Erden gebunden, untersucht. (Ergebnisse in Tabellen B und B I.) Vor der chemischen Untersuchung wurden die ursprünglichen Weine mit den durch kohlensauren Kalk entsäuerten einer vergleichenden Kostprobe unterworfen, um zu erfahren, ob die Entsäuerung des betreffenden Weines zweckmäßig und vorteilhaft war, oder ob die Entsäuerung in technischer Hinsicht dem Weine zum Nachteil gereichte. In einer dritten Versuchsreihe endlich wurde je V2 Liter der ursprünglichen Weine gleich nach ihrer Ankunft auf Flaschen gefüllt, gut verkorkt und dann vom 21. Dezember 1910 an bis zum 22. Juli 1911 im Keller, horizontal liegend, aufbewahrt. Von diesem Zeitpunkt an bis zum 15. August 1911 wurden auch diese Weine auf dieselben Bestandteile wie die entsäuerten Weine untersucht und einer Kostprobe unterworfen. (Ergebnisse in Tabelle C.) Die Ergebnisse der Versuche lassen sich unter Zugrundelegung des Tabellenmaterials dahin zusammenfassen : 1. In allen Weinen war so viel Gesamtweinsäure vorhanden, daß trotz des Zusatzes von 0,66 g kohlensauren Kalkes pro V2 Liter Wein noch ein Best davon im Wein verblieb, der allerdings bei manchen Weinen sehr gering ist. (Vergl. Tabelle B I, Nr. 2, 5, 6, 7, 11, 13, 14, 15, 16, 17, 18.) Freie Weinsäure wurde in fünf Weinen gefunden (Tabelle A Nr. 8, 9, 20, 21 und 22) und dabei nur bei Wein Nr. 21 in größerer Menge, nämlich 0,25 ^/o. Der Gehalt der Weine an Weinstein schwankt, abgesehen von den Weinen Nr. 8 und 9 (Tabelle A), die nur 0,09 und 0,11*^/0 Weinstein aufweisen, zwischen 0,14 und 0,29 ",0. Manche der Weine (Tabelle A Nr. 2, 5, 7, 10, 11, 13, 15 bis 18) zeigen keine Weinsäure, die an alkalische Erden gebunden ist; im übrigen schwankt der Gehalt zwischen 0,11 und 0,23 ''/o. 2. Aus den Untersuchungsergebnissen (Tabelle A) geht hervor, daß in manchen der untersuchten Weine der Säureabbau, d. h. die Umwand- Richard Meißner, Tabelle B. Entsäuerungs -Versuch. Mit 0.33 g kohlensaurem Kalk pro ' 2 Liter versetzte Weine. Greniarkung lind Zeit- punkt der In 100 com sind enthalten g 3 1 Freie Säuren Milch- säure (Be- stimmt nach Flüch- Ge- samt- Freie Wein- Wein- säure, an alka- lische Erden gebun- den Alkali- tät der Asche 5 Lage Unter- suchung 1911 (Ge- samt- säurei dem Ver- fahren von Möslin- tige Säuren wein- säure Wein- säure stein in ccm n- Lauge ger) 1 Metzingen . . 1,03 0,07 — 0,19 0,24 2,50 2 Uhlbach . . 0,45 0,09 . 0,11 0,13 — 3 Cannstatt . . 0,99 0,07 — 0,19 0,24 2,55 4 Fellbach . . 0,86 0,08 — 0,17 0,21 3,25 5 Heilbronn . . 0,53 0,10 0,15 0,19 2,15 6 Weinsbei'g 0,60 0,23 — 0,10 0,12 — 7 Desgl. . . . 0,49 0,22 — 0,11 0,14 — 8 Löwenstein 0,62 0,18 — 0,17 0,09 0,12 1,35 9 Stetten i. R. . Vom 0,72 0,04 — 0,21 0,19 0,14 1,85 10 Neustadt i.R . 2. Ja- 0,80 0,10 — 0,13 0,16 — 11 Strünipfelbach nuar 0,46 0,19 — 0,12 0,15 — 12 Kleinheppach . bis 0,82 0,09 0,17 0,21 2,25 13 Korb i. R. . • . 7.April 0,77 0,11 — 0,12 0,15 — 14 Steinbachhof . 1911 (1,57 0,24 — . 0,14 0,18 2,05 15 Horrheim . . 0,84 0,14 0,14 0,18 .3.00 k; Haberschlacht 0,41 0,10 0,15 0,19 — 17 Brackenheim . 0,77 0,06 — 0,12 0,15 — 18 Ingelfingen . 0,46 0,30 — 0,13 0,16 — 19 Assumstadt 1,08 0,05 — 0,22 — 0,23 — — 20 Desgl. . . . 1,03 0,04 — 0,32 — 0,16 — — 21 Weikersheim . 0,96 0,03 — 0,44 — 0,16 — — 22 Hemigkofen . 1,10 0,07 0,28 0,27 0,13 2,35 Versuche über die Entsäuerung von 1910 er württembergischeu Weinen. Tabelle BI. Entsäuerungs-Versuch. Mit 0,66 g kohlensaurem Kalk pro V 2 Liter versetzte Weine. In 100 com sind enthalt ten g Milch- AlkaH- s a Gemarkung Zeit- punkt Freie säure CBe- Wein- säure, tät der tf stimmt Ge- a CS und Lage der Unter- suchung Säuren (Ge- sanit- nach dem Yer- Flüch- tige Säuren samt- wein- ^änrp Freie Wein- säure Wein- stein an alka- lische Erden Asche in ccm u- ^ 1911 säure) fahren von Möslin- ger) OC^Ul gebun- den Lauge l Metzingen . . 0,93 0,06 — 0,14 0,18 — 3,00 2 Uhlbach . . 0,35 0,07 — 0,06 0,08 — — 3 Canustatt . . 0,89 0,07 — 0,13 0,16 — 3,00 4 Fellbach . . 0,76 0,08 — 0,10 0,13 — 3,55 5 Heilbronn . . 0,43 0,14 — 0,09 0,11 — 2,50 6 Weinsberg . . 0,50 0,25 — 0,05 0,06 — — 7 Desgl. . . . 0,39 0,24 — ■ 0,05 0,06 — — 8 Löwenstein 0,53 0,17 — 0,11 0,09 0,15 1,55 9 Stetten i. E. . Vom 0,62 0,04 — 0,12 0,15 2,00 10 Neustadt . . 2. Ja- 0,71 0,09 — 0,11 0,14 — 11 Strümpfelbach nuar 0,36 0,19 — 0,05 0,06 (1 — 12 Kleinheppach . bis 0,72 0,08 ^ 0,10 0,13 3,10 13 Korb i. R. . . 7. April 0,67 0,06 — 0,09 0,11 — 14 Steinbachhof . 1911 . 0,47 0,22 — 0,05 0,07 2,70 15 Horrheim . . 0,74 0,18 — 0,08 0,10 3,15 16 Haberschlacht 0,31 0,10 — 0,06 0,08 — 17 Brackenheini . 0,67 0,06 0,06 0,08 — 18 lugelfingen 0,36 0,27 — 0,06 0,08 — 19 Assumstadt . 0,98 0,05 — 0,14 — 0,18 — 20 Desgl. . . . 0,93 0,04 0,24 — 0,13 — 21 Weikersheim . 0,86 0,03 — 0,32 — 0,19 — 22 Hemigkofen . 1,00 0,06 0,18 0,22 0,16 2,43 8 Richard Meißner Tabelle C. Entsäuerungs-Versuch. Gelagerte, nicht mit l 0,3 9,6 0,3 1,9 174,7 9,9 über die "Wirkuug der Diastase und des Emnlsins usw. 25 Das Quantum der ausg-eschiedeneu CO 2 ist etwas beträchlicher, als bei dem 1 ten Versuche, allein immer noch außerordentlich gering, so daß die aus dem Iten Versuche hervorgegangene Schlußfolgerung auch hier noch in Kraft bleibt. 3ter Versuch. l%ige Taka-Diastase , d.h. nur 0,5g Taka-Diastase und Hefanol. Temperatur während des Versuches 17^19" C. Versuclisdauer I. Kontrollportion II. Yersuchsportion Taka-Diastase (l7o) in Stundeö Gesamte CO,-Menge COs prc -Menge 1 Std Gesamte COo-Menge CO pr( ,-Menge ; 1 Std. 4 28,5 7,1 3,2 0,8 4 40,4 10,1 12,8 3,2 16 75,1 4,7 11,6 0,7 24 28,1 1,2 3,4 0,1 24 5,1 0,2 — — 177,2 — 31,0 — 4ter Versuch. 27oige Taka-Diastase und Zjanin (3 g). I. Kontrollportiou: 50 ccm 10 % ige Saccharoselösung -|- 3 g Zymin. II. Versuchsportion: Dasselbe -j- 1 g Taka-Diastase. ' Temperatur während des Versuches 17 — 19" C. Versuchsdauer I. Kontrollportion II. Versuchsportion Taka-Diastase (2 7o) in Stnndeu Gesamte COo-Menge COj-Menge pro 1 Std. Gesamte COg-Menge COg-Menge pro 1 Std. 3 30,3 10,1 21,9 7,3 3 58,1 19,4 19,5 6,5 16 168,4 10,5 56,0 3,5 6 45,0 7,5 6,1 1,0 24 60,0 2,5 0,6 <>>1 . . 24 4,8 0,2 — — 366,6 — 104,1 — 5t er Versuch. 4"/oige Taka-Diastase und Zymin (4 g). I. Kontrollportion: 50 ccm lOVoiger Saccharoselösuug -i- 4 g Zymin. II. Versuchsportion: Dasselbe -|- 2 g Taka-Diastase. Temperatur während des Versuches 17 V2 — 19" C. 26 S e r ff i u s L w o w . Versuchsdauer 1. Koutrollportiou IL Yersuclisportiüu Taka-Diastase (4%) iu Stunden (j esamte COj-Menge CO,-Menge pro 1 Std. Gesamte COo Menge COa-Meoge pro 1 Std. 2 38,4 19,2 30,2 15,1 3 55,5 18,5 19,2 8,4 18 307,8 17,1 48,6 2,7 24 127,2 5,3 6,3 0,3 24 26,4 1,1 — — . 24 7,2 0,3 — 502,5 — 104,3 — Betrachten wir die Resultate des 3ten, 4ten und 5ten Versuches und vergieichen dieselben mit denjenigen des 1 ten und 2 ten Versuches, so sehen wir, daß dieselben iu qualitativer Hinsicht übereinstimmen. Die Taka-Diastase legt, wie auch vorher, eine äußerst verderbliche Wirkung- auf die alkoholische Gärung an den Tag. Alleiu man kann jetzt nicht von einer völligen Unterdrückung dieser letzteren sprechen. Je energischer die Zymase arbeitet und je relativ weniger Taka-Diastase verwendet wird, umso schwächer ist auch deren Wirkung. Es besteht offenbar eine bestimmte gegenseitige Beziehung zwischen der Quantität Zj'mase und der Quantität Taka-Diastase, bei welcher die Wirkung der Zymase aufhört. Die Taka-Diastase muß in verhältnismäßig großen Gewichts- mengen verwendet werden, damit ihre Wirkung zutage tritt. Bildet dieselbe wirklich ein Gift für die Zymase, so unterscheidet sich dieses Gift jedenfalls seinen Eigenschaften nach scharf von jenen Giften, welche schon in minimalen Dosen totbringend sind, und bei denen der Effekt der Wirkung ein so überraschend großer ist im Vergleich zu der Quantität der giftigen Substanz. Die Zymase und die Taka-Diastase neutralisieren sich gewisser- maßen gegenseitig, indem sie ihre aktiven Eigenschaften aufheben. Jeden- falls steht fest, daß die zwischen ihnen vor sich gehende, uns unbekannte Reaktion nicht nach dem Typus der Katalyse verläuft, sondern eher nach dem Typus der Sättigung. 6ter Versuch. Bei den vorhergehenden Versuchen verwendete ich ein Taka-Diastase- I'räparat und war geneigt, den Effekt der Wirkung den Diastase-Prä- parateu überhaupt zuzuschreiben. Späterhin nahm ich das Präparat von Merk (welches ich weiter unten der Kürze halber als Merk-Diastase bezeichnen werde). Ich stellte mit demselben einen Versuch an, in der Voraussetzung, analoge Resultate zu erzielen. Zu meiner Verwunderung L'ber die Wirkung der Diastase und des Emulsins usw. 27 wurde ein iiing-ekehrter, sozusag-en entgegeugesetzter, Effekt erzielt. Nachstehend teile ich die Ergebnisse dieses Versuches mit: I. Kontrollportion : 50 ccm 10 "/o iger Saccharoselösung + 3 gHefanol. II. Dasselbe + 1 g Taka-Diastase (2 "/„). III. Dasselbe + 1 g Merk-Diastase (2 7o). Versuchsdauer I. Kontrollportion II. Versuchsportion Taka-Diastase (2 «/o) III. Versuchsportion Merk-Diastase in Stunden Gesamte COg - Menge Gesamte COj - Menge Gesamte | COg -Menge CO, - Menge ]u-o 1 stunde COg - Menge pro 1 Stunde COj - Menge pro 1 Stunde 4 30,1 7,5 8,6 : 2,1 16,2 4,0 4 32,4 8,1 2,8 : 0,7 44,1 11,0 15 82,8 5,5 — 105,4 7,0 24 38,4 1,6 — ■ — 50,1 2,1 24 2,4 0,1 — — 12,2 0,5 24 — — — — 2,5 ! 0,1 186,1 — 11,4 — 230,5 — Die Merk-Diastase weist nicht im geringsten eine unterdrückende Wirkung auf die Zymase auf. Im Gegenteil, sie erhöht die Energie ihrer Tätigkeit, wenn auch nur schwach. 7ter Versuch. Einprozentige Taka-Diastase und Merk-Diastase (d. h. je 0,5 g). Im übrigen dieselben Versuchsbedingungen. Versuchsdauer I. Kontrollportiou II. Versuchsportion Taka-Diastase (1 %) III. Versuchsportion Merk - Diastase in Stunden (iesamte COg - Menge COg - Menge pro 1 Stunde Gesamte CO, - Menge COg - Menge pro 1 Stunde Gesamte COj - Menge COg - Menge pro 1 Stunde 5 36,5 7,3 15,5 3,1 17,5 3,5 2 16,2 8,1 5,1 2,5 18,8 9,4 24 98,3 4,1 14,4 0,6 108,4 4,5 24 26,4 1,1 2,5 0,1 86,2 1,5 24 4,1 1 0,2 — — 12,3 0,5 182,1 — 37,5 — 193,2 — In schroffem Gegensatze zu der Taka-Diastase ergibt die Merk- Diastase, ebenso wie in vorstehenden Versuchen, eine Erhöhung der Ausscheidung von COä gegenüber der Kontrollportion, obgleich die Stimu- lation, bei einer Herabsetzung ihrer Konzentration um das Doppelte, be- deutend schwächer geworden ist und die Ausscheidung von CO2 sich derjenigen der Kontrollportion zu nähern beginnt. Beachtung verdient jene merkwürdige Tatsache, daß während der ersten Stunden des Ver- Zeitsclir. f. Gäruiigsphysidlosie. Bd. I. 3 28 Serffius Lwow siiches der mittlere stündliche Austritt von COi in der Portion mit Merk-Diastase bedeutend schwächer ist, als in der Kontrollportion, und erst späterhin eine sehr energische Ausscheidung von CO2 beginnt, welche jene der Kontrollportion schließlich überholt. Wie dem nun auch sein mag, so ist es doch klai-, daß die beiden verschiedenen Diastase- Präparate in bezug auf die Zymase einander diametral entgegengesetzte Eigenschaften an den Tag legen. 8ter Versuch. Von dieser unerwarteten Tatsache überrascht, stellte ich den nächsten Versuch mit zuvor dem Kochen ausgesetzten Präparaten an, um die Fer- mente abzutöten. 50 ccm Wasser wurden mit (»,5 g Taka-Diastase und Merk-Diastase zum Kochen gebracht und erst dann nach erfolgter Ab- kühlung Saccharose (zu 5 g) und Hefanol (zu 'S g) hinzugefügt. Nach- stehend teile ich die Ergebnisse dieses Versuches mit. Temperatur während des Versuches 17 — 19 "C. II. Versuchsportion III. Versuchsportion Versiichsdauer in Stunden I. KontroUportiou Gekochte Taka-Diastase Gekochte Merk-Diastase Gesamte CO, - Menge Gesamte COg - Menge Gesamte CO, - Menge COg - Menge pro 1 Stunde CO, - Menge pro 1 Stunde CO2 - Menge ' pro 1 Stunde 4 26, U ' 6,5 35,2 8,8 20,4 5,1 16 92,8 ' 5,8 116,4 7,3 46,8 2,9 24 50,4 2,1 79,6 3,3 51,6 2,1 24 19,2 0,8 26,4 1,1 7,2 0,3 24 3.1 0,1 4,8 0.2 — — 191,5 — 262,4 — 126,0 — Das erhaltene Resultat war sehr effektvoll, indem es ein dem früheren entgegengesetztes Bild darbot. Die mit genügender Schärfe ausgesprochene Rolle des Stimulators ist von der Merk-Diastase auf die Taka-Diastase übergegangen. Die Merk-Diastase hat die Tätigkeit der Zymase nicht nur nicht verstärkt, sondern sie hat dieselbe im Gegen- teil sogar herabgesetzt, wenn auch in nicht sehi' bemerkbarem Grade. 9t er Versuch. Zymin (.3 g) mit nichtgekochter und gekochter Taka-Diastase (2 "/o). I. Kontrollportion: 50 ccm lO^igerSaccharoselösung + SgZymin. II. Versuchsportion: Dasselbe + 1 g nichtgekochter Taka-Diastase. III. Versuchsportion: Dasselbe + 1 g gekochter Taka-Diastase. Temperatur während des Versuches 17 — 19 " C. über die Wirkung der Diastase und des Emulsins usw. 29 II. Versuchsportion III. Versuchsportion Versuchsdauer in Stunden I. Kontrollportion Nichtgekochte Taka- Diastase Gekochte Taka - Diastase Gesamte CO2 - iren,s:e Gesamte CO2 - Menge Gesamte COj - Menge CO, - Menffe pro 1 Stunde rOj - Men<>:e pro 1 Stunde COg - Menge pro 1 Stunde 4 40,2 10,0 36,1 8,0 100,3 25,0 2 38,6 19,3 23,6 11,8 56,1 28,0 16 172,0 10,8 38,0 2,4 352,4 ' 22,0 5 40,3 8,1 5,2 1,0 97,2 19,4 25 70,0 2,8 — — 198,2 8,0 23 2,8 0,1 — — 100,5 4,4 24 — — — — 26,8 1,1 363,9 — 102,9 — 931,5 — Fig. 1. Die Resultate des 9ten Versuches mit gekochter und nichtgekochter Diastase sind in den Kurven dargestellt. Die Kurven sind berechnet auf Grund der mittleren COj-Mengen in je einer Stunde im Verlaufe verschiedener aufeinanderfolgenden Intervalle. Die Kurve verschiebt sich (von der Kurve des Kontrollversuches I) sehr scharf nach oben bezw. nach unten, je nachdem nicht gekochte (Kurve II) oder gekochte (Kurve III) Taka- Diastase in Anwendung kam. 3* 30 Sergius Lwow 10t er Versuch. Versuchsbeding-img-eu wie im vorigen Versuch, nur verwendete ich für sämtliche Portionen anstatt 3 g, 4 g- Zymin und in den Versuchs- portionen II und III anstatt 1 g, 2 g Taka-Diastase (d. h. 4",,). II. Versuchsportion III. Versuchsportion Versuchsdauer in Stunden I. Kontrollportion Nichtgekochte Taka - Diastase Gekochte Taka -Diastase Gesamte r"(), - Menge COg - Menge pro ] Stunde Gesamte f 'Og - Menge CO, - Menge pro 1 Stunde Gesamte ( '( )„ - Menge COg - Menge pro 1 Stunde 3V2 } 99,2 19,8 } 52,8 10,6 125,2 ' 83,5 123,2 . 35,2 19 328,0 17,3 55,2 2,9 536,0 28,2 G 56,0 9,3 3,1 0,5 134,8 22,5 17 32,8 1,9 — — 205,5 11,8 24 14,5 0,6 — — 144,8 6,1 24 — — — — 60,3 2,5 24 — — — — 7,5 0,3 :)i(i,u 111,1 — 1337,3 — Die zwei letzten Versuche 9 u. 10 bieten eine deutliche Illustration dafür, in wie schroffer Weise die Wirkung der Taka -Diastase in die entgegeng'esetzte Richtung umschlägt, nachdem das Ferment durch Kochen vernichtet wurde. Nach dem Kochen wirkt die Taka -Diastase in gerade entg'egen- g'esetzter Richtung. Bei der Merk-Diastase gelangt die entgegen- gesetzte Erscheinung zur Beobachtung, obgleich ihre Wirkung sowohl in dieser, wie auch in jener Richtung überhaupt schwächer ist. Woher dieser Unterschied? Diese Frage habe ich nicht aufklären können, doch verdient sie, wie mir scheint, eine Be- achtung. Die eigenartigen Wirkungen der Taka -Diastase auf die Zymase können natürlich nicht der Diastase, dem Enzym selbst, als einem Stärke in Zucker verwandelnden Ferment, zugeschrieben werden. Beide Präpa- rate verhalten sich in diesem Sinne gleichartig und dennoch ist ein scharfer Unterschied zwischen denselben vorhanden. Dieser Unterschied bleibt, wenn auch im entgegengesetzten Sinne, auch nach dem die spezifischen Eigenschaften der Diastase zerstörenden Kochen zwischen ihnen bestehen. Vielleicht sind in den Präparaten außer der Diastase noch andere Fermente enthalten, in denen wir die Ursache der erwähnten Erscheinungen zu suchen haben? Wir kennen Fermente, welche Ajit- über die Wirkung der Diastase und des Emulsins usw. 3]^ agonisten der Zymase darstellen, wie z. B. die Eudotryptase, zum Teil auch die Peroxydase. Ihr Autagonismus ist in der lebenden Zelle eine der Bedingungen für die zweckmäßige Koordinierung ihrer Funk- tionen, d. h. dieser Antagonismus bildet hier ein notwendiges Postulat des Lebens, nicht aber des Todes. Der . Antagonismus ist eine Ein- schränkung, nicht ein augenblickliches Abtöten. Und doch hat in einigen meiner Versuche (namentlich in den Versuchen 1 und 2) die Taka-Diastase die Zymase so zu sagen gänzlich und augenblicklich ge- tötet. Es ist schwer anzunehmen, daß man eine so entschiedene und effektvolle Tätigkeit sekundären Beimischungen des Präparates zuschreiben kann. Augenscheinlich liegt die Hauptursache w^o anders verborgen. Wo sie aber zu suchen ist, weiß ich einstweilen noch nicht. Ich möchte mir nur erlauben eine rein aprioristische Vermutung auszusprechen. Die Taka-Diastase wird aus Aspergillus Oryzae gewonnen, die Merk -Diastase dagegen aus Gerste, einer Pflanze, welche in genealo- gischer Beziehung von dem Schimmelpilze ungeheuer weit entfernt steht. Die Funktion der Verzuckerung der Stärke behufs Überführung derselben in lösbaren Zustand ist, man kann wohl sagen, eine allgemein ver- breitete Funktion im Pflanzenreiche. Wenn sich nun zur Ausübung dieser Funktion von alten Zeiten her ein gleichartiger Mechanismus — das Diastaseferment — herausgebildet hat, welches sich auf allen Stufen der Pflanzenwelt weit verbreitete, so ist es wohl sehr fraglich, ob dieser Mechanismus, bei aller seiner funktionellen Gleichartigkeit, überall und stets in allen seinen Teilen eine vollkommene Identität beibehalten hajbC Was die Diastase als chemischer Körper vorstellt, ist uns einstweilien unbekannt, allein es unterliegt keinem Zw^eifel, daß dieser Körper ^ehr kompliziert ist. Es ist schwer anzunehmen, daß im Verlaufe vieler Jahrhunderte und Jahrtausende die allgemeine Evolution diesem Körper nicht ihren Stempel aufgedrückt haben würde. In den verschiedenen Typen der Pflanzen bemerkt man weitgehende biologische Unterschiede, und es ist wohl möglich, daß die Diastase, indem sie überall ihre Grundfunktion (das Verzuckern der Stärke) bei- behielt , sich in ihren sekundären Eigenschaften an den biologischen Typus der betreffenden Pflauzengruppe angepaßt hat. In diesem Sinne ist es wohl möglich, daß es nicht nur eine, sondern mehrere Diastasen gibt, so sehr sie auch in ihrer grundlegenden Funktion übereinstimmen. In diesem Falle wäre es gar nicht zu verwundern, wenn die in so sehr voneinander verschiedenen biologischen Laboratorien, wie es die Gerste und Aspergillus Oryzae sind, zubereiteten Diastasen in einigen Be- ziehungen entgegengesetzte Eigenschaften an den Tag legen. Es ist 32 Sergius Lwow, ferner möglich, daß in der Taka-Diastase außer der Diastase auch noch andere stark wirkende Stoffe enthalten sind. llter Versuch. Taka-Diastase und Merk-Diastase mit Glykose. Hefanol (3 g). Bis jetzt hatte ich immer nur von der Wirkung der Taka-Diastase auf die Zj^mase gesprochen. Allein alle bisher erwähnten Versuche ^^irden mit Saccharose angestellt. Es kann sich die Frage aufdrängen, ob nicht die Taka-Diastase ihre zerstörende Wirkung nicht auf die Zy- mase, sondern vielmehr auf das Invertin richtet, indem sie auf diese Weise die Saccharose in ein für die Zymase nicht zugängliches Material verwandelt? Zur Beantwortung dieser Frage ersetzte ich die Saccharose durch andere Kohlehydrate. Die übrigen Bedingungen waren die ge- wöhnlichen. I. Kontrollportion : 50 ccm 10 "/oiger Gly ko s elösung + 3 g Hefanol. II. Versuchsportion: Dasselbe -|- 1 g Taka-Diastase. III. Versuchsportion: Dasselbe 4" 1 & Merk-Diastase. Temperatur während des Versuches 17 — 18 ** C. Versuchsdauer in Stunden I. Kontrollportiou II. Versuchsportion Nichtgekochte Taka-Diastase (2%) III. Versuchsportion Nichtgekochte Merk-Diastase (2%) Gesamte COg - Menge CO2 - Menge pro 1 Stunde Gesamte COo - Menge CO2 - Menge pro 1 Stunde Gesamte ('O2 - Menge CO2 - Menge pro 1 Stunde 7 18 22 3 24 ;:i5,7 71,6 54,0 3,6 7,5 5,1 4,0 2,5 1,2 0,3 8,4 4,0 1,2 0,2 52,5 95,4 61,6 4,5 12,5 7,5 5,3 2,8 1,5 0,5 172,4 — /-'^,4 — 226,5 — Es erweist sich mit Deutlichkeit, daß das Invertin für die vor- liegende Frage nicht in Betracht kommt. Die Taka-Diastase und die Merk-Diastase wirken gerade auf die Zymase. 12t er Versuch. Anstatt Saccharose habe ich Maltose verwendet. Im übrigen wurden dieselben Bedingungen eingehalten wie in vorstehenden Versuchen. I. Kontrollportion: 50 ccm 10 °/oiger Maltoselösung -\- 3 g Hefanol. II. Versuchsportion: Dasselbe -\- 1 g nichtgekochter Taka-Diastase. III. Versuchspoition: Dasselbe + 1 g nichtgekochter Merk-Diastase. Temperatur 18— 19V 2" C. über die Wirkung der Diastase und des Emulsins usw. 33 11. Versuchsportion . TU. Versuchsportion Versuchsdauer in Stunden 1. Kontrollportion Xichtgekochte Taka- Diastase (2%) Nichtgekochte Merk -Diastase (27o) Gesamte CO, - Meiio:e CO, - Menge pro 1 Stunde (lesamte j COg - Menge COg- Menge 'pro 1 Stunde Gesamte CO, - >[enge COj - Menge pro 1 Stunde 5 27,5 5,5 1,6 0,3 26,0 5,2 17,5 3 72,9 6,3 4,2 2,1 1 ^^ 0,3 112,4 9,3 6,4 3,1 20 18,8 0,9 — — 19,2 0,96 125,5 — 8,8 — 166,9 — 1 3 1 e r Ve r s II c h. Es entstand noch eine Frag-e, und zwar, ob nicht die Taka-Diastase ans dem Grunde in so verderblicher Weise auf die Zymase einwirkt, weil sie kein Material für ihre direkte Arbeit, d. h. keine Stärke vor sich hat? Ein mit Stärke ausgeführter Versuch widerlegte diese Annahme. I. Kontrollportion: 50 ccm Wasser + 5 g lösliche Stärke + 3 g Hefanol. II. Versuchsportion: Dasselbe + 1 g' nicht gekochte Taka-Diastase. III. Versuchsportion: Dasselbe + 1 g nichtgekochte Merk -Diastase. II. Versuchsportion III. Versuchsportion I. Kontrc llportion Nichtgekochte Nichtgekochte Versuchsdauer in Stunden Taka-Diastase (2 7o) Merk -Diastase (2 7o) Gesamte CO2 - Menge Gesamte CO2 - Menge Gesamte CO2 - Menge CO, - Menge prn 1 Stunde CO, - Menge pro 1 Stunde CO., - Menge pro 1 Stunde 47. S4,S 8,2 6,0 1,4 40 9,4 4V. 2.3,6 5,2 1,6 0,4 50 11,1 I8V4 60,8 3,3 — — 107,2 5,9 20 32,0 1,6 — — 36,4 1,8 3 0,9 0,3 — 1,5 0,5 152, 1 — 7,6 — 2:^5,1 — Diese Resultate stimmen mit denjenigen der vorstehenden Versuche vollkommen überein. Eine direkte Analyse ergab, daß die Gesamtmenge der Stärke in den Portionen II und III verzuckert war. 14t er Versuch. Es war interessant zu verfolgen, auf welche Weise Taka-Diastase die Selbste-äruno- des Hefanols beeinflußt. Versuch mit Wasser ohne irgendwelche Kohlehydrate. 34 Sergiiis Lwow, I. Koiitrollportiou : 50 ccm Wasser + 3 g Hefanol. II. Versuchsportion: Dasselbe + 1 g' Taka-Diastase. III. Versiichsportion : Dasselbe + 1 g Merk-Diastase. Versuchsdauer in Stunden I. Kontrollportion 11. Versuchsportion Nichtgekochte Taka-Diastase (2%) III. Versuchsportiou Nichtgekochte Merk-Diastase (2 %) Gesamte C(\ - Menge CO2 - Menw pro 1 Stunde (iesaiiite f'Oj- Menge Jim 1 Stunde (iesamte ( '( )^ - Menge COg - ^lenge ]iro 1 Stunde 6 17 27 3 15,2 14,0 4,0 2,5 0,8 0,15 6,0 2,1 1,0 0,1 3,6 4.4 17,6 0,4 0,6 2,6 0,65 0,1 33,2 y,i 65,6 Die Resultate sind wie jene in den vorstehenden Versuchen. Ich muß hier bemerken, daß die Resultate der letzten vier Versuche (11 — 14) nicht miteinander verglichen werden können, da ich ge- zwungen war, verschiedene Hefanolpräparate zu verwenden. löter Versuch. Bis jetzt hatten wir es mit Hefanol und Zymin zu tun. Es war nun von Interesse nachzuforschen, welche Wirkung- die Taka-Diastase auf die Atmung der höheren lebenden Pflanzen ausüben würde. Als Objekt verwendete ich zuerst Weizenkeime (aus einer Züricher Mühle). Leider erwies sich dieses Material als uugeeig-net. Die verschriebene Portion war augenscheinlich übermäßig getrocknet worden und die Keime zeigten kaum eine Spur von Atmung-. Nachstehend teile ich das Re- sultat dieses Versuches mit. Die Keime, je 5 g in jeder Portion, wurden zwei Stunden auf- geweicht, indem sie in einer dünnen Schicht in den Kristallisierschalen ausgebreitet wurden, in welche je 50 ccm Flüssig'keit aufgegossen war, und zwar • für die Ite Portion =^ Wasser; für die 2te Portion = eine Lösung von Taka-Diastase (2V2 g in 50 ccm Wasser). Hierauf wurden die Keime in den Atmungsapparat eingebracht. Während der ersten 6 Stunden befand sich in den Tischtschenko- schen Gefäßen nur Wasser, später wurde noch Toluol zugegossen. , über die Wirkung der Diastase und des Emulsins usw. n Versachsdauer in Stunden I. Kontrollportiou Wasser Gesamte j CO2 - Menge C0„- Menge Ipro 1 Stunde II. Yersuclvsportioffi / \ •")''/'oige Lösung Taka- Diastase Gesamte ' COj'- Menge CO, - Menge pro 1 StuEäf 3 16,0 5,3 17,6 5,9 3 8,4 2,8 12,8 4,3 25 21,6 0,9 21,8 0,9 46,0 02,1 .7 o Auf Grimd dieser Zahlen könnte man glauben, daß die Taka-Diastase keine veruiclitende Wirkung auf die Atmung der Weizenkeime ausübt; im Gegenteil, die Zahlen sind im Vergleich mit der Kontrollportion sogar etwas höher ausgefallen. Allein an und für sich sind sie so unbedeutend, daß ich dieses Material eliminieren und zu einem anderen greifen mußte. Nichtsdestoweniger gibt dieser wenig zuverlässige Versuch seinen Resul- taten nach übereinstimmende Angaben mit dem nächstfolgenden Versuche, bei dem etiolierte Stengelspitzen von Bohnen (Vicia Faba) verwendet wurden. 16ter Versuch. Etiolierte Stengelspitzen von Vicia Faba wurden in 3 Portionen eingeteilt (zu 7,75 g, 7,45 g und 7,25 g) und auf einen Tag an einem dunklen Orte in flachen Kristallisationsschalen aufbewahrt, in welche je 100 ccm lO^/üige Saccharoselösung gegossen wurde. Am nächsten Tage wurden die trübe gew^ordenen Lösungen abgegossen, die Pflanzen mit einer Zuckerlösung der gleichen Konzentration abgespült und noch einen Tag lang in erneuerten Lösungen gehalten. Am nächsten Tage wurden die Pflanzen auf drei Stunden in den Atmungsapparat eingebracht und darauf von neuem in Kristallisationsschalen übergeführt, usw. Portion I — auf reine Saccharose der früheren Konzentration (100 ccm). Portion II — auf die gleiche Menge Saccharose der gleichen Kon- zentration, a^ber mit Hinzufügung von 2 g Taka-Diastase. Portion III — desgleichen, aber mit Hinzufügung von 2 g Merk- Diastase. Am darauf folgenden Tage wurden die Pflanzen herausgenommen, mit 10"/oiger Saccharose abgespült und auf 3 Stunden in den Atmungs- apparat eingebracht. Hierauf wurden sie von neuem in Kristallisations- schalen mit den gleichen, nur erneuerten Lösungen übergeführt und nach 24 Stunden von neuem auf 3 Stunden in den Atmungsapparat gestellt. 36 Sergius Lwow, Zuletzt wurdeji sie der Einwirkung- niederer Temperatur (nach der übliche^ Metbiocte yon Palladin) ausgesetzt. Die Temperatur wurde bis auf — 17,5°C herabgesetzt. Am darauffolgenden Tage wurden die Pflanzen in den Atmungsapparat gestellt, wo sie etwas über 2 Tage ver- blieben. Nach dem Gefrieren nahm die Portion mit Taka-Diastase eine deutliche schwarze Färbung an. Die Resultate dieses Versuches sind in der Tabelle 1 zusammengestellt. Tabelle 1. Ver- I. Kontrollportion (7,75 g) II. Versuchsportiou r7,45 g) Taka-Diastase III. Yersuchsportiou (7,25 g) Merk-Diastase suchs- (lauer in Stdu. (Ge- samte CO,- ]\Ienge COg- Menge pro 1 Stde. Auf 100 g pro 1 Stde. der Kon- troll- portion Ge- samte CO,- Menge CO,- Jlenge pro 1 Stde. ^"f d,.r 100 g , ,. P'" troU- 1 Stde. portinn Ue- COg- f^anite Menge CO,- pro Menge ' 1 Stde. . Auf 100 g pro l Stde. In7o der Kon- troll- portioii Alle drei Portionen wurden während 2 Tagen im Dunkeln auf 10% Saccharose kultiviert 3 21,6 ! 7,2 ' 93 !l00 7o 20,8 i 6,9 1 92 1 99% 20 i 6,7 ! 91 ' 98 7o Noch ein Tag auf Saccharose Ein Tag auf Sacharose mit 2 g Taka-Diastase Ein Tag auf Sacharose mit 2 g Merk - Diastase 3 20 1 6,7 ! 86 llOOVo 35,2 1 11,7 1 157 ll82 7o 22,4 7,5 1 103 1 120 7« Noch ein Tag auf Saccharose Noch ein Tag auf Saccharose mit 2 g Taka-Diastase Noch ciu Tag auf Saccharose mit 2 g Merk-Diastase 3 11,2 : 3,7 1 48 'innVo 22,4 1 7,5 i 100 l208% 15,2 ! 5,1 i 70 1 146 7o Darauf wurden alle drei Portionen zum Erfrieren gebracht (niedrigste Temperatur = ^ 17,5 °) 27 40,4 [ 1,5 19 ;ioo7o 67,2 2,5 33 173 7o 42,4 1,8 22 116 7o 21 31,2 1,3 1 17 100 Vo 42,4 1,8 1 24 141 7o 29,6 1 1,2 17 S 100 7o 51 71,6 1,4 30 100 % 109,6 9 O 57 158 7o 72 1,-1 39 108 7o Wie schon früher bei den Weizenkeimeu, so legt die Taka-Diastase auch hier keinerlei schädliche Wirkung- mehr an den Tag:. Im Gegen- teil, hier, im Atmungsprozeß einer höheren Pflanze spielt sie die ent- gegengesetzte Rolle eines Stimulators. Diese stimulierende Wirkung tritt besonders deutlich zutage, so lange die Pflanzen am Leben sind (im Vergleich mit der Kontrollportiou stieg die Energie der Atmung um 82 7o und 108 "/o); nachdem die Pflanzen durch Kälte abgetötet worden waren, nahm diese Wirkung etwas ab, blieb aber immerhin erhalten (im Vergleich mit der Kontrollportion betrug das Anwachsen 73 7o und 41%, im Mittel für die gesamte Zeit 58%). Das gleiche Bild, wenn auch über die Wirkung der Diastase iind des Euiulsins usw. 37 iu l)edeutend schwächerem Grade, kann man anch mit der Merk -Dia- stase beobachten. Die entsprechenden Zahlen des Anwachsens der Atmiing-s- energie sind — für die erste Phase 20 7o und 46 7o, für die zweite 16"/o und 07o, im Mittel 8%. Geg-en das Ende des Prozesses ist hier demnach die Portion mit der Merk- Diastase der Kontrollportion gleich gekommen. Die Taka- Diastase legt ihre Tätigkeit viel deutlicher an den Tag, so lange die Pflanzen am Leben sind, als wenn sie abgetötet sind. Weiter unten werden wir sehen, daß das Emulsin unter analogen Bedingungen gerade entgegengesetzt wirkt. Dieses verschiedene Ver- halten zwei Phasen der Atmung gegenüber veranlaßt uns zu der Frage, wodurch beide sich im wesentlichen voneinander unterscheiden. Nach den Angaben von W. Pal ladin ergeben lebende etiolierte Spitzen von Vicia Faba, welche mit Zucker ernährt wurden, im Wasserstoff- strom annähernd äquivalente Quantitäten Kohlensäure und Alkohol, d. h. es geht in ihnen während der Anaerobiose eine typische alkoholische Gärung vor sich^). Unter gleichen Bedingungen bilden abgetötete Objekte im Vergleich zu CO 2 auffallend wenig Alkohol; die anaerobe Atmung läßt sich nicht mehr in die Formel der alkoholischen Gärung unterbringen (nach den Endprodukten)-). Das Abtöten durch niedere Temperatur hat eine tief- gehende Umwandlung in dem Chemismus der Pflanze hervorgerufen und im Zusammenhang mit dieser Umwandlung haben wir denn auch eine Änderung in der Intensität der Einwirkung seitens der Taka - Diastase zu vermerken. Diese Intensität hatte ihr Maximum erreicht, solange der anaerobe Prozeß nach der Formel der alkoholischen Gärung verlief, und sie ist bedeutend gesunken, nachdem unter der Einwirkung der niederen Temperatur der vitale Apparat der Zelle in dieser eine Störung erfahren hat und die Anaerobiose begonnen hat von ihrem früheren Ver- laufe abzuweichen. Die Versuche mit Diastasen haben demnach nachstehende Resultate ergeben : 1. Nichtgekochte Taka -Diastase wirkt in stark unterdrückender Weise auf die alkoholische Gärung, insofern letztere einen funktiouell- abgeschlossenen Prozeß darstellt (in Hefauol und Zymin). ^) W. Palladiu. Die Atmung der Pflanzen als eine Summe von fermentaliven Prozessen. St. Petersburg, 1907, S. 31—32. Versuch 17. (Russisch.) Bioclieni. Zeit- schrift 18, 1909, S. 151. 2) Ibid., S. 32. Versuch 18. Auch W. Palladiu und S. Kostytschew, Zeitschr. f. physiol. Chemie, 223—224, 48, 1900. Versuch 6. 38 Sergiiis Lwow, 2. Nach dem Abkochen verändert die Taka-Diastase ihre Wirkung in die entgegengesetzte, sie wird zum Stimulator der Zymase. 3. Dieser Unterschied in der Wirkung gekochter und nicht ge- kochter Taka-Diastase macht die Annahme wahrscheinlich, wonach die erwähnten Wirkungen der Taka-Diastase irgend welchen fermentativeu Eigenschaften des Präparates zuzuschreiben sind. 4. Auf die Atmung höherer Pflanzen, und zwar sowohl lebender, wie auch abgetöteter {Vicia Faba, zum Teil Weizenkeime), wirkt die Taka-Diastase in stimulierender Weise. 5. Diese stimulierende Wirkung tritt bei der Atmung lebender Objekte {Vicia Faba) besonders deutlich zutage, wo die xA^naerobiose nach den Angaben von W. Palladin nach der Formel der alkoholischen Gärung verläuft. 6. Von besonderem Interesse ist eine Nebeneinanderstellung des Iten und 5ten Punktes: wo die alkoholische Gärung in reiner Weise, durch keine oxydierenden Prozesse kompliziert, ihren Verlauf nimmt, da erreicht die Taka-Diastase das Maximum ihrer zerstörenen Tätigkeit. Wo dagegen die alkoholische Gärung nur eine biologisch mit den darauffolgenden Oxydationsprozessen verbundene Anfangsphase darstellt, da erreicht die Taka-Diastase das Maximum ihrer stimulierenden Tätigkeit. 7. Die Merk-Diastase erweist auf die Zymase, im Vergleich zu der Taka-Diastase, eine entgegengesetzte, allein weniger effektive Wirkuug: vor dem Kochen stimuliert sie die Zymase ein wenig, nach demselben hemmt sie dieselbe ein wenig. 8. Ohne an und für sich irgend welche merkwürdigen Eigentümlich- keiten an den Tag zu legen, verhielt sich die Merk-Diastase nichts- destoweniger als Objekt der Vergleichung mit der Taka-Diastase die ganze Zeit über sehr abweichend. Ihr auffallender Gegensatz in der Wirkung auf die Zymase bleibt einstweilen ein Rätsel, welches unsere Aufmerjisamkeit fesselt. Sollte dessen Ijösung nicht in den Eigen- schaften der Diastase selbst gesucht werden müssen, welche aus ein- ander so unähnlichen Objekten gewonnen wird, wie Aspergillus Oryzae und Gerste es sind? Das. andere Ferment, mit dem ich gearbeitet habe, war das Emulsin. Mit ihm wurden viel weniger Versuche angestellt und ich muß meine Schlüsse als vorläufige Betrachtungen ansehen, welche noch mehr als die auf die Taka-Diastase begründeten, einer späteren Prüfung bedürfen. über die Wirkung der Diastase und des Emulsins usw. 39 17ter Versuch. 1 te Portion (Koutrollportiou) : auf 50 ccin Wasser wurden 5 g Sac- charose -h 3 g- Hefanol genommen. 2 te Portion : das gleiche -h 1 g Emulsin (d, h. ein 2 ^Vo iger Gehalt desselben in der Flüssigkeit). Das Emulsin löst sich sehr schwer, ein beträchtlicher Teil desselben befindet sich in Gestalt einer sich rasch niederschlagenden Trübung, welche ich hier nicht entfernte. 3te Portion: 50 ccm Wasser wurden mit 1 g Emulsin g-ekocht und hierauf 5 g Saccharose mit 3 g Hefanol hinzugefügt. Beim Kochen bildete sich ein reichlicher Niederschlag, welcher in dieser Portion nicht abfiltriert wurde. 4te Portion: 50 ccm Wasser wurden mit 1 g Emulsin gekocht, der gebildete Niederschlag nach Abkühlung abfiltriert und dem durchsichtigen Filtrat 5 g Saccharose und 3 g Hefanol hinzugefügt. Alle vier Portionen schieden während der ganzen Zeit folgende Quantitäten von CO 2 in mg ab: Ite Portion (Kontrollportion) 168,2 2te Portion (mit nicht gekochtem Emulsin) 16,0 3te Portion (mit gekochtem und nicht abfiltriertem Emulsin) . 12,5 4te Portion (mit gekochtem und abfiltriertem Emulsin) . . . 10,4 Aus den gewonnenen Zahlenresultaten ist ersichtlich, daß das Emul- sin eine stark unterdrückende Wirkung auf die Zymase ausübt, gleich der Taka- Diastase. Allein zum Unterschied von letzterer wird diese schädliche Wirkung auch nach dem Kochen noch weiter ausgeübt. Leider ist es mir einstweilen noch nicht gelungen, die Wirkung verschiedener Dosen von Emulsin zu untersuchen. Die zu diesem Zwecke angestellten Versuche mußten ausgeschlossen werden, indem das verwendete Hefanol sich als verdorben erwies. Wir müssen uns daher einstweilen mit dem Resultat begnügen, daß bei dem angegebenen Verhältnis (1 g Emul- sin auf ein Quantum Zymase, welches fähig ist 168 mg Kohlen- säure zu entwickeln) das Emulsin sowohl im ungekochten, wie auch ii|i gekochten Zustande verderblich auf die Zymase wirkt. Weiter unten werden wir sehen, daß das Emulsin auch in bezug auf Vicia Faha nicht den geringsten Unterschied an den Tag legt, mag es in gekochtem oder in ungekochtem Zustande verwendet werden. Bei dem letzten Versuche mit Hefanol (4te Portion) habe ich sogar eine von dem beim Kochen des Emulsins ausgefällten Niederschlag abfiltrierte Flüssigkeit verwendet, und auch diese Flüssigkeit hatte ihre verderb- lichen p]igenschaften nicht eingebüßt. Alles dieses spricht offenbar 40 Sergius Lwow, dafür, daß es sich hier nicht um das Ferment selbst handelt, sondern um seine Zerfallsprodukte oder um irg'end welche in dem verkäuflichen Emulsin enthaltenen Beimischungen. 18ter Versuch. Mit etiolierten Stengelspitzen von Vicia Faba (vgl. die Tabelle 2). Tabelle 2. Ver- suchs- I. Kuutrolliiortion U"J g) II. Vei'suchsportion (19 g) Xichtgekochtes Emulsin III. Versuchsportion (19 g) Gekochtes und abfiltriertes Emulsin dauer in Stdn. (Je- sainte CO,- Menge CO2- Menge pro 1 Stde. Auf 100 g pro 1 Stde. In7o diT Kon- troll- portion Ge- samte CO-, Menge CO,- Menge pro 1 Stde. Auf 100 g pro 1 Stde. In 7o der Kon- troll- portiou Ge- samte CO,- Menge CO,- Menge pro 1 Stde. Auf 100 g pro 1 Stde. In7o der Kon- troll- portion Alle drei Portionen wurden während 2 Tagen im Dunkeln auf 10 "/o I^accharose kultiviert 3 57,6 19,2 101 100 7o 60 20 105 104 7o 58 19,3 1 102 101 7o Nocli ein Tag auf Saccharose Noch ein Tag auf Saccharose mit 2 g nichtgekochten Emulsins Ein Tag auf Saccharose mit 2 g gekochten und abfiltrierten Emulsins 3 66,8 22,3 117 100 7o 68 23 119 102 7o 69,1 23,0 121 103 7» Noch ein Tag auf Saccliarose Noch ein Tag auf Saccharose mit 2 g nichtgekochten Emulsins Noch ein Tag auf Saccharose mit 2 g gekochten und abfiltrierten Emulsins 3 62,8 , 20,9 110,2 100 "/o 63,2' 21,1 : 111 100% 62,8 20,9 110,2 1 100 7o Darauf wurden alle drei Portionen zum Erfrieren gebracht 4 23,6 5,9 31 100 7o 23,2 , 5,8 30,5 99 7o 23,2 5,8 30,5 99 7o 19,5 54,8 21,2 2,8 0,8 14,8 4,5 100 7o 100 Vo 96 4,9 25,9 175 7o 98 4,9 26,5 179 7o 25 57,6 2,3 12,1 269 7o 70 2,8 14,7 327 7o 22,5 sehr wenig 42,8 1 1,9 1 10 1 — 47,2 1 2,1 ! 11 1 — 99,6 — — 100 % 219,6 — 220 7o 238,4 — — 239 7o 25. X. Es wurden 3 Portionen zu je 19 g' abgewogen und in flachen Kristallisationsschalen untergebracht, in welche je 100 ccm 10 °/oige Saccharose hinzugegossen wurden. über die Wirkung der Diastase und des Emulsins usw. 41 26. X. Die trübe gewordenen Lösimgeu wurden abgegossen, die Pflanzen mit 10°/niger Saccharose abgespült und auf einen weiteren Tag in frische ebensolche Lösungen eingebracht. 27. X. Die Pflanzen wurden abgespült und auf 3 Stunden in den Atnnmgsapparat gestellt (erste Zeile der Zahlen in der Tabelle). Hierauf wurden sie in Kristallisationsscbalen mit 10"/oiger Saccharose über- geführt, der zweiten Portion wurden 2 g nicht abgekochten Emulsins, der dritten Portion dagegen 2 g abgekochten und von dem Niederschlag* abfiltrierten Emulsins hinzugefügt. 28. X. Die Pflanzen wurden in gewohnter Weise abgespült und auf drei Stunden in den Atmungsapparat gestellt (zweite Zeile der Zahlen in der Tabelle), hierauf von neuem auf einen Tag in erneuerte Lösungen von der früheren Beschaffenheit übergeführt. 29. X. Die Pflanzen wurden abgespült und von neuem auf drei Stunden in den Atmungsapparat gestellt (dritte Zeile der Zahlen in der Tabelle). Hierauf wurden alle drei Portionen nach der Methode von W. Palladin zum Gefrieren gebracht und am 30. X. in den Atmungsapparat gestellt (letzte 5 Zeilen der Zahlen in der Tabelle). 19ter Versuch. Indeui ich (bei dem vorhergehenden Versuche) durch das gänzliche Fehlen irgend welcher Wirkung des Emulsins auf lebende Objekte, vor allem aber dadurch überrascht war, daß das Abweichen der Versuchs- portionen von der Kontrollportiou nicht sofort, sondern erst nach vier Stunden eintrat, stellte ich nochmals einen ganz übereinstimmenden Versuch an, nur mit dem Unterschiede, daß auf jede Portion statt 19 g nur je 8 g etiolierte Stengelspitzen von Vicia Faha, frisch getriebene, genommen wurden (vergl. die Tabelle 3). Die erzielten Resultate sind auffallend übereinstimmend. Auf Grund derselben müssen wir vor allem schließen, daß sowohl das nicht ge- kochte, wie auch das gekochte Emulsin in ganz übereinstimmender Weise auf Vicia Faho wirkt. Ferner fällt der Umstand auf, daß das Abweichen der Zahlenangaben von der Kontrollportion erst nach dem Gefrierenlassen beginnt. Auf lebende Objekte übt das Emulsin nicht den geringsten Einfluß aus. Die lebende Zelle stellt für das Emulsin gleichsam eine Festung mit unzugänglichen Mauern dar. Das die Zymase so energisch angreifende Emulsin erweist sich in diesem Falle als gänzlich unwirksam. Hier haben wir mit einem vollständigen Typus der Atmung zu tun, l)ei der nach den heutigen Anschauungen als erste Phase die 42 Sergius Lwow, Tätigkeit der Zyiuase auftritt, auf welche im isolierten Zustande das Eniulsin eine so zerstörende Wirkung- ausübt. Nichtsdestoweniger ist es hier ganz unschädlich für dieselbe. Augenscheinlich besitzt die lebende Zelle von Vicia Faba die Eigenschaft, die Tätigkeit des Emulsins zu lähmen. Eine ähnliche Erscheinung hat Frl. Korsakow^) bezüglich des selenigsauren Natrons beobachtet. Tabelle 3. Ver- siichs- I. Koutrollportiou (8 g) II. Versuchsportion (8 g) Nichtgekochtes Emulsiu III. Versuchsportion (8 g) Gekochtes und abfiltriertes Emulsin dauer in Strlu. Ge- samte «''»2- .Menge COj- Auf ! J^,^ Menge! 100 g w 1^^^' l'™ ; troll- 1 Stde. 1 1 Stde. 1 1 portum (4e- sanite COg- Menge CO3- Menge pro 1 Stde. Auf 100 g pro 1 Stde. In7o der Kon- troU- portion Ge- samte. ( '(X- Menge co,- Menge pro 1 Stde. ' Auf 100 g pro 1 Stde. In7o der Kon- troll- portion Alle drei Portionen wurden während 2 Tagen im Dunkeln auf 10 "/o Saccharose kultiviert 3 25,4 ' 8,5 ' 106 100 7o 2.-1,1 ' 8,4 ' 105 ' 99 7o 26,5 ' 8,8 '110 104 7o Noch ein Tag auf Saccharose Ein Tag auf Saccharose mit 2 g nichtgekochten Emulsins Ein Tag auf Saccharose mit 2 g gekochten und abfiltrierten Emulsins 3 28,6 9,5 119 100 7o 29,1 ! 9,7 ' 121 'l02 7o 29,3 ' 9,8 ' 122 ' 102 7o Noch ein Tag auf Saccharose Noch ein Tag auf Saccharose mit 2 g nichtgekochten Emulsins Noch ein Tag auf Saccharose mit 2 g gekochten und abfiltrierten Emulsins 3 28,1 1 9,4 117 100 7„ 28,5' 9,5 ! 119 !l02 7o 28,8 ' 9,6 120 103 7o Darauf wurden alle drei Portionen erfroren 3,5 13,5 3,9 48 100 7o 13,0 3,7 46 96 7o 13,8 3,9 49 102 7„ 21 35,8 1,7 1 21 100 7o 64,4 3,1 38,4 182 7o 62,8 3 37 176 7o 23 20,1 0,9 11 100 7o 48,8 2,1 26,5 241 7o 46,4 2 25 229 7o 24 7,3 0,3 3,7 100 7o sehr wenig 35,6 1,5 18,5 493 7o 33,2 1,4 17 460 7o 24 12,1 1 0,5 6,2 — 12,5 0,5 6,5 — — 76,7 . — — 100 7o 172,9 — — 227 7o 16S,4 — — 221 7o der Anders verhält es sich mit abgetöteten Objekten. In ihnen nimmt auaerobe Prozeß, wie weiter oben angegeben wurde, eine andere ^) Korsakow, Berichte botan. Cxesellsch. 1910, S. 334. über die Wirkung der Diastase und des Emulsins usw 43 Gestalt an, und läßt sich nicht mehr in die Formel der alkoholischen Gärung unterbringen. Der Lebensmechanismus ist gestört und beginnt auf Einwirkungen zu reagieren, denen gegenüber er sich früher in- different verhielt: wir sehen, daß das für lebende Zellen indifferente Emulsin auf die Atmung abgetöteter Objekte zu wirken beginnt und dazu noch in deutlich stimulierender Weise. Worin der Mechanismus seiner Wirkung besteht, ist unbekannt. Es läßt sich nur seine charakteristische Eigentümlichkeit hervorheben. Die ersten 3 — 4 Stunden legt es diese Tätigkeit noch nicht an den Tag: alle drei Portionen scheiden auffallend übereinstimmende Mengen von CO2 aus. Durch diese Tatsache überrascht, richtete ich bei Durch- sicht der Literatur meine Aufmerksamkeit unwillkürlich auf die Ver- suchsergebnisse von W. Palladin. Bei dessen Versuchen gibt Vicia Faba nach dem Gefrieren, im Verlaufe der ersten 2 — 4 Stunden im Wasserstoff und in der Luft die gleichen Mengen von CO2 und erst nach Ablauf von 2 — 4 Stunden läßt sich ein Unterschied zugunsten der Sauerstoffportion konstatieren^). Hieraus geht hervor, daß auch in Gegenwart von Sauerstoff nach dem Gefrieren anfangs eine ausschließlch anaerobe Atmung vor sich geht^). Die weiteren Analysen von W. Palladin haben ergeben, daß auch diese Zeit über Sauerstoff immerhin aufgenommen wird, daß aber seine Aufnahme von keiner Aus- scheidung entsprechender Quantitäten von CO2 begleitet wird^). Geht man von einem Atmungsschema aus, wie es zum Beispiel von Kostytschew'^) vorgeschlagen wurde, so wird man vielleicht darauf schließen können, daß während dieser ersten Stunden der Assimilation von Sauerstoff eine Bildung von primären Superoxyden (Oxygenasen) vor sich geht. Was die Peroxydase betrifft, so übt sie während dieser ersten Stunden aus irgend welchen Gründen keine Wirkung aus, sei es wegen Abwesenheit des Materials, gegen welches ihre Energie gerichtet ist (d. h. eben dieser Oxygenasen), oder infolge ihres eigenen Beharrungsvermögens. Von diesen beiden An- nahmen ist die erste die wahrscheinlichere. Geht man von solchen An- nahmen aus, so wird man den Schluß ziehen können, daß das Emulsin seine Wirkung in keiner Weise offenbart, solange die Peroxydase un- tätig verharrt. Sobald sich jedoch den früheren Faktoren des Atmungs- *) W. Palladin, Zeitschrift f. physiol. Ghem., 47, 414, 1906. Versuch 2. 2) Ibid. 47, 415, 1906. Schlußfolgerung 1. ^) Ibid., 47, 420 — 421, 1906, vierter Versuch und dessen Schlußfolgerungen. *) Kostytschew, S., Physiologisch-chemische Untersuchungen über die Atmung der Pflanzen. Jurjev 1910, S. 182 (russisch). Zeitschr. f. Gärungsphysiologic. Bd. I. 4 44 Sergius Lwow, Über die Wirkung der Diastase und des Emulsins usw. Prozesses auch noch die Peroxydase auschließt, wird die Atmimgs- . kurve durch das Emulsiu sofort und mit g'euüg-euder Schärfe erhöht. In den lebenden Objekten war die Peroxydase natürlich ebenfalls in Tätigkeit, ja sogar wahrscheinlich in noch intensiverer, und doch war dort die Wirkung des Emulsins gleich Null. Augenscheinlich ist eine besondere Kombination von Atmungsfaktoren notwendig, um einer posi- tiven Wirkung des Emulsins Raum zu schaffen, und diese Kombination wird nur bei jener rätselhaften Umwälzung verwirklicht, welche im Innern der Pflanzenzellen bei ihrem Übertritt in den abgetöteten Zu- stand vor sich geht. Auf Grund der angeführten Versuche und Be- trachtungen wird man demnach mit einem gewissen Grade von Wahr- scheinKchkeit nachstehende Grundsätze bezüglich der Wirkung des ver- käuflichen Emulsins aufstellen können: 1. Bei allen meinen Versuchen hat das Emulsin keinerlei Unterschied in seiner Wirkung offenbart, einerlei ob es nicht gekocht oder aufgekocht wurde. 2. Dieser Umstand macht es unmöglich, die von ihm offenbarten Wirkungen den fermentativen Eigenschaften des Präparates zuzuschreiben. 3. Das Emulsinpräparat wirkt in entschieden schädlicher Weise auf die isoliert von der Sauerstoffatmung (im Hefanol) verlaufende alkoholi- sche Gärung. 4. Auf die Sauerstoffatmuug (auf die Peroxydase"?) wirkt das Emulsinpräparat in denjenigen Fällen, wo sie unter anormalen Bedin- gungen, d. h. in abgetöteten Objekten, verläuft, in deutlich stimulieren- der Weise. 5. Obwohl das verkäufliche Emulsin in so entgegengesetzter Richtung auf die äußersten Etappen des Atmungsprozesses wirkt, übt es doch keinerlei Wirkung auf den normalen Tj'pus der Atmung der lebenden höher stehenden Pflanze (Vicia Faha) aus. Zum Schluß halte ich es für meine Pflicht, den Herren Professor W. Palladin, unter dessen allgemeiner Leitung diese Arbeit ausgeführt wurde, und Privatdozeut A. Richter, der mir stets durch liebenswürdige Ratschläge in bezug auf die anzustellenden Versuche entgegenkam, meinen aufrichtigen Dank auszusprechen. Beiträge zur Mykologie. Von Prof. Dr. Franz v. Höhnel. I. Über die Berechtigung der Gattungen Cystotheca und Thyrococcum. 1. Cystotheca Wrigktü wurde von Berkeley und Curtis in „Cha- rakters of new Fungi, collected in the North Pacific Exploring Expe- dition, by Charles Wright" (Proceeding American Academ., Boston, IV., 1857 — 1860 p. 130, Nr. 172) beschrieben, welche Arbeit mir leider unzugänglich war. Nach den Angaben von Saccardo^), ist der Pilz ganz unvollständig beschrieben worden und als seine Heimat nur ganz allgemein die nördliche Region des Stillen Ozeans angegeben. Ich^) konnte jedoch au dem Original -Exemplare aus dem Herbarium in Kew feststellen, daß der Pilz 1853 — 56 auf den Lutschu- Inseln in Japan gesammelt wurde und auf seegTünen, lanzettlichen Blättern einer Eiche, wahrscheinlich Qnercus acuta Thunb. wächst. Die systematische Stellung der Gattung Cystotheca blieb lange sehr zweifelhaft. Saccardo stellte sie a. a. 0. zu den Perisporiaceen. In Eugler-Prantl, Natürl. Pfhmzenfam. I, 1, p. 338, wird Cystotheca als zweifelhafte Gattung im Anhange bei den Perisporiaceen erwähnt. Kusano fand nun 1897 im botanischen Garten von Tokyo (Japan) auf lebenden Blättern von Quercus acuta Thunb. einen Pilz, der von P. Hennings genauer beschrieben wurde und von dem er sagt, daß er be- stimmt zur Cystotheca Wrigktü gehören dürfte. Er^) stellte für denselben die neue Familie der ( -ystothecaceen auf, die er den Perisporiaceen anreihte. Auf Grund dieser Henningsschen Beschreibung habe ich*) schon 1907 die Angabe gemacht, daß Cystotheca Wrightii unzweifelhaft eine Sphacrotheca lanestris Harkn. zum mindesten nahe verwandte Form ist, und daß mithin die Gattung Cystotheca mit Sphacrotheca zusammen- fällt. Cystotheca ist daher eine Erisyphee und die Aufstellung der Familie der Cystothecaceen ist eine irrtümliche. *) Saccardo, Syllog. Fungor. I. p. 72. *) Fr. V. Höhnel, Fragmente zur Mykol. Sitzungsber. il. Kais. Akad. d. Wiss. in Wien, matli. nat. Kl., 1909, IX. Mitt. Nr. 411. 3) Hennings in Englers' .Jahrb. f. System., 1901, Bd. 28. p. 278. *) Fr. V. Höhne], Fragmente zur Mykol. IV. Mitt. Nr. 108, 1907. 46 Franz v. Höhnel, Diese ineiue Ang:abeu wurden durch die Untersuchung- des Original- Exeniplares von Cystotheca Wrightii aus dem Herbarium in Kew, die ich 1909 vornahm, völlig bestätigt ^). Ich nannte nun den Pilz Sphaerotheca Wrightii (Berk. et Gurt.) v. H. und machte hierbei die Bemerkung, daß man die Gattung Cystothea für jene Sphaerotheca- Arten reservieren könnte, deren innere Perithecien-Membranschichte den Ascus sackartig einschließt. Saccardo^) beschrieb 1910 einen Pilz aus Mexico als Cystotheca Wrightii, und gab an, daß der Ascus mit zahlreichen polyedrischen Sporen dicht ausgefüllt ist. Ich machte ihn aber brieflich darauf auf- merksam, daß es sich hier um einen ganz anderen Pilz handeln müsse und er fand nun bei der vorgenommenen genaueren Nachuntersuchung, daß Sphaerotheca lanestris Harkn. vorlag. Er hatte die eigentlichen vSporeu (8 an der Zahl) nicht gesehen, und die sackartige Hülle des Ascus für den Sporeninhalt angesehen. Saccardo stellte nun Sphaero- theca lanestris sowie auch Sphaeroth. jjhytoptophila K. et Sw. in die Gattung Cystotheca und hielt diese somit aufrecht. Er^) zieht also alle jene Sphaerotheca-Arten, deren innere Perithecien-Membranschichte den (einzigen) Ascus sackartig umschließt, zu Cystotheca. Dieser Vorgang ist nun nicht statthaft und zwar aus dem Grunde, weil Sphaerotheca phytoptophila eine Form ist, die so nahe mit Sph. humuli (D. C.) Burr. verwandt ist, daß sie nach Salmon*) von ihr kaum als Art getrennt werden kann. Salmon sagt, daß die einzigen Unterschiede der Sph. phytoptophila von Sph. humuli die weniger deut- liche Zellstruktur der Außenscliichte der Perithecien, die etwas geringere mittlere Größe der Perithecien und des Ascus, und die Neigung der Innenlage der Perithecien-Membran, sich von der äußeren abzutrennen, sind. Salmon hält Sph. phyptoptophila im wesentlichen für eine biologische Art, die mit Sph. humuli sehr nahe verwandt ist. Es ist nun klar, daß man diese biologische Form nicht generisch von der Stammform trennen kann, und daher nicht statthaft Sph. phytoptophila zu Cystotheca zu stellen, während. Sph. humuli eine typische Sphaerotheca ist. Aber auch der Vorgang, zu Cystotheca nur die zwei Arten Wrightii und lanestris zu stellen, könnte nicht gebilligt werden, weil dann das Haupt- merkmal der Gattung Cystotheca, nämlich das Verhalten der Perithecien- Membran, auch bei einer Sphaerotheca- Art vorkäme, und daher kein ausschließendes wäre. ») Fr. V. Höhnel, Fragmente zur Mykol. IX. Mitt. Nr. 411, 1909. -) Saccardo, Annal. mycol. VIII, 1910, p. 243. 3) Saccardo, Annal. mycol. IX, 1911, p. 249. *) Salmon, Monograph of the Erysiphac. 1900, p. 77. Beiträge zur Mykologie. 47 Abg'esehen von diesen Tatsachen scheint mir auch die Ablösung der Innenschichte der Perithecien- Membran keinen g-enerischen Wert zu besitzen, um so weniger, als die betreffenden Arten sonst keine Be- sonderheiten aufweisen, die eine Abtrennung- derselben von Sphaerotheca rechtfertigen könnten. In diesem Sinne ist auch Salmon in seiner ausgezeichneten Monographie der Erysipheen vorgegangen. Die Gattung Cystotheca Berk. et Gurt, muß daher als einfaches Synonym von Sphaerotheca Lev. angesehen werden. Noch sei bemerkt, daß Sph. lanestris Harkn. und Sp. Wrightii (B. et C.) zwei gut voneinander verschiedene Arten sind. (Siehe da- gegen Saccardos Bemerkung in Ann. mycol. 1911, IX. S. 249.) Es geht dies schon aus dem Vergleich der Beschreibungen beider Pilze von Salmon und Hennings aufs klarste hervor. Trotzdem das von mir verglichene Original -Exemplar der Cystotheca Wrightii unreif ist, konnte ich doch sicherstellen, daß diese eine von Sph. lanestris völlig verschiedene Art darstellt. 2. Ihyrococcum punctiforme Sacc. wurde ursprünglich als Hypho- mycet unter dem Namen Stemphylium (Thyrococc um) punctiforme Sacc.^) beschrieben. Der Autor bemerkte aber, daß der Pilz von der Gattung Stemphylium dadurch abweicht, daß die Hyphen und Conidien ein festes Sporodochium bilden und derselbe daher besser in eine eigene Gattung (Thyrococcum) zu versetzen ist, die zu den Tubercularieae-dematieae nächst Spegazzinia zu stellen ist, und fast den Habitus von Epicoccum hat. Im Vertrauen auf die Richtigkeit dieser Angaben habe ich^) schon 1902 ausgesprochen, daß 7a\ Thyrococcum alle jene ^p?>occi8, 1910, S. (J68f. 59) Hesse, A. und Kooper, D. W., Milchw. Zeutralbl. 6, 1910, S. 412—420. 60) , Zeitsehr. f. Unters, d. Nalirgs.- und Genußmittel 21, 1911, S. 385—393. 61) Hewlett, R. T., Nature 85, 1911, p. 338. 62) — Villav, S. and Revis, C, .Journ. of. Hyg. », 1909, S. 271—278, 10, 1910, S. 56—91, 11, 1911, S. 97—104. 64) Heygendorff, von und Meurer, Milchw. Zentralbl. 6, 1910, S. 529— 533. 65) Höyberg, H. M., Zeitsehr. f. Fleisch- u. Milchhyg. 21, 1911, S. 133—147. 66) Hofmann - Bang, X. 0., Ber. Kgl. Veterinär- og Landbohöjsk. 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Häufiger ge- schieht wohl die Wurfprobe in der Weise, daß man eine Handvoll zusammen- gekneteter Hefe möglichst fest auf den Fußboden wirft und danach fest- stellt, ob sie trocken geblieben oder „backig" geworden ist. Bei der Sclilag- probe wird die Hefe in ein Handtuch eingewickelt und ihre Festigkeit durch ein- bis dreimaliges möglichst festes Aufschlagen auf den Tisch geprüft. Führt man diese Methode durch, so kann man beobachten, daß manche Proben durchaus unverändert und fest bleiben, andere völlig naß werden, während manche einen weniger feuchten Zustand annehmen. Verf. hat viele Hefen auf diese Weise untersucht und zunächst folgendes feststellen können. Die Hefen aus dem Großbetriebe, welche fest blieben, waren meistens Lüftungshefen, dagegen enthielten Hefen, welche bei der Schlagprobe sehr naß wurden, viel Kahmhefe. Henneberg hat dann später seine Untersuchungen auf selbstgezüchtete Reinzuchthefen ausgedehnt. Auch bei diesen Versuchen blieben die normalen, unter Lüftung hergestellten Hefen fest. Hierbei spielte Über- oder Unterernährung keine Rolle. Dasselbe war auch der Fall, wenn im Lüftungsverfahren verschieden lange Zeiten eingehalten oder verschieden große Ansäuerungsm engen und schließlich verschiedene Heferassen geprüft wurden. Die geernteten Hefemengen wurden dagegen bei der Schlagprobe weich bezw. naß, wenn die Ei'nte ungewöhnlich frühzeitig stattfand, oder die Hefemenge, die zur Einsaat gelangte, sehr klein gewesen war oder eine Lüftung der Würze während der Herzucht fehlte. Auf Grund seiner viel- fachen Beobachtung kommt Henneberg zu folgenden Schlußsätzen: 1. Die bei der Schlagprobe naßwerdenden Hefemassen enthalten Zellen mit nicht festem („Weichplasmazellen") und sehr leicht reizbarem Plasma („Reiz- plasmazellen"). 2. Letztere bilden sich vor allem bei sehr schneller Ver- mehrung, wie sie bei geringer Hefeneinsaat stattfindet, und zwar sowohl aus den eingesäten „Mutterzellen", wie aus den neuentstandenen Tochter- zellen. Dasselbe ist der Fall, wenn bei größerer Hefeeinsaat nur ein kleinerer 90 Jteferate. Teil fortpflanzungsfähig ist. 3. Da dieser Plamazustand in der Regel nur vorübergehend ist, muß zu seiner Beobachtung die Hefeernte frühzeitig statt- finden. Der Zustand dauert in dickeren Würzen ohne Lüftung am längsten an. 4. Die in Hefefabriken gewonnenen Hefemengen zeigen „nicht schlag- feste Hefezellen", wenn zu kleine Einsaaten stattfinden, wenn bei größerer Hefeeinsaat nur ein kleiner Teil der Zellen fortpflanzungsfähig ist, wenn das Wachstum der Hefe irgendwie gehemmt wurde oder wenn die Ernte früh- zeitig stattfand. 5. Eine starke Infektion mit frisch herangewachsener Kahmhefe kann ebenfalls ein Naßwerden von Preßhefe bei der Schlag]Drobe bedingen. 6. Will man Naßwerden der Hefemenge, d. h. die Bildung von nicht schlagfestem Zelleiweiß verhindern, so ist anzuwenden: größere Hefe- einsaat, spätere Hefeernte, längeres Lüften, höhere Temperatur, dünnere Würzen bezw. Maischen, Abwesenheit von Kahmhefe. 7. Nicht schlagfeste Hefe ist nicht oder nicht besonders haltbar. 8. Sie ist zum Backen nicht geeignet, wenn die Nichtschlagfestigkeit durch Kahmhefe verursacht wird. 9. Die Schlagprobe ist von wissenschaftlichem Interesse und dient zur Er- kennung des physiologischen Zustandes des Zelleiweißes. Es können unter- schieden werden Festplasma-, Reizplasma-, Weichplasma- und Krankplasma- Zellen. Zikes. Feuerstein, (J. Versuche über den Einfluß von Säiire auf infizierte Brauerei- hefe im Laborat()riuni und in der Praxis. Wochschr. f. Brauerei Nr. 2 1911, S. l(i. VeTf. versuchte Kulturhefe durch Behandlung mit Säuren von Fremd- organismen zu befreien, ohne daß deren Vermehrung, Gärkraft usw. alteriert werden sollte. Die Hefe wurde etwa 7 Stunden lang mit den Säuren, und zwar bei verschiedener Konzentration derselben, in Berührung gebracht und dann das Absetzen der Hefe sowie die Gärung beobachtet, ferner die End- vergärung und die Menge der geernteten Hefe bestimmt. In gewissen Ver- dünnungen waren die meisten Säuren imstande Sarcinen zu vernichten. Eine 0,2proz. Salpetersäure befreite die Hefe sowohl von Sarcina, Torula wie auch von Milch- und Essigbakterien. Praktisch wurden die Versuche mit Schwefelsäure im Großen verwertet, als notwendig hat sich aber nach er- folgter Säurewirkung eine nachträgliche Neutralisation erwiesen. Zikes. Ber^sten, K. Wie soll die Hefereinzuclit in der Brauerei zweckmäßig g-ehandhabt werdend Ztschr. f. ges. Brauw. Nr. 4, 1911, S. 39. Verf. betont, daß die Reinzuchtshefe unter denselben Bedingungen ge- züchtet werden müsse, wie die Hefe im Betriebe. Die Reinzuchtshefe soll daher nur in der gleichen Betriebswürze, für welche sie später bestimmt ist, gezüchtet werden, ferner sollen bei der Reinzucht möglichst tiefe Tempera- turen eingehalten und endlich soll nur soviel gelüftet werden, als nötig ist. Verf. empfiehlt als Gärbottiche Aluminiüm-Eisenbottiche, in welchen die Hefe fest absitzt und einen guten Bruch zeigt. Zikes. über die Bedeutung der Atmungspigmente in den Oxydationsprozessen der Pflanzen und Tiere. You W. Palladiu. (Pflanzenphysiologisches Institut d. Universität zu St. Petersburg.) TVTeine Untersnchuno^en über die Atmung'spig'mente haben den Nach- weis dafür geliefert, daß dieselben allgemein verbreitet sind^). Ein geringer Teil derselben befindet sich in der Gestalt von Chroniogenen, mehr oder weniger beträchtliche Vorräte dagegen befinden sich in Gestalt von Prochromogenen-), so von Glykosiden, von Phosphatiden-^) und wahr- scheinlich noch von anderen, noch nicht genauer untersuchten Verbin- dungen. Bei Anwesenheit von freiem Chromogen in einer Pflanze kann dasselbe durch die Einwirkung von Perox3-dase und Wasserstoffsuperoxyd auf einem mit kochendem Wasser erhaltenen Extrakt aus der betreffen- den Pflanze nachgewiesen werden : es wird dabei Pigment gebildet. Um das in Gestalt von Prochromogen vorhandene Pigment nachzuweisen, ist eine vorherige Autolyse der Pflanzen erforderlich. Bisweilen mrd man zu Verwundungen greifen müssen'*). Die bei Verwundung und Abtötung von Pflanzen gebildeten Pigmente sind das Ergebnis postmor- taler Reaktionen, welche mit den in lebenden Pflanzen vor sich gehen- den Reaktionen wenig Gemeinsames haben. Chromogene in reiner Gestalt sind noch nicht erhalten worden. Sie gehören natürlich zu den im höchsten Grade unbeständigen Verbindungen. So wird zum Beispiel beim Abtöten von Indigopflanzen in deren Innerem Indigo gebildet''). Diese postmortale Reaktion hat nichts mit den in den lebenden Pflanzen ^) W. Palladin, Zeitschrift für physiologische Chemie 55, 207, 1908; Berichte botan. Gesellschaft 26 a, 125, 378, 389, 1908; Biocheni. Zeitschrift 18, 151, 1909. *) W. Palladin, Berichte botan. Ges. 27, 101, 1909. 8) W. Palladin, Biochem. Zeitschrift 27, 442, 1910. *) W. Palladin, Berichte bot. Ges. 29, 132, 1911. *) H. Molisch, Sitzungsberichte d. Wien. Akad. I.Abt., 102, 272, 1893. Zeitschr. f. Giirungsphysiologie. Bd. I. 7 92 W. Fall a diu. vor sich g-elieiiden E-eaktionen zu tun, iii denen niemals Indigo gebildet wird. Als Ausg-angsniaterial für die Bildung- des Indigo dient das In- doxyl — der chromogene Teil der Glykoside des Indikans. Die Isomeren des Indoxyls, sowie einer anderen aus Indigopflanzen erzielten Substanz — des Isatins — sind nur in Verbindungen bekannt. Ihre ..Unbeständig- keit ist auf die Beweglichkeit der Wasserstoffatome zurückzuführen, da eine Ersetzung derselben durch andere Gruppen Stabilität hervorruft. Folgende Tabelle, in welcher die labilen Verbindungen durch das Wort „Pseudo" bezeichnet sind, wird diese Verhältnisse klar machen"') _,.,_, T 1 •, T^ Existeuzfähiees Substitutions- Stabile l^orm Labile J^orm j w j i i -i -n prodiikt der labileu l'orm CeHi — CO Cr.H4 — CO Cem — CO. II II I ! N = COH HN —CO CäHsN— CO Isatin Pseudoisatin Äthylpseudoisatin C6H4 - COH C6H4 — CO C0H4 — CO I II II II HN — CH HN — CH. HN — C = CHC6H5 Indoxyl Pseudoindoxyl Benzylidenpseudoindoxyl Aller Wahrscheinlichkeit nach dient das Indoxyl als Material für die Bildung des Atmungschromogens in den Indigopflanzen. Bei dem Abtöten dieser Pflanzen erhält man dagegen postmortale Reaktionen verschiedener Art. Die allerverbreitetste Reaktion ist die Verbindung zweier Molekeln Indoxyl miteinander, wodurch Indigo entsteht. Allein das Indoxyl kann sich auch mit anderen in der Zelle enthaltenen Sub- stanzen verbinden und andere Farbstoffe ergeben. So gibt das Indoxyl» wenn es sich z. B. mit Isatin verbindet, Indigrubin^). Aus diesem Grunde erhält man denn auch bei dem Abtöten von Indigopflanzen außer dem Indigo auch noch viele andere Pigmente. Indem die Atmungspigmente Wasserstoff aufnehmen, ergeben sie Leukokörper wie auch viele Farbstoffe. So reduziert sich Methylenblau, indem es zwei Atome Wasserstoff aufnimmt: CieHisNsSCl + H2 = C10H20N3SCI. Die Atmungspigmente, wie das Methylenblau, gehören demnach zu den ungesättigten Radikalen. Da das Methylenblau keinen Sauerstoff enthält, so stellt es sich bei der Arbeit mit diesem Farbstoff deutlich heraus, daß die bei seiner Mitwirkung erfolgenden Oxydationen infolge Entziehung von Wasserstoff zustande kommen'). Hieraus folgt: ) A. Baeyer, Berichte ehem. Gres. 16, 2188, 188.-3. ') A. Baeyer, Berichte ehem. Ges. 14, 1741, 1881. ') W. Palladin, E. Hübbenet und M. Korsakow, Bioch. Zeitsclir. 35, I, 1911. über die Bedeutung der Atmungspigmente usw. . 93 1. Die Rolle der Atmungspigmente in den Oxydations- prozessen besteht in dem Entziehen des Wasserstoffs der zu oxydierenden Substanz. Dank den umfassenden Untersuchungen von Bach^), wie auch von Chodat und Bach-) wissen wir, daß die Oxydationsprozesse in den Pflanzen mit Hilfe des Systems Peroxydase -|- Oxygenase vor sich gehen. Allein die oxydierende Fähigkeit dieses Systems ist eine sehr beschränkte. Die Untersuchungen von Bertrand haben den Nachweis dafür geliefert, daß die Oxydasen (Peroxydase -|- Oxygenase) den Sauerstoff der Luft ausschließlich auf zyklische Verbindungen einer bestimmten Zusammen- setzung übertragen können. „Les corps nettement attaquables par la laccase sont ceux qui, appartenant ä la serie beuzinique, possedent au moins deux des grouppements OH ou NH^^ dans leur noyau et dans lesquelles ces grouppements sont situes, les uns par rapport aux autres soit en position ortho, soit surtout en position para"^). Die Meta- Verbindungen oxydieren sich außerordentlich schwer. So haben z. B. Hydrochinon, Brenzkatechin und Resorzin in Gegenwart von Lakkase nachstehende Mengen von Sauerstoff absorbiert: Hydrocliinon (Para-Diphenol) .... 32,0 Brenzkatecliin (Ortho-Diphenol) . . . 17,4 Resorzin (Meta-Diphenol) 0,6. Ah Produkte der Oxydation ergeben sich Pigmente. 2. Die Oxydasen erweisen sich als pigmentbildende Fer- mente. Die Oxydation ist für gewöhnlich nur auf eine Entziehung von "Wasserstoff zurückzuführen. So wird das Hydrochinon nur bis zum roten Chinon oxydiert, unter Aufnahme von Sauerstoff und Bildung von Wasser: C,m0.2 + = CeHtO. + HäO. 3. Die Oxydasen sind wasserbildende Fermente. In einigen Fällen kann auch eine Ausscheidung von Kohlensäure beobachtet werden. Dies ist zum Beispiel bei der Oxydation von Pyrogallol, Tannin und Gallussäure durch Oxydase der FalH). Derartige Reaktionen werden von einer starken Veränderung der zu oxydierenden Substanz und von synthetischen Prozessen begleitet. Aus ») A. Bach, Compt. rend. 124, 951, 1897-, Moniteur scientifique II, 480, 1897. 2) A. Bach und Chodat, Berichte ehem. Ges. 1903, 606; 1904, 36 u. 1342; Archives des sciences physiques et naturelles, Geneve, 1904. ') G. Bertrand, Aunales de Chim. et de physique, 7 serie, 12, 115, 1897. *) G. Bertraud, a. a. 0. S. 132. 7* 94 W. Palladin. Pyrogallül erhält mau Purpurog-alliu , aus Guajakol Tetragiiajakonsäure. Diese Fälle erinueru auch an die in den Pflanzen vor sich gehenden postmortalen Oxydationsprozesse. Kostytschew^) oxydierte Produkte der alkoholischen Gärung- (Hefanol -j- Glykose) mit Hilfe von Peroxydase und H20ä bis zur Kohlensäure. Auf Grund dieser Versuche liegt noch keine Veranlassung vor zu behaupten, daß die Gärung'sprodukte unmittel- bar durch die Peroxydase oxydiert wurden. Sowohl in der aus (an Prochromog-enen reichen) Weizenkeimen erhaltenen Peroxydase, wie auch in den Zerfallsprodukten von Hefanol waren unzweifelhaft Atmungs- pigmente vorhanden. Durch die Versuche von Kostytschew wurde die wichtige Tatsache der Oxydation von Gärungsprodukten uiit Hilfe von Peroxydase nach- ge\\äesen. Es erübrigt nunmehr den intermediären Anteil der Atmungs- pigmente an diesem Prozesse festzustellen. In Anbetracht einer so beschränkten Oxydationsfähigkeit der Oxy- dasen vermögen dieselben nicht Glykose oder die Produkte ihres anaeroben Zerfalles zu oxydieren. Zwischen der Glykose (oder den Produkten ihres anaeroben Zerfalles) und der Oxydase bedarf es eines Interuiediärkörpers. Einen solchen Vermittler stellt nun das Atmungs- pigment dar. Es entzieht der zu oxydierenden Substanz den Wasser- stoff, welcher sodann mit Hilfe der Oxydase zu Wasser oxydiert wird. Indem das Pigment der zu oxydierenden Substanz Wasserstoff entzieht, wirkt es dadurch gleichzeitig als Oxydationsuiittel. So l)eobachtete zum Beispiel Ciamician'-) bei der Einwirkung von Licht auf Alkohole bei Anwesenheit von Chinon eine Oxydation derselben zu Aldehyden und Ketonen : CeHiOo -h CoH„0 = CeHeOo + C0H4O Chinon Hydrochinon Solche Prozesse können sogar von einer Ausscheidung von Kohlen- säure begleitet sein. So erhielt Ciamician bei Einwirkung des Sonnen- lichts auf eine Mischung von Ameisensäure und Chinon, Hydrochinon und Kohlensäure: HCO2H -h CHiOä = C^HeOo + COo. B redig und Sommer^) erhielten bei der Einwirkung von Methylen- blau auf Ameisensäure in Gegenwart eines anorganischen Ferments ebenfalls Kohlensäure : CeHisNsSCl + HCOoH = CH^oN^vSCl -f CO2. ^) S. Kostytschew, Zeitschrift f. physiol. Chemie 67, 131, 1910. *) G. Ciamician uud P. Silber, Berichte ehem. Gesellschaft 34, 1530, 1901. «) G. Bredig uüd F. Sommer, Zeitschrift für physikal. Chemie 70, 34, 1910. über die Bedeutung der Atmungspigmeute usw. 95 lu allen derartigeu Fällen werden die Oxydationsprozesse von Reduktionsprozessen begleitet. Bredig- bemerkt sehr richtig „Formell ist es natürlich meist g-leichgültig, ob man die Reaktion als eine sauer- stoffübertrageude oder als eine in umgekehrter Richtung wasserstoff- übertragende ansieht, denn jede Oxydation eines Stoffes durch einen zweiten ist notw^endig mit einer Reduktion dieses zweiten Stoffes ver- knüpft. In der Tat kann man ja die meisten Reduktionsmittel gleich- zeitig auch als Oxydationsmittel von entsprechend niedrigem Oxydations- potential betrachten" ^). Die Reduktion des Pigments auf Kosten des Wasserstoffs des zu oxydierenden Stoffes erfolgt, wie wir dies weiter unten sehen werden, mit Hilfe eines speziellen Ferments. . Bekanntlich zerfällt die d-Glykose OH H OH OH „ ^C — C — C — C — C — C — H H I I I I ^ OH H OH H H "^ während des primären anaeroben Stadiums der Atmung unter der Ein- wirkung von Zymase in Äthylalkohol /H -Cf-H VH/ 0] und Kohlensäure. Bei diesem Prozesse erfolgt eine Wanderung des Sauerstoffes vom Wasserstoff zum Kohlenstoff-). Im Molekül Alkohol ist nur ein Atom Wasserstoff noch oxydiert geblieben. Es ist eine intramolekulare Oxydation des Kohlenstoffes vor sich gegangen. Bei der weiteren Oxydation der Produkte des anaeroben Zerfalles der Glukose wird auch dieses letzte Sauerstoffatom für die intramolekulare Oxydation des Kohlenstoffes verwendet. Der gesamte Wasserstoff der Glykose wird frei und mit Hilfe eines besonderen Fermentes für die Reduktion des Atmungspigments verwendet, aus welchem er durch die Oxydase entzogen und zu Wasser oxydiert wird. Bezeichnet man das Atmungspigment mit dem Buchstaben R, so wird man die Oxydation der Produkte des' anaeroben Zerfalles der Glykose in nachstehender Weise ausdrücken können: 1. •> C.HhO + 6 R = 6 RH, -h CO. + 3 C3) ') (t. Bredig und F. Sommer, a. a. 0. -) F. Hoppe-Seyler, Pflügers Archiv 12, 8, 1876. ') Icli nehme für mein Schema Alkohol, obgleich intermediäre, labile Stoffe der Oxydation unterworfen werden, weil diese Stoffe noch nicht bekannt sind. 96 W. Palladin, und hierauf 2. 6 RHo + 3 O2 = 6 R + 6 H.O. Hieraus folgt: 4. Während der i\.tmung- wird der ganze Wasserstoff der Glykose ausschließlich durch den Sauerstoff der Luft zu Wasser oxydiert. 5. Das wahrend der Atmung gebildete Wasser ist aeroben Ursprungs. Diese Schlußfolgerungen finden ihre Bestätigung in den alten, von Laskowsky angestellten Bestimiiiungen der Mengen des wälirend der Atmung keimender Kürbissamen ausgeschiedenen Wassers. Er fand, daß zwischen dem austretenden Wasserstoff und dem Kohlenstoff keine konstanten Beziehungen bestehen. Die Ausscheidung von Kohlen- säure und die Bildung von Wasser bilden demnach zwei selbständige Prozesse. Außerdem fand Laskowsky^), daß während der ersten Zeit des Keimens wenig Wasser gebildet wird, und daß bei dem Beginn des Keimens vielleicht sogar gar kein Wasser zur Bildung gelangt. Diese Erscheinung läßt sich dadurch erklären, daß bei dem Beginn des Keimens anaerobe Prozesse vorwiegen, und der aufgenommene Sauerstoff nicht auf die Bildung von Wasser verwendet, sondern zu anderen Zwecken assimiliert wird, so zum Beispiel für die Bildung von Fermenten aus Kof ermenten - ) und anderen Reaktionen, welche erforderlich sind, um den Samen aus dem Stadium des latenten Lebens („vie latente" nach Claude Bernard) in das Stadium des aktiven Lebens überzuführen. In dem von mir mitgeteilten Schema sind noch drei nicht oxydierte Kohlenstoffatome übrig geblieben. Dieselben können durch Wasser in Anwesenheit eines besonderen Fermentes oxydiert werden. 1. 2 C'H.O + 6 HoO + 12 R = 12 RH2 -[- 4 CO2. 2. 12 RH2 -f 6 O2 = 12 R + 12 HoO. Es sind demnach die 6 Moleküle Wasser, welche in dem ersten Stadium der Reaktion verwendet werden, in dem zweiten Stadium von neuem gebildet worden. 6. Die Oxydation der Glykose mit Hilfe eines Atmungs- pigments erfolgt unter Teilnahme des Wassers. 7. Die Oxydation des in der Glykose enthaltenen Kohlen- stoffes geht während der Atmung zur Hälfte auf Kosten des ^) Laskowsky, Keimung der Kürbissamen, 1874, Moskau (russisch). Vergl. Palladin, Pflauzenphysiologie. Berlin 1911. S. 1!)8. -) L. Ivanoff, Berichte bot. Ges. 31, 622, 1911. über die Bedeutung der Atmuugspigmeute usw. 97 in der Glykose enthaltenen Sauerstoffes, zur anderen Hälfte auf Kosten des Sauerstoffs, des während der Atmung- assimi- lierten Wassers von statten^). 8. Während der Atmung wird Wasser nicht nur aus- geschieden, soudern auch assimiliert. Es drängt sich nunmehr die Frage auf, ob wir dazu berechtigt sind, eine Beteiligung" des Wassers au dem Oxydationsprozesse der Glykose zuzulassen. Eine ganze Reihe von chemischen Reaktionen spricht für die Möglichkeit einer Teilnahme des Wassers an den Oxydations- prozessen bei Anwesenheit eines Katalysators. Durch die bemerkens- werten Untersuchungen von Bach^) über die Reduktionsfermente wird eine solche Annahme vollauf begründet. Die Untersuchungen der Reaktion von Schardinger^), welche darin besteht, daß Kuhmilch bei Anwesenheit von Formaldehyd oder Azetaldehyd Methylenblau rasch entfärbt, haben diesen Autor zur Feststellung eines besonderen redu- zierenden Ferments, der Perhydridase geführt, welche das Wasser spaltet. ,, Während die Oxydase als ein System Peroxydase — peroxyd- bildender Körper (Oxygenase) aufzufassen ist, kann die Redukase nur als ein System Ferment — wasserspaltender Körper angesehen werden"*). Von mir ist auf die Notwendigkeit der Redukase bei der Umarbei- tung von Produkten des anaeroben Zerfalles der Glykose hingewiesen worden^). Ich will hier einige Beispiele des Hinzutretens von Wasser bei Anwesenheit eines Katalysators anführen*^). So ergibt Glyoxal bei Anwesenheit von Alkalien Glykolsäure COH TT CH2OH I -U ^- — I ('OH COOK ') Nach sehr interessanten Uutersuchungeii von Bredig und Fajans (Berichte cheiu. Ges. 41, 752, 1908. Fajans, Verhandl. naturhist. med. Vereins z. Heidelberg. N. F. 10, 355, 1910) ist es sehr möglich, daß die Kohlensäiireabspaltung nicht nur unter Einwirkung von Fermenten, sondern auch unter Einwirkung von Alkaloiden vor sich geht. Es ist sehr merkwürdig, daß Chinin Kohlensäureausscheiduug nur bei lebenden Pflanzen stimuliert (W. Palladin, Jahrbücher für wiss. Botanik, 1910, S. 431). ») A. Bach, Biochemische Zeitschrift 31, 443, 1911; 33, 282, 1!)11; 38, 154, 1912. ») R. Trommsdorf, Zentralblatt f. Bakteriol. 49, 291, 1909. *) A. Bach, Biochem. Zeitschrift 31, 447, 1911. *) W. Palladin, Berichte bot. Ges. 26a, 131, 1908. *) Auf diese Beispiele wurde ich durch meinen Kollegen, Herrn Prof. Favorsky, aufmerksam gemacht, wofür ich ihm liier meinen besten Dank ausspreche. 98 W. Palladin, Zwei Atome Glyoxylsäure geben ein Atom Glykol- und ein Atom Oxalsäure : COOK COOH I I COH , H2 C^HoOH COH ' O COOH I I COOH COOH Aus Azetylpropionyl ergibt sich Propionsäure und Essigaldehyd: CH3 CHs I I CHo C H2 I I CO -h H.O = COOH VO COH CH:. CH3 Bisweilen kann man parallel der Bildung von Säuren der Fettreihe auch eine Bildung zj^klischer Verbindungen beobachten. So erhält man aus a-Dichlormethylpropylketon bei der Einwirkung eines Alkali außer Angelikasäure und (r-Äthylakrylsäure durch das entsprechende Diketon auch noch Durochinou: CH3 CH3 CHa CHa I I I I CH. CO C = C I I I I CO -j- CO = CO (T) — 2H2O CO CH. C = C 1 I I I CH3 CHb (^Hs CHs Vielleicht bilden sich bei der Hydrierung der Zerfallsprodukte der G-ly- kose wenigstens in einigen Fällen auch zyklische Verbindungen, welche imstande sind nach dem Typus der Atmungspigmente zu funktionieren. Es ist sehr wohl möglich, daß unter den Zerfallsprodukten der Glykose, wie auch unter den Hydrierungsprodukten dieser Stoffe, auch Oxy- und Ketosäuren gebildet werden. So hat C. Neuberg^) in seinen hervorragenden Untersuchungen über die zuckerfreien Hefegärungen nachgewiesen, daß einige Ketosäuren durch Hefe rasch in Gärung geraten. ^) C. Neuberg und L. Karezag, Biochem. Zeitschrift 36, 68, 70, 1911; Be- richte ehem. Ges. 44, 2477, 1911. über die Bedeutung der Atmungspigmente usw. 99 So wird zum Beispiel Brenztraubensäure in Kohlensäure und Azetaldehyd gespalten : CHs-CO-COOH = CO, + CH3-C0H. Diese Reaktion wird durch ein besonderes Ferment herv^org-ebracht, welches von Neuberg- Karboxylase benannt wurde. Die Existenz eines solchen Fermentes zeigt uns, daß ähnliche Reaktionen im Innern der Hefe unter natürlichen Bedingungen vor sich gehen. Für das Ferment, welches während der anaeroben Atmung der Samenpflanzen ohne Bildung von Alkohol Kohlensäure bildet, habe ich den Namen Karbonase vor- geschlagen \). Es drängt sich nunmehr die Frage auf, wann die Assimilation des Wassers vor sich geht, ob es während der Verarbeitung der inter- mediären Produkte der alkoholischen Gärung assimiliert oder ob die Bildung dieser intermediären Produkte der (lärung unter Anteilnahme des Wassers vor sich geht. Die vorliegenden Beobachtungen sprechen zugunsten der zweiten dieser Annahmen. In der Hefe ist eine große Menge von Redukase enthalten'-). Grrüss-^) und ich'^) haben nach- gewiesen, daß die Redukase an dem Prozesse der alkoholischen Gärung einen unmittelbaren Anteil nimmt. Zieht man jedoch außerdem die erwähnten Untersuchungen von Bach in Betracht, welche den Nach- weis dafür liefern, daß die Redukase unter Mitwirkung des Wassers arbeitet, so beweist dies alles zusammengenommen, daß der anaerobe Zerfall der Glykose von hydrolytischen Reaktionen begleitet wird. In- betreff der Möglichkeit einer Teilnahme des Wassers an der alkoholischen Gärung hat sich unter anderen auch Buchner'') ausgesprochen. Harden und Young*^) stellen auf Grund ihrer Untersuchungen inbetreff der Teil- nahme von Phosphaten an dem Prozesse der alkoholischen Gärung nach- stehendes Schema auf: 1. 2CV,H,oO,; + 2M2HPOt = 2 CO. + 2 (\.H,;0 + 2 HoO + C,Hio04(PO,MA' 2. Cr,H,ü04(P04M.) + 2H,0 = CgHi20c-1-2M,HP04. Diese Autoren nehmen demnach ebenfalls eine Teilnahme des Wassers an. Da l)ei physiologischen Vorgängen die Nährstoffe gewöhnlich einem tiefgehenden Zerfalle unterliegen (so zerfallen zum Beispiel die Eiweiß- *) W. Palladin, Berichte der bot. Ges. 23, 240, 1905. ^) E. Bucliner, H. Büchner und M. Hahn, Die Zymasegärung, 1903, 341. ^) Grüss, Zeitschrift für ges. Brauwesen 27, 1904; Berichte bot. Ges. 1908, 191. •») W. Palladin, Zeitschrift f. physiol. Chemie 56, 81, 1908. ^) a. a. 0., S. 40. «) Harden and Young, Centralblatt für Bakteriologie, II. Abt. 2«, 178, 1910. IdO W. Palladiu, Stoffe bis zum Amiiioniak), so ist es sehr wahrscheinlich, daß auch die Glykose während der alkoholischen Gärung- einem ähnlichen Zerfalle unterliegt. Man kann die alkoholische Gärung-, ohne die notwendigen Phosphate in die Gleichung einzuführen, in Gestalt des nachstehenden Schemas ausdrücken : 1. n,Hi,(),; + 6H2O = 6CH4O2. In Abwesenheit von Sauerstoff ergeben die schematisch durch die Formel CH4O2 ausgedrückten unbekannten Zerfallsprodukte M Alkohol, Kohlensäure und Wasser: 2. 6 CHiO. = 2 C:Hc.O -f- 2 CO, + 6 H,0. Bei Zutritt von Luft und bei dem Vorhandensein eines oxydierenden iVpparates werden diese intermediären Produkte bei den höhereu Pflanzen oxydiert : 1. 6 CH4O2 + 12 R = 6 C()-> -f 12 R • H, 2. 12R-Ho + 6 02 = 12R + 12 H.O. Die völlig-e Zerstörung der Glykose während der Atmung- geht dem- nach in folgender Weise vor sich: 1. Anaerobe Spaltung- der Glykose unter Wasserassimilation mit Hilfe der Zymase und der Perhydridase. 2. Abgabe des Wasserstoffes der neu erhaltenen Stoffe vermittels Perhydridase an das Atmungspigjnent. 3. Entnahme des Wasserstoffes von dem reduzierten Atmungs- pigmeut und Oxydation desselben zu Wasser mit Hilfe des Systems Peroxydase -\- Oxygenase. Anaerobes Stadium : C.;H,20« + 6 H2O + 12 R = 6 CO2 + 12 R-Ha. Aerobes Stadium : 12 R • H2 + 6 O2 = 12 H2O + 12 R. Auf Grund dieses Schemas würde eine Ausscheidung- des gesamten Kohlenstoffes aus der Glykose in Gestalt von Kohlensäure auf anaerobem Wege denkbar sein, wenn in den Pflanzen eine beträchtliche Menge von Atmungspigment enthalten wäre. In Wirklichkeit ist dies indessen nicht der Fall, da die geringe Menge der in den Pflanzen enthaltenen Atmungs- pigmente nach der Reduktion durch den Sauerstoff der Luft oxydiert werden muß, um die Möglichkeit zu haben, von neuem Wasserstoff zu entnehmen. ^) Gegen das Dioxyaceton als Intermediärkörper bei der alkoholischen Gärung sind in letzter Zeit gewichtige Einsprüche erhoben worden. S. Karauschan ow, Berichte bot. Ges. 1911, S. 322; A. Slator, Berichte ehem. Ges. 45, 43, 1912. über die Eedeutung der Atmiino'spigmente usw. 101 In dem von mir dargeleg-teu Schema der Atmung- lassen sich alle gegenwärtig' bekannten, auf die Atmung der Pflanzen bezüglichen Angaben unterbringen. Weitere Untersuchungen werden dasselbe natürlich ver- vollständigen und einigermaßen verändern. In dem anaeroben Stadium der Atmung ist ein genaueres Studium der Rolle der Phosphate erforder- lich, ebenso der intermediären labilen Körper, aus denen der Alkohol bei der alkohoKschen Gärung gebildet wird. Es muß auch die Um- wandlung dieser Intermediärkörper unter Teilnahme von Wasser zu neuen Körpern klargelegt werden, welche dann einer weiteren Oxydation unter Teilnahme der Atmungspigmente unterliegen, ebenso der Bau der Atmungspigmente und der ( )xygenase. Nicht bekannt ist ferner die An- teilnahme der Katalase. Die gegenwärtig vielfach angewandten Methoden des Abtötens für das Studium der Atmung der Pflanzen werden uns auf die hier aufgeworfenen Fragen Antwort geben. In abgetöteten Pflanzen wird infolge der Unterbrechung der regulierenden Tätigkeit des lebenden Protoplasmas bald das eine, bald ein anderes Stadium der Atmung in den Vordergrund gedrängt, und dies in Abhängigkeit von demjenigen Fermente, welches in dem Momente vorherrschte, wo das Abtöten dieser Pflanze erfolgt ist, was wiederum sowohl von dem Ent- wicklungsstadium, wie auch von den Eigentümlichkeiten der betreffenden Pflanze abhängt. So ermöglichen es meine Arbeiten über die Atmung der Pflanzen schon jetzt, nachstehende Typen der Atmung abgetöteter Pflanzen anzugeben : 1. Ungenügende Menge (oder gänzliches Fehlen) von At- mungschrom ogeu. In einigen Pflanzen nehmen die Atmungspigmente ergebenden fermentativen Prozesse nach dem Abtöten einen äußerst langsamen Verlauf. Pigmente treten erst einige Tage nach dem Abtöten auf, wenn die x\rbeit der Zymase bereits beendet ist. Als Beispiel für solche Pflanzen können Erbsensamen und die an Atmungsprochromogenen sehr reichen Weizenkeime dienen. In diesen Pflanzen tritt die völlige Unfähigkeit der Peroxydase, die Produkte des anaeroben Zerfalles zu oxydieren, besonders deutlich zutage. In lebenden Erbsensamen wird an der Luft' eine ganz unbedeutende Quantität Alkohol gebildet. In gefrorenem Erbsensamen dagegen geht eine typische alkoholische (rärung vor sich^): Lebende CO2 : CoHr.OH = lOO : 16,6. Erfrorene CO2 : C2H5OH = 100 : 68,4. ^) W. Palladiu uud S. Kostytschew, Zeitschr. f. physiol. Chem. 48, 214, 1906. 102 W. Palladin, Erfrorene Weizeiikeime scheiden sowohl au der Luft wie auch iu Wasserstoff gleiche Quantitäteu von Kohlensäure aus^). In beiden Fällen war die Kohlensäure demnach anaeroben Ursprunges. In An- betracht des Unistandes, daß der Sauerstoff bei den erwähnten Pflanzen nach dem Gefrieren nicht imstande ist, eine Oxydation der Produkte des anaeroben Zerfalles herbeizuführen, kann man hier deutlich erkennen, daß die Bedeutung des Sauerstoffes im Prozesse der Atmung nicht auf die Oxydation der Produkte des anaeroben Zerfalles beschränkt ist. So haben ich und Kostytschew^) nachgewiesen, daß gefrorene Erbsen- samen an der Luft viel mehr Kohlensäure ausscheiden und viel mehr Alkohol bilden, als im Wasserstoffstrom. So bildeten zwei Portionen von je 200 zum Gefrieren gebrachter Erbsensamen: Tu Wasserstoff: CO,- : Cl'H-.OH = 775,2:552.7 = 100 : 7L3, an der Luft: C02:C2HöOH = 1482,0:1013,4 = 100:68,4. L. Iw^anoff^) hat in anschaulicher Weise nachgewiesen, daß der Überschuß an Kohlensäure der Luftportion anaeroben l^sprunges ist, während der aufgenommene Sauerstoff auf die Überführung des Zjanogens der Zymase in aktives Ferment verw^endet wurde. Augenscheinlich kann diese Arl)eit der Überführung des Zymogens in aktive Zymase auch von dem Atmungspigment durch Oxydation infolge der Entnahme von Wasserstoff ausgeführt werden. Wenigstens scheiden lebende Erbsensamen nach ihrer Färbung mit Methylenblau in Sauerstoff freiem Medium mehr Kohlensäure aus und bilden mehr Alkohol als die Kon- trollsamen ^ ) : CO2 : Hr.OH = 498,4 : 436 : 8 = 100 : 87,6. Gefärbte Samen: C02:C2H50R = 700,8 (+40 Oq) : 690,6 (+ 58 "o) ^ 100:98,5. Endlich läßt sich ein gewisser Zusammenhang zwischen den At- mungspigmenten und der Oxygenase feststellen"'). So haben gefrorene Weizenkeime auf loo mg Kohlensäure anaerober Herkunft nach Hinzu- fügung von Pyrogallussäure nur 7 mg Kohlensäure von neuem ausge- ') W. Palladiu, Zeitschr. f. physiol. Chem. 47, 428, 1906. ^) W. Palladin und S. Kostytscliew, a.a.O. S. 2.%. 3) L. Iwanoff, Berichte botan. Ges. 31, 622, 1911. *) W. Palladin, E. Hiibhenet und M. Korsakow. Riocheni. Zeitschr. 3.>, 1, 1911. *) W. Palladin, Hiochem. Zeitschr. IS, 205, 1909. über die Bedeutung der Atmungspigmente usw, lOJ scliiedeii. Dies führt uns zu dem Schlüsse, daß iu denselben keine Oxygenase enthalten ist. In der Tat wurden nach Hinzufügung: von die Oxygenase ersetzendem Wasserstoffsuperoxyd von neuem 123 rag- Kohlen- säure ausg-eschieden. Auf Grund der Menge dieser Kohlensäure (7 4- 123) kann man auf die Menge der in den Keimen vorhanden gewesenen Peroxydase schließen. In etiolierten Bohnenblättern hing-egen, welche sehr reich an Atmungschromogenen sind, wird durch Pyrogallussäure allein schon eine sehr beträchtliche Ausscheidung von Kohlensäure er- zielt. Dieser Umstand weist auf die große Menge der in diesen Blättern enthaltenen Oxygenase hin. Die Ernährung etiolierter Bohnenblätter mit Saccharose und Licht vermehrt sowohl die Menge des in ihnen ent- haltenen Atmungspigmentes, wie auch ihre Fähigkeit durch Pyrogallus- säure Kohlensäure auszuscheiden, wie dies aus nachstehender Tabelle ersichtlich ist: Pflanze "Wasserstoff Luft Pyrogallus- säure Pyrogallussäure + H,03 Weizenkeime 100 7 123 Etiolierte Buhuenblätter . . 100 142 648 293 Dieselben Blätter nach Fütte- rung mit Saccharose und Licht 100 225 967 621 Dieser Zusammenhang zwischen dem Atmungspigment und der Oxygenase führt uns auf den Gedanken, daß entweder die Oxygenase die Bildung des Pigmentes begünstigt, oder daß dieselbe gleichzeitig mit letzterem gebildet wird, oder endlich, daß sie auf Kosten des At- mungspigmentes gebildet wird. Wheldale^) hat auch bemerkt, daß die, eine direkte (ohne H2O2- Zusatz) Guajakreaktion liefernden Pflanzen, in dem Pyrokatechin (also Atmungschromogen) bereits einen das Peroxyd vertretenden Stoff besitzen. Was nun die theoretisch zulässige Oxy- genase darstellt, muß erst festgestellt werden. 2. Große Menge von Atmungspigment. Als ein Beispiel für solche Pflanzen dienen etiolierte Bohnenblätter und die Fruchtkörper von Champig-nons. Nach dem Abtöten beginnen sie sofort schwarz zu werden. Eine so rasche Oxydation des Atmungschromogens ül)t einen starken Einfluß auf die Atmung dieser Pflanzen nach dem Abtöten aus. So übt der Sauerstoff, welcher in günstiger Weise auf die anaerobe Kohlensäureausscheidung bei gefrorenen Erbsensamen einwirkt, eine schädliche Wirkung- auf etiolierte Bohnenblätter aus. Ganz besondere •) M. Wheldale, Proced. lioyal. Society 84, S. 121. 104 W. Palladii), Beachtung- verdient der Umstand, daß an Atnuing-spio-inent reiche Pflanzen selbst im lebenden Zustande wenig' dazu befähigt sind, während der Anaerobiose Alkohol zu bilden. Nach dem Abtöten dagegen erweisen sich viele von ihnen als gänzlich unfähig, x\lkohol zu bilden. So konnte Hahn^) im Safte von Ar um maculatum nach der Gärung keinen Al- kohol nachweisen. Während der anaeroben Atmung zum Gefrieren ge- brachter etiolierter Blätter und Stengelspitzen von Bohnen wird sehr wenig Alkohol gebildet"-). Ebenso spaltet das von Weewers^) aus den Blütenständen von Sauromatum venosum erhaltene Ferment die Glykose unter Bildung von Kohlensäure und organischen Säuren. Al- kohol wurde auch hier nicht erhalten. Alle diese Beobachtungen können dadurch erklärt werden, daß infolge der großen Menge der in den ge- nannten Pflanzen enthaltenen Atmungspigmente eine Entnahme des Wasserstoffs aus den intermediären Zerfallsprodukten der Glykose vor sich geht. Aus diesem Grunde konnte sich denn auch kein Alkohol bilden. Aus demselben Grunde beginnt das in sehr günstiger Weise auf die Bildung von Alkohol in lebenden Samen wirkende Methylenblau in erfrorenen, nach der Beseitigung der regulierenden Tätigkeit des lebenden Organismus, nunmehr in ungünstiger Weise einzuwirken^). Bei dem Beginne meiner l^ntersuchungen ü])er die Atmungspigmente der Pflauzen vermutete ich, daß dieselben Überträger des Sauerstoffes, ähnlich dem Hämoglobin, darstellten, und sprach von einem „Blute der Pflanzen"'^). In Anbetracht des leichten Eindringens der Luft in das Innere der Pflanzen bedürfen letztere keiner dem Hämoglobin analogen Stoffe. Die Atmungspigmente sind notwendig fi'ir die intrazelluläre Atmung und zwar ausschließlich für das Verbrennen des Wasserstoffes. Zu dem gleichen Zwecke bedürfen auch die Tiere ähnlicher Stoffe. Ehrlich") wies in seinen bekannten Untersuchungen die Befähigung vieler Farbstoffe nach, durch tierische Gewebe reduziert zu werden und Leukokörper zu ergeben. Noch früher hatte Kruckenberg beobachtet, daß gleich dem Safte von Runkelrüben, welcher an der Luft ein rotes Pigment ergab, worauf seinerzeit vonReinke') als auf einen wichtigen ^) Hahn, Berichte ehem. Ges. 33, -3.5.55, 1900. 2) W. Palladin und S. Kostytschew, Zeitschr. f. physiol. Cham. 48, 214, 1906; Berichte botan. Ges. 25, 51, 1907. ^ Th. Weewers, Koninkl. Akad. v. Wetenseli. Amsterdam, Wisk. en Nat. Afd. 20, 206, 1911. *) W. Palladiu, S. Hübbenet und M. Korsakow. a.a.O. ^) W. Palladin, Berichte botan. Ges. 26a, 125, 1908. ®) P. Ehrlich, Das Sauerstoff -Bedürfnis des Organismus. Berlin 1885. ') .]. Reinke, Zeitschr. f. physiol. Chem. 6, 21.3, 1882; Bot. Ztg. 1883, 65. über die Bedeutung der Atmungspigmente usw. ]^Q5 Faktor bei der Atmung- hingewiesen wurde, auch viele Flüssig'keiten aus Tieren an der Luft Pigmente ergeben. So verwandelt sich das gelbe Pigment (Aplvsiofulvin) bei Aplysia aerophoba nach dem Tode des Tieres an der Luft in ein schwarzblaues Pigment (Aplysionigrin). Spina ^) fand, daß „Die Sauerstoff attraktion von Seite der lebenden Niere durch pigmentierte Substanzen bewerkstelligt wird, welche unter charakteristischer Änderung ihrer Farben dem kreisenden Blute den Sauerstoff entziehen und ihn wieder leicht abgeben. Diese atmenden Substanzen und die Änderungen ihrer Farben gelangen jedoch auch in toten Organen zum Nachweise". „Durch Reduktion wird Leber gelb, durch Oxydation Leberrot erzeugt". Die Versuche werden auf folgende Weise angestellt: auf ein Stückchen Leber wird ein feucht gemachtes Stückchen Filtrierpapier oder ein Deckgläschen gelegt. Nach etwa zwei Stunden erscheint das bedeckte Stückchen heller gefärbt. Bei der Wiederholung der Spina scheu Versuche erhielt ich die gleichen Re- sultate. Die Notwendigkeit des Vorhandenseins eines Intermediärkörpers für die intrazelluläre Atmung wird von Fränkel und Dimitz^) nach- gewiesen. Solche K()rper rufen ihrer Ansicht nach sowohl eine Oxy- dation, wie auch eine Reduktion hervor. Die genannten Autoren stellen eine „Theorie der Gewebeatmuug durch Intermediärkörper" auf. Ab- gesehen von vereinzelten Angaben stellen die Atmungspigmente der Tiere ein fast ganz unberührtes Gebiet dar. Die bei den wirbellosen Tieren weit verbreiteten farblosen Körper, welche an der Luft Pigmente er- geben, gehören zu der gleichen Kategorie von Pigmenten, welche den Geweben Wasserstoff entnehmen und denselben an der Luft zu Wasser oxydieren^). ^) A. Spina, Experimentelle Beiträge zu der Lehre von der inneren Atmung der Organe. Prag 1889. Den Hinweis auf diese Arbeit verdanke ich Herrn Prof. .J. Stoklasa in Prag. -) S. Fränkel und L. Dimitz, Wiener klin. Wochenschr. 1909, Nr. 51. ') 0. von Fürth, Vergleichende chemische Physiologie der niederen Tiere. Jena 1903. Zehnjähriger Versuch über die Lebensdauer reingezüchteter Weinhefen in lo prozentiger Rohrzuckerlösung. Von Kicbard Mcißuer-Weinsberg. (Ans den Arbeiten der Kgl. Weinbau -Versuchsanstalt in Weinsberg.) In der Kgi. Weinbau -Versudisaustalt in Weinsberg' werden seit ilem 22. September 19(il nach der bekannten Methode Emil Christian Hansens 25 verscliiedene Stämme reing-ezüchteter Württemberg'ischer Weinhefen in Freudenreichschen Kölbchen, die mit 10 cem einer 10 pro- zentig'en wässerigen llohrzuckerUisung beschickt waren, in einem ge- schlossenen Blechkasten stehend aufbewahrt. Diese ersten Stammkulturen dienen zur Erneuerung- einer zweiten, bei welcher die Eeinhefen, nachdem sie aus der ersten Kultur in sterilen Traubensaft übergeimpft sind, in Keagenzgläsern aufbewahrt werden. Die Versuchsanstalt versorgt seit ihrer Grründung im Jahre 1901 besonders Württemberg mit der er- forderlichen Menge reingezüchteter Weinhefen, die zur Vergärung von Trauben- und Obstsäften, zur Durch- und ümgärung von Weinen, so- wie zur Herstellung von Schaumweinen in der Praxis benutzt werden. Sie muß deshalb, wie es übrigens in allen Weiuhefe-Reinzucht- Anstalten üblich ist, außer den beiden genannten Stammkulturen noch eine dritte anlegen, die aus der zweiten Stammkultur abgeimpft wird. Zu diesem Zwecke wird dieselbe Heferasse in 5 bis 6 Kulturen in frischem Zu- stande, nachdem sie wiederum in sterilen Traubensaft übergeimpft ist, in Reagenzgläsern aufbewahrt. Diese dritten Stammkulturen liefern also das Ausgangsmaterial für diejenigen Heferassen, welche von der Versuchs- anstalt für die Praxis im großen gezüchtet werden. Naturgemäß wird wiihrend eines Jahres am häufigsten die dritte Stammkultur aus der zweiten erneuert. Letztere muß während eines Jahres gewöhnlich 10 bis 15 Mal umgeimpft werden, d. h. so oft, als die dritte Stammkultur in mehreren Exemplaren erneuert wird. Es hat sich dabei im Laufe Richard Meißner, Versuch über die Lebensdauer reingezüchteter Weinhefen. I07 der Jahre in den Hefe -Reinzucht -Anstalten die Übung herausgebildet, die erste Abimpf ung aus der zweiten Stammkultur als Ergänzungs- kultur der zweiten Stammkultur zu nehmen, um die Gefahr der Infektion der letzteren möglichst auszuschließen. Es ist selbstverständlich, daß zur Reinheitsprüfung der Kulturen sowohl die zweite, als die dritte Stammkultur und die für die Praxis im großen gezüchteten Kulturen einer fortgesetzten mikroskopischen Kontrolle unterworfen sind. Damit man aber sicher ist, daß die in ununterbrochener Kultur befindlichen Reinhefen nicht degenerieren, greifen wir von Zeit zu Zeit, meist nach einem Jahre, auf die erste Stammkultur in den Freudenreichschen Kölbchen zurück, und erneuern aus ihr die zweite und dritte Stamm- kultur. Unter allen Kautelen wird mit Hilfe einer sterilen Impfnadel eine geringe Menge Hefe aus der ersten Stammkultur in sterilen Trauben- saft übergeimpft und dadurch die zweite Stammkultur erhalten. Darauf wird das Freudenreichsche Kölbchen vorschriftsnicäßig wieder mit heißem Vaselin verschlossen und in den oben erwähnten Blechkasten gestellt. Bis vor einigen Jahren wurde die erste Stammkultur jährlich ein- mal erneuert, weil man keine Kenntnisse darüber besaß, wie lange sich die reingezüchteten Weinhefen in lOprozentiger Rohrzuckerlösung am Leben erhalten. Für die Verhältnisse bei Bierhefen ist namentlich die Arbeit Hansens von großem Werte: „Über die Lebensgrenze und Variation der Alkoholgäruugspilze in Nährsubstraten und in eingetrock- netem Zustande^).'" Hansen kommt zu dem Schlüsse, „daß die aller- meisten Saccharomyceten ihr Leben in einer 10 prozentigen Rohrzucker- lösung während einer langen Reihe von Jahren bewahren, und dies gilt auch von den geprüften Arten von saccharomycesähnlichen Hefezellen und von Mucor". Ein Absterben beobachtete Hansen nur bei drei Saccharomy- ceten, und zwar bei Saccharomyces Ludwigii, Carlsberg Unterhefe Nr. 2 und bei der zu letzterer gehörigen asporogenen Varietät. Weiter sagt Hansen: „Es ist überhaupt selten ein Alkoholgärungspilz zu finden, der in den Kulturen in Saccharose im Laufe von ein paar Jahren abstirbt, und inbetreff der Saccharomyceten, auf welche ich besonders meine Aufmerksamkeit hingelenkt habe, liegt die Lebensgrenze unter diesen Umständen gewöhnlich sehr weit entfernt. Man könnte zu der Annahme geneigt sein, daß ihre Vege- tationen in dieser Flüssigkeit Unsterblichkeit erreichen können". Um die Frage nach der Lebensdauer reingezüchteter Weinhefen in lOprozentiger Rohrzuckerlösung zu beantworten, wurden 25 Reinkul- *) Hansen, Gesammelte theoretische Abhandlungen über Gärungsorganismen, herausgegeben von Albert Klöcker, Verlag von Gustav Fischer, S. 294ö'. Zeitschr. f. Gärungsphysiologic. Bd. I. 8 108 Richard Meißner, tureu Württembergisclier Weinhefeu, welche vorher drei Ta^e laug in sterilem Traubensaft gewachsen waren, in dem sogenannten Hansen- schen Kasten unter allen Vorsichtsmaßregeln zu je einer Platinöse in 10 ccm einer lOprozentigen Rohrzuckerlösung, die sich in Freudenreich- schen Kölbcheu befand, am 22, September 1901 übergeimpft. Die Namen der Eassen sind folgende: ■ Weikersheim Nr. 1, Mundeisheim Nr. 14, Weikersheim Nr. 2, Weinsberg Nr. 15, Weikersheim Nr. 3, Weinsberg Nr. 16, Schwaigern Nr. 4. Verreuberg Nr. 17, Schwaigern Nr. 5, Michelbach Nr. 18, Helfenberg Nr. 6, Windischenbach Nr. 19, Helfenberg Nr. 7, Michelbach Nr. 20, Helfenberg Nr. 8, Verreuberg Nr. 21, Eilfingerberg Nr. 9, Heuholzer Nr. 22, Neustadt i. R. Nr. 10, Untertürkheim Nr. 23, Untertürkheim Nr. 11, Stuttgart Nr. 24, Eilfingerberg Nr. 12, Stuttgart Nr. 25. Hohenhaslach Nr. 13. Wie schon oben hervorgehoben wurde, erneuerte ich alljährlich, und zwar kurz vor Weihnachten, die zweite Stammkultur aus der ersten. Darauf wanderten die Freudenreichschen Kölbchen wieder in ihren Aufenthaltsort, einen geschlossenen Blechkasten, ohne daß die Rohr- zuckerlösung erneuert oder ergänzt wurde. Der Blechkasten stand in meinem Laboratorium ])ei gewöhnlicher Zimmertemperatur. Auf diese Weise konnte ich an dem Anwachsen der zweiten Stammkultur in Traubensaft erkennen, daß die Weinhefen der ersten Stammkultur noch am Leben waren. Das Protokoll vom Jahre 1907 l)esagt in dieser Hinsicht: Unsere Erfahrung geht bis jetzt dahin, daß die Reinhefeu, obwohl sie sich seit dem Jahre 1901 in derselben Rohrzuckerlösuug be- finden, dennoch in sämtlichen 25 Rassen lebensfähig und lebenskräftig geblieben sind. Dieses Bild änderte sich aber im Jahre 1908 ganz wesentlich. Am 17. Dezember 1908 wurden die 25 Heferassen der ersten Stamm- kultur einer neuen Untersuchung auf ihre Lebensfähigkeit unterworfen. Innerhalb der 7 Jahre war durch den kleineu Wattebausch, welcher die Röhre des Freudenreichschen Kölbchens verschließt, etwa die Hälfte der Flüssigkeitsmenge verdunstet, so daß sich die Hefen noch in etwa 4,6 bis 5 ccm RohrzuckerlösunR- befanden. Nach dem Aufschütteln Versuch über die Lebensdauer reiugezüchteter Weinhefeu. 109 der Hefen wurde je eine Öse voll in sterilen Tranbensaft übergeimpft. Das Resultat war am 21. Dezember 1908 folgendes: 5 Heferassen haben den Traubensaft in alkoholische Gärung versetzt, nämlich die Rassen: Weikersheim Nr. 3, Schwaigern Nr. 5, Helfenberg Nr. 7, Muudelsheim Nr. 14, Windischenbach Nr. 19. Fünf Traubensäfte sind an diesem Tage durch die Hefen stark getrübt, und zwar von den Rassen: Weikersheim Nr. 2, Weinsberg Nr. 16, Michelbach Nr. 18, Verrenberg Nr. 21, Untertürkheim Nr. 23. Die übrigen 15 Traubensäfte sind an dem genannten Tage noch vollständig klar. Am 22. Dezember 1908 sind 10 Traubensäfte in Gärung, neu ge- trübt haben sich die Traubensäfte mit den 4 Rassen: Weikersheim Nr. 1, Michelbach Nr. 20, Stuttgart Nr. 24 und Stuttgart Nr. 25. Letztere 4 Rassen gären ebenfalls am 23. Dezember, vormittags 10 Uhr. Am 24. Dezember 1908, vormittags 10 Uhr ist der Traubensaft, in welchem sich die Rasse Verrenberg Nr. 17 befindet, dicktrüb, er gärt am Abend dieses Tages. Bisher sind also von den 2 5 Heferassen 15 an- gewachsen und haben die Traubensäfte in Gärung versetzt, 10 Rassen dagegen zeigen keine Lebenserscheinungen. Deshalb wird von diesen 10 Rassen noch einmal eine r)se voll aus der ersten Stamm- knltur in die entsprechenden Traubensäfte übergeimpft, um zu sehen, ob man bei der zweiten Impfung etwa noch lebende Hefezellen vorfindet. Da jedoch die 10 Kulturen auch am 1. Januar 1909 kein Leben zeigen, desgleichen nicht am 3. Januar 1909, so wurde am letztgenannten Tage in die Freudenreichschen Kölbchen zu den Hefen unter allen Vor- sichtsmaßregeln frischer steriler Traubensaft gegossen und eine Gärung desselben abgewartet. Aber nur eine Heferasse zeigte noch Leben, nämlich die Rasse Weinsberg Nr. 15, am 7. Januar 1909, während die übrigen 9 Rassen abgestorben sind. Wie gestalten sich die Lebensverhältnisse der Weinhefen zu Ende des Jahres 1909? Die Überimpfuug geschah in diesem Jahre am 14. Dezember 1909, und zwar konnte der Versuch nur noch mit 15 Rassen fortgesetzt werden, weil, wie eben erwähnt wurde, in das Freudenreichsche Kölbchen mit der Rasse Weinsberg Nr. 15 steriler Traubensaft gegeben werden mußte, um die Lebensfähigkeit dieser Rasse feststellen zu können. Die Zuckerlösung in den Freudenreichschen Kölbchen ist zu dieser Zeit von 4,6 bis 5 ccm des Jahres 1908 weiter verdunstet auf etwa 3,1 bis 4,3 ccm. Am 18. Dezember 1909, vormittags 10 Uhr, gären die Traubensäfte mit den 6 Rassen: Weikersheim Nr. 3, Schwaigern Nr. 5, Helfenberg Nr. 7, Weinsberg Nr. 16, Windischenbach Nr. 19 und Verrenberg Nr. 21. 110 Eichard Meißner, Getrübt siud die Traubensäfte mit den 3 Heferassen: Verreiiberg* Nr. 17, Michelbach Nr. 18 und Untertürkheim Nr. 23. Am 19. Dezember 1909, vormittags 10 Uhr, gären die Traubensäfte von 10 Rassen, nämlich außer den genannten noch die mit den Rassen: Verrenberg Nr. 17, Michelbach Nr. 18, Untertürkheim Nr. 23 und Stutt- gart Nr. 25. Im Vergleich zu den Ergebnissen des Jahres 1908 sind also in der Geschwindigkeit des Anwachsens die Rassen Weikersheim Nr. 2 und Mundeisheim Nr. 14 zurückgeblieben, dagegen die Rassen Verrenberg Nr. 17 und Stuttgart Nr. 25 vorangeeilt. An dem genannten Tage ist der Traubensaft mit der Rasse Weikersheim Nr. 1 durchscheinend trüb; hell dagegen die Säfte mit den 4 Rassen: Weikersheim Nr. 2, Muudelsheim Nr. 14, Michel- bach Nr. 20 und Stuttgart Nr. 24. Von diesen zeigt der Traubensaft mit der Rasse Weikersheim Nr. 1 am 19. Dezember 1909, abends ^U9 Uhr, ebenfalls Gärung. Am 22. Dezember 1909, abends V2IO Uhr, sind die Traubensäfte mit den Rassen Muudelsheim Nr. 14 und Michelbacli Nr. 20 durch- scheinend trüb, der mit der Rasse Weikersheim Nr. 2 ist noch hell, es scheint aber, daß auch diese Rasse augewachsen ist. Am 23. Dezember 1909, vormittags 10 Uhr, ist das Bild folgendes: der Traubensaft mit der Rasse Muudelsheim Nr. 14 gärt, derjenige mit der Rasse Michelbach Nr. 20 ist dick trüb, der mit der Rasse Weikers- heim Nr. 2 durchscheinend trüb. Am 24. Dezem])er 1909, nachts 1 Uhr, gären endlich auch die Traubensäfte mit den Rassen Weikersheim Nr. 2 und Michelbach Nr. 20. Das Ergebnis des Jahres 1909 ist also, daß sämtliche 15 Wein- heferassen innerhalb 8V1 Jahre sich am Leben erhalten haben, obwohl die Rohrzuckerlösung nicht erneuert wurde. Dabei wurde die Beobachtung gemacht, daß drei Rassen, nämlich Nr. 2, 14 und 20 nur langsam angewachsen sind, was offenbar auf ein zahlreiches Absterben der Hefezellen zurückzu- führen ist. Die Versuche wurden im Jahre 1910 fortgesetzt. Wie früher, so wurde auch in diesem Jahre am 21. Dezember 1910, nachmittags 4 Uhr, je eine Öse voll der 15 Reinheferassen in sterilen Traubensaft über- geimpft. Seit dem Jahre 1909 ist die Zuckerlösung in den Freudenreich- scheu Kölbchen bis auf 3 bis 4 ccm verdunstet. Wie in dem Vorjahre sind am 24. Dezember 1910, abends 9 Uhr, die Traubensäfte der 6 Rassen: Weikersheim Nr. 3, Schwaigern Nr. 5, Versuch über die Lebensdauer reingezüchteter Weinhefen IXX Helfeuberg- Xr. 7, Weinsberg Nr. 16, Wiiiclischenbach Nr. 19, VeiTen- berg' Nr. 21 iu Gärung gekommen, dazu aber noch die Traubensäfte der beiden Rassen: Verrenberg Nr. 17 und Michelbach Nr. 18. Der Traubensaft mit der Heferasse Untertürkheim Nr. 23 ist getrübt, hell nur noch die Säfte mit den 6 Rassen: Weikersheim Nr. 1, Weikersheim Nr. 2, Mundeisheim Nr. 14, Michelbach Nr. 20, Stuttgart Nr. 24, Stutt- gart Nr. 25. Am 25. Dezember 1910, nachts Vil Uhr, beginnt die Flüssigkeit mit der Heferasse Untertürkheim Nr. 23 zu gären; am gleichen Tage, vormittags 9 Uhr, hat sich der Traubensaft mit der Rasse Stuttgart Nr. 25 getrübt; er gärt an demselben Tage, abends 6 Uhr. Hell sind, wie im Vorjahre, wieder nur die Traubensäfte mit den 5 Rassen: Weikersheim Nr. 1, Weikersheim Nr. 2, Mundeisheim Nr. 14, Michelbach Nr. 20 und Stuttgart Nr. 24. Von diesen haben sich am 26. Dezember 1910, vormittags 10 Uhr, getrübt die Säfte mit den Rassen Weikersheim Nr. 1 und Stuttgart Nr. 24, die am gleichen Tage, nachmittags ^/43 Uhr, gären. Die Rasse Michelbach Nr. 20, welche den Traubensaft am 26. Dezember 1910, nach- mittags '"^US Uhr, getrübt hatte, beginnt an diesem Tage, abends ^'ilO Uhr, mit der Gärung. Am 1. Januar 1911 gären auch die Traubensäfte mit den beiden Rassen Weikersheim Nr. 2 und Mundeisheim Nr. 14. Die Ergebnisse des Jahres 1910 sind demnach fast die gleichen, wie die des Jahres 1909: alle 15 Weinheferassen sind gewachsen, aber die drei langsam anwachsenden Rassen Nr. 2, 14 und 20 brauchen etwa 10 bis 11 Tage, bis sie den Traubensaft in Gärung versetzen. Auch im Jahre 1911 wurden die genannten Weinheferassen auf ihre Lebensfähigkeit in der seit dem 22. September 1901 nicht er- neuerten Rohrzuckerlösuug geprüft. In den Freudenreichschen Kölb- chen befanden sich am 23. Dezember 1911, mittags 12 Uhr, noch etwa 3 bis 4 ccm Flüssigkeit. Je eine Öse voll davon wurde, nachdem die Hefen aufgeschüttelt waren, in 10 ccm sterilen Traubensaft wie in den Vorjahren übergeimpft. Die täglichen Beobachtungen ergaben folgende Resultate: Zuerst sind wieder, wie früher, die beiden Rassen Schwaigern Nr. 5 und Helfeu- berg Nr. 7 angewachsen, nämlich am 25. Dezember 1911, abends V2IO Uhr; beide haben am 26. Dezember, vormittags V2II Uhr, die be- treffenden Traubensäfte in Gärung versetzt, während die Rassen Wei- kersheim Nr. 3 und Windischenbach Nr. 19 sie getrübt haben. Am 112 Richard Meißner, Abend desselben Tages tritt in den beiden letztgenannten Tranbensäfteu anch die Gärnng- ein (abends ViU Uhr). Zu dieser Zeit sind durch- scheinend trüb die Traubensäfte mit den 5 Rassen: Mundeisheim Nr. 14, Weinsberg- Nr. 16, Michelbach Nr. 18, Verrenberg Nr. 21 und Stutt- gart Nr. 25 : hell dagegen die 6 Rassen : Weikersheim Nr. 1 , Wei- kersheim Nr. 2, Verrenberg Nr. 17, Michelbach Nr. 20, üntertürkheim Nr. 23, Stuttgart Nr. 24. Am 27. Dezember 1911, vormittags ^ 4ll Uhr, sind 9 Traubensäfte mit den Rassen Weikersheim Nr. 3, Schwaigern Nr. 5, Helfenberg Nr. 7, Mundeisheim Nr. 14, Weinsberg Nr. 16, Michelbach Nr. 18, Windischen- bach Nr. 19, Verrenberg Nr. 21 und Stuttgart Nr. 25 in Gärung, der mit der Rasse Untertürkheim Nr. 23 ist durchscheinend trüb. Am Abend desselben Tages gärt auch der letztgenannte Traubensaft, und es haben sich außerdem diejenigen der Rassen Verrenberg Nr. 17 und Stuttgart Nr. 24 durchscheinend getrübt, so daß also bis zu diesem Zeitpunkt von den 15 Rassen 12 angewachsen sind. Auffallend ist es dies- mal, daß die Rasse Mundeis heim Nr. 14, welche früher mit dem An- wachsen länger auf sich warten ließ, diesmal Verhältnis mäßig- schnell mit der Gärung eingesetzt hat. Das gibt wieder einen Hinweis darauf, daß von dieser Rasse in den Freudenreichschen Kölbchen nur noch wenige lebende Zellen vorhanden sind, daß aber bei der diesmaligen Überimpfung wahrscheinlich und zufällig mehrere lebende Zellen in den sterilen Traubensaft gelangten. Wie früher, ist 5 Tage nach der Impfung der Traubensaft mit den Rassen Weikersheim Nr. 1, Weikersheim Nr. 2 und Michelbach Nr. 2<) noch vollständig klar. Am 28. Dezember 1911, vonnittags VülO Uhr, gären die Trauben- säfte mit den Rassen Verrenberg Nr. 17 und Stuttgart Nr. 24, während der mit der Rasse Weikersheim Nr. 1 durchscheinend trüb ist. Am 29. Dezember, nachts ^'22 Uhr, gärt der Traubensaft mit der Rasse Weikersheim Nr. 1. Am 31. Dezember 1911, nachts 3 Uhr, beginnt der Traubensaft mit der Rasse Michelbach Nr. 20 zu gären und erst am 8. Januar 1912 der mit der Rasse Weikerskeim Nr. 2. Bierberg ^) hat im Jahre 1910 die Ergebnisse ähnlicher Versuche veröffentlicht und hat gefunden, daß von 54 Stammkulturen, die seit dem 1. Juni 1898, und von 47 Kulturen, die seit dem 30. Januar 1899 ^) Bierberg, Versuche über die Lebensdauer der Weinhefen in lüproz. Rohr- zuckerlüsung, Jahresber. der Kgl. Lehranstalt für \Yein-, Obst- und (xartenliau, Berlin 1910, S. 176. Versucli über die Lebensdauer reingezüehteter VVeiuhefen. 1X3 bis zum 12. November 190!) nicht aufgefrischt, von denen ß Kulturen nur noch eben feucht und !» vollkommen eingetrocknet waren, nur 4 Kul- turen von 92 Stammkulturen, abgesehen von den 9 eingetrockneten Kul- turen, trotz noch vorhandener Rohrzuckerlösung abgestorben waren. Somit ist das Ergebnis des ganzen Weinsberger Ver- suches bis jetzt, daß von 25 reingezüchteten Weinheferassen, die in der Weinbau -Versuchsanstalt in Weinsberg auf ihre Lebensdauer untersucht wurden, 15 Rassen in einer lOpro- zentigen Rohrzuckerlösung, obwohl die Zuckerlösung nicht erneuert wurde, innerhalb 10^'4 Jahre am Leben geblieben sind, während 9 Rassen nacb SV-i Jahren abgestorben waren. Eine Rasse zeigte nach der letztgenannten Zeit noch lebende Zellen. Diese Kultur mußte aber von dem weiteren Versuch ausgeschlossen werden, weil sie mit sterilem Traubensaft versetzt werden mußte. Die Versuche sollen in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Besonders interessiert dabei die Frage, ob etwa die Weinhefen, wenn sie auf Jahre hinaus an der Ausübung ihrer Gärtätigkeit in der Rohr- zuckerlösuug gehindert werden, allmählich das Gären verlernen, wie es Wortmann \) bei einer Reihe von Hefen feststellen konnte, die 30 und mehr Jahre hindurch in alten Flaschenweinen gelebt hatten. ') J. Wortmauu, Untersuchungen über reine Hefen, IV. Teil. Das Vorkommen von lebenden Organismen in fertigen Weinen und ihre Bedeutung für die Praxis der Weinbereitung. Thiels landw. .Jahrbücher 1898, Bd. 27. Weinsberg, den 12. März 1912. Entsteht bei zuckerfreien Hefegärungen Äthylalkohol? Von Carl Nenberg und Johannes Kerb. (Aus der chemischen Abteiliiug de^ Tierphysiologischen Instituts der Kgl. Landwirt- schaftlichen Hochschule, Berlin.) Alle Theorie 11, die über den Ablauf der alkoholischeu Gärung der Zuckerarten aufgestellt sind, haben bisher zu keiner experimentellen Lösung der Frage geführt, ob aus Nichtzuckerstoffen durch Hefe Al- kohol gebildet werden kann. Zwar wissen wir, daß Monosaccharide mit 3, 6 und 9 Kohlenstoffatoraen der typischen Vergärung fähig sind; das Rätsel ist aber das gleiche geblieben, über welche Zwischenstufen der Zerfall in Kohlendioxyd und Äthj^lalkohol führt, der durch die Gleichung (C3H6 0.,)n = n CO, + n C0H5 • OH wiedergegeben wird. Es hängt die Frage nach der Alkoholbilduug aus Nichtzuckerstoffen auf dem Wege der Gärung aufs engste mit der Frage nach den Zwischen- stufen des Zuckerzerfalls bei der Einwirkung von Zymase zusammen. Die bestrickendste aller H^'pothesen, die Wohlsche, ist verlassen worden^), da das von ihr als Zwischenform postulierte MethylgTyoxal weder durch lebende Hefe (P. Mayer-), A. Wohl^)) noch durch Hefe- preßsaft (E. Buchner und J. Meisenheimer^)) vergoren wird. C. Neuberg und A. Hildesheimer'') haben dann die Theorie er- wogen, ob das Methylglyoxal vielleicht in Form seiner C an nizaro sehen ^) Die Tatsache, daß fertig gebildetes Methylglyoxal nicht gärbar ist, beweist übrigens nichts gegen diese Theorie. Denn man muß sich auch in der Gärungsphysiologie mit dem in der Biologie allgemein anerkannten Grundsatz befreunden, daß es einen großen Unterschied Itedeutet, ob große Mengen eines — noch dazu giftigen — Produktes auf einmal zur Anwendung gelangen, oder ob dieses in dem Maße, wie es event. entsteht, zur Verarbeitung kommt. 2) P. Mayer, Biochem. Zeitschr. 2, 485, 1906. ') A. Wohl, Biochem. Zeitschr. 5, 45, 1907. *) E. Buchner und J. Meisenheimer, Ber. 3i), 8202, 1906. *) C. Neuberg und A. Hil desheimer, Biochem. Zeitschr. 31, 170, 1911. Carl Neuberg imd Johannes Kerb, Entsteht bei zuckerfreien usw. 115 Unilageriiugsprodukte von Hefe angegriffen werde. Eine solche Voraus- setzung erscliien diskutabel, da die Cannizarosche ümlagerung als ein physiologischer Prozeß (Batelli und Stern ^), Parnas-)) erkannt worden ist. Die ümlagerung- des Methylglyoxals nach Cannizaro führt im Sinne der Formel CHr, — CO — COH Ho CH:, — CO — CHoOH + I = CH3 — (^0 — COH CH, — CO — COOH zum Brenztraubenalkohol und zur Brenztraubensäure. Die experi- mentelle Prüfung- ergab nun ohne weiteres, daß die zuletzt genannte Substanz, die Brenztraubensäure, durch Hefe g-latt vergoren wird (Neuberg- und Hildesheimer [a. a. 0.]) Dieser Befund hat uns zur Entdeckung der „zuckerfreien Hefegärungen" geführt und man darf ihm wohl eine prinzipielle Bedeutung insofern beimesseo, als hier zum ersten Male ein Prozeß zutage trat, bei dem ein nicht zur Kohlenhydratreihe ge- höriger und zugleich N- freier Stoff ohne Gegenwart von Zucker einer typischen Vergärung durch Hefe sich fähig erwies. Die Aufklärung des Vorgangs ergab, daß die Brenztraubensäure durch Hefe in Kohlendioxyd und Azetaldehyd CH,, . CO . COOH = CO. + CHh • COH gespalten wird (Neuberg und Karczag^)). Es zeigte sich weiter, daß nicht nur die brenztraubensauren Salze vergären, sondern auch die freie Brenztraubensäure, ja letztere mit besonderer Leichtigkeit, den gleichen Zerfall erleidet-'). Es ergab sich ferner, daß alle bisher untersuchten Rassen von Eeinzuchthefen (ober- und untergärige) die Brenztrauben- säure vergären^), daß der Gärprozeß vom Leben der Hefe trennbar ist, d. h. auch mit Azetondauerhefe bei Gegenwart von Antisepticis sich ver- wirklichen läßt^). Neuerdings halben wir in noch nicht veröffentlichten Versuchen festgestellt, daß Hefepreßsaft nach Buchner sowie Hefe- mazerationssaft nach V. Lebedeff ebenfalls die Brenztraubensäure zerlegen ^). Demnach ist die Brenztraubensäuregärung ein echter enzy- m atischer Prozeß gleich der Zuckervergärung. Das Ferment, dessen Wirksamkeit in einer C02-Loslösung besteht, haben wir Karboxylase'') 1) F. Battelli und L. Stern, Biochem. Zeitsdir. 28, 145, 1!»10. 2) ,1. Parnas, Biochem. Zeitschr. 28, 274, 1910. *) C. Neuberg und L. Karezag, Biochem. Zeitschr. 36, ßS, 1911. *) C. Neuberg und L. Karezag, Biochem. Zeitsflir. 30, 7(i, 1911. ^) ('. Neuberg und S. Kurz, Sitzung d. physiolog. Ges. in Berlin, 1. März 1912. 116 Carl Neuberg- und Juliaunes Kerb, genannt. Bisher haben sich Karboxylase und Zymase nicht trennen lassen. Es muß daher dahingestellt bleiben, ob beide Enzyme ver- scliieden sind oder ob die wirkliche Zymase auch die Brenztraubensäure angreift. Die außerordentlich glatte Zerlegbarkeit der Brenztraubensäure durch Hefen und Hefenpräparate legt den Gedanken nahe, ob nicht der Brenztraubeusäurezerfall doch in engerer Beziehung zur alkoholischen Zuckergärung stehe. Bedenkt man, daß die Brenztraubensäure ein kleineres Molekular- gewicht als die gärbaren Zucker besitzt, daß ferner die Zerfalls- gleichungen sich lediglich um 2 Wasserstoffatome unterscheiden: CHs . CO . COOH = CO-2 + CHs • COH (C.sH6O:0n = n COo + n CH3 • CH,OH, so läßt sich die Möglichkeit eines Zusammenhanges nicht ohne weiteres von der Hand weisen. Wir haben nun eine sehr große Anzahl von Versuchen ausgeführt, um die Gärung der Brenztraubensäure so zu leiten, daß statt Azet- aldehyd der um 2 Wasserstoffatome reichere Äthylalkohol entstünde. Zunächst hätte man daran denken können, daß die Hefe selbst eine Reduktion des Azetaldeliyds zu Äthylalkohol bewirken könne: denn ein solcher Vorgang ist ja in eindeutiger Weise durch den wichtigen Be- fund von C. J. Lintner und H. J. v. Liebig^) sichergestellt, welche die Hydrierung von Furfurol zu Eurfuralkohol auch durch nicht- arbeitende lebende Hefe ausgeführt haben: C, H:; . COH Gl Hh . CH. OH . Bei der Vergärung von Brenztraubensäure allein haben wir jedoch bisher keinen Alkohol beobachten können. Wohl aber haben wir An- haltsi)nnkte dafür gewonnen, daß bei Gegenwart von Zucker eine solche Reduktion durch arbeitende Hefe möglich ist. Denn es entsteht deut- lich weniger Azetaldehyd als der verschwundenen Brenztraubensäure entspricht und als ohne Zugabe von Bohr- oder Traubenzucker ge- funden wird. Darin schien uns ein Hinweis gegeben, daß bei der normalen al- koholischen Gärung ein Körper auftritt, der Brenztraubensäure bezw. Azetaldehyd zu Äthylalkohol reduzieren kann. Der nächstliegende Gedanke war, in der Ameisensäure diese Sub- stanz zu suchen, im Anschluß an die Schadesche Theorie, nach der ja Azetaldehyd plus Ameisensäure — zerfallener Milchsäure entstammend — ^) C. .1. Lintner und H. .T. v. Liebig, Zeitschr. f. phys. Chem. 72, 449, 1911. Entsteht bei zuckerl'reien Hefegärungen Äthylalkohol? WJ Zwischenprodukte der alkoholischen Gärung sein und sich zu CO2 und Äthylalkohol umsetzen sollen CH3 • COH + H . COOK := CO, + C,H5 • OH. Eine entsprechende gegenseitige Oxydation und Reduktion nimmt auch F. Ehrlich^) in seinem Schema für den Zerfall der Amino- säuren an. Es ist nun Ameisensäure wiederholt bei Gärungen be- obachtet, und Duclaux-), A. Maassen^), Ehrlich^), Neuberg und Tir^) sowie namentlich H. F ranzen^) haben Beweise für die Angreif- barkeit der Formiate durch Hefe und andere Mikroorganismen erbracht, ohne daß jedoch die Natur der aus der Ameisensäure gebildeten Pro- dukte sicher ermittelt wäre. Trotz vieler darauf gerichteter Versuche ist es uns jedoch nicht ge- lungen, Äthylalkohol nachzuweisen, wenn Brenztraubensäure bei Gegen- wart von Ameisensäure mit Hefe in Berührung l)lieb. Die Versuche wurden in mannigfacher Weise variiert. Es kamen Brenztraubensäure, brenztraubensaures Kalium, Ameisensäure, Kaliumformiat und Ammonium- formiat in allen denkbaren Kombinationen zur Anwendung; von Hefen wurden verschiedene Rassen namentlich Rasse M und XII des Instituts für Gärungsgewerbe in Berlin benutzt. Während freie Ameisensäure die Gärung überhaupt unterdrückte bezw. sehr stark herabsetzte, störten die Formiate weniger. Es entstand jedoch nur Azetaldehyd, neben welchem kein Äthylalkohol nachweisbar war. Fehl schlugen auch die Versuche, den fertigen Azetaldehyd durch die Hefe mittels Formiaten zu reduzieren. Den Azetaldehyd wandten wir in Form von Aldehydammoniak an. Soweit überhaupt COs-Ent- wicklung eintrat, war sie gering, und Alkohol war nicht zu erkennen. Die Versuche sind bisher ebenso negativ ausgefallen, wie die von Buchner und Meisenheimer^) mit dem Äthylidenoxyformiat OH CH3 - CH _ ^^ ;^jj^ In weiteren Versuchen wurde auf andere Substanzen gefahndet, welche die Gärung der Brenztraubensäure zu modifizieren und zum Äthvlalkohol zu leiten vermöchten. *) F. Ehrlich, Biochem. Zeitschr. 1 und 2, 1906. 2) Duclaux, Ann. de linst. Pasteur 6, 593, 1892. ') A. Maasseu, Arb. aus dem Kaiserl. Gesundheitsamt 12, 340, 1896. *) F. Ehrlich, Biochem. Zeitschr. 18, 421, 1909. ^) C. Neuberg und L. Tir, Biochem. Zeitschr. 32, 323, 1911. *) H. Franzen und G. Greve, Zeitschr. f. physiol. Chem. 70, 19, 1910. ') E. Buchaer und J. Meisenheimer, Ber. 4S, 1794, 1910. 11g Carl Neuberg und Johannes Kerb, Der Breuztraubenalkohol, au den mau im Zusammeuhaug- mit der Canuizaro sehen Umlageruug- am ehesten denken muß, hat sich in den erforderlichen Quantitäten noch nicht beschaffen lassen. Wir wandten unsere Aufmerksamkeit zunächst dem Glyzerin zu. Dabei leiteten uns folgende Gesichtspunkte. Glyzerin tritt als Nebenprodukt bei jeder normalen Gärung- auf und wird andererseits auch durch bestimmte Hefen leidlich angegriffen^), namentlich in Verbindung mit Phosphorsäure, als Glyzerinphosphorsäure ^). Überdies steht Glyzerin in naher Beziehung zum Breuztraubenalkohol (Azetol), der ein Anhydrid des Glyzerins darstellt: CH2OH.OHOH.CH.2OH— H2O = CH, : C(OH) • CH2OH, und man kann sich ohne Schwierig^keit auch vorstellen, daß Glyzerin bei einer etwaigen Canuizaro -Umlageruug des Methylglyoxals durch Hefe direkt aufträte : 9 ( ^H - ( YOH^ C( )H -i- 9 H O ^ ^^' = ^^^^^ " ^^^^^^ 2CH, - M0H)-U)H + 2H,0^^^^^^jj_^jj.^jj_^,j^^^^^ Es zeigte sich nun sofort, daß Glyzerin die Vergärung von Brenz- traubensäure in keiner Weise behindert, daß ein Überschuß von Glyzerin die Bildung von Azetaldehyd zwar nicht völlig aufhob, so doch wesent- lich zu vermindern imstande war. Der abw^eichende Geruch der De- stillate verriet auch irgend einen Einfluß des Glyzerins auf den Ablauf der Gärungen. Wir übergehen alle Versuche im kleinen, die wir zur Klärung der Frage vorgenommen haben, und beschreiben lediglich die Hauptversuche. A. 200 g wasserfreies Glyzerin wurden in 20 Litern Leitungswasser gelöst und mit 4,5 kg Hefe M^) versetzt. Zu diesem Gemische floß aus einem Tropftrichter eine Lösung von 200 g reinster Brenztraubensäure in 1 [jiter Wasser in einem solchen Tempo, daß das Eintropfen in 24 Stunden l)eendet war. Diese Versuchsausführung wurde gewählt, um die Hefe nicht unnötig mit der ganzen Menge unangegriffener Brenz- traubensäure in Berührung zu bringen. Denn wenn die Hefe auch gegen Brenztraubensäure relativ unempfindlich ist, so erfährt sie doch eine gewisse Schwächung, die gerade für den gedachten Zw^eck uner- wünscht ist. ») C. Neuberg und L. Tir, Biodiem. Zeitschr. 32, 323, 1911. 2) C. Neuberg uad L. Karezag, Biochem. Zeitschr. 36, (U, 1911. ^) Die Hefe ist uns vom Institut für (Tärungsgewerbe in Berlin in treff- licher Qualität freundlichst zur Verfügung gestellt worden. Entsteht bei zuckerfreien Hefegärungen Äthylalkohol? 1I9 Nach häufigem Umschüttehi des bei 20" gehaltenen Gärgutes wurde nach 72 Stunden abgehebert bezw. filtriert. Es wurden 20 kg fast klaren Filtrates gewonnen, von dem 1 kg zu verschiedenen Reaktionen diente. Das Filtrat gab mit Pheuylhydrazinazetat , mit Fehlingscher Mischung, mit Nitroprussidnatrium plus Kalilauge bezw. plus Diäthyl- amin direkt keine Reaktion auf Brenztraubensäure sowie auf Azetaldehyd. Die 19 kg wurden alsdann aus einer großen Kupferblase ab- destilliert, wobei eVs Liter aufgefangen wurden. In dem also zunächst auf Vs eingeengten Destillate trat nunmehr eine schwache Azetaldehyd- reaktion auf. Durch systematische Destillationen wurden die flüchtigen Gärprodukte schließlich auf 750 ccm gebracht. Da der Flüssigkeit, die auch Aldehyd enthielt, ein scharfer Geruch anhaftete, wurde sie mit 100 g Stangenkali und 50 g Natriumsulfit versetzt und 24 Stunden mit diesen Reagentieu im verschlossenen Gefäße stehen gelassen. Die Flüssigkeit färl)te sich dabei gelb (Bildung von Aldehydharz) und lieferte bei erneuter Destillation 250 ccm genau 30 proz. Alkohols = 75 g Al- kohol. Derselbe war nunmehr frei von Aldehyd und völlig rein. Dieses scheinbar günstige Resultat veraulaßte uns zu einem zweiten Versuche, wobei wir zur Kontrolle die gleiche Menge derselben Hefe allein mit Wasser ansetzten. Denn bei den großen angewandten Quanti- täten Hefe war eine Bildung von Alkohol durch Selbstgärung, d. h, hauptsächlich durch eine Glykogenverzuckerung, durchaus in Betracht zu ziehen. Wir fanden bei dieser Gelegenheit, was meistens nicht beachtet wird, daß Preßhefe auch präformierten Alkohol direkt eingeschlossen enthalten kann. B. «) 209 g Glyzerin in 20 Litern Leitungswasser, 200 g Brenz- traubensäure in 1 Liter Leitungswasser wurden genau in der sub A angegebenen Weise mit 4,5 kg Hefe M vergoren, filtriert; 19 Liter wurden dann destilliert, gereinigt und schließlich auf 250 ccm gebracht. Diese stellten dann 36 proz, Alkohol dar. Die genaue pyknometrische Bestimmung ergab 90,0 g abs. Alkohol. ß) Zur Kontrolle wurden 21 Liter Leitungswasser mit 4,5 kg der- selben Hefe 3 Tage lang gleichzeitig vergoren. Die Aufarbeitung von 19 Litern Filtrat ergab 250 ccm 15 proz. Sprit; pyknometrisch wurden 38,0 g abs. Alkohol eimittelt. /) Die direkte Destillation von 500 g Hefe M mit 3 Litern Wasser und sytematische Konzentration der Destillate führte schließlich zu einem Gehalt von 4,0 g abs, Alkohol. 120 Carl Neuberg und .lohanncs Kerl», Entsteht bei zuckerfreien usw. Diese Daten lehren, daß die Preßliefe etwa 0,8 "/o ihres Gewichtes an Alkohol einschloß, daß 4,5 kg Hefe ung-efähi- die Menge des prä- formierten Alkohols lieferten und daß im Brenztraubensänreversuch ein deutliches Plus an Alkohol erhalten Avorden ist. Trotzdem wagen wir nicht, diesen Melirgehalt mit Bestimmtheit auf eine Alkohollnldung aus Brenztraubensäure und Glyzerin , etwa im Sinne der Gleichung: CRiO, + C^HsOs = 2C0o + 2C0H5OH, zu beziehen. Es ist nicht möglich gewiesen, eine sichere Entscheidung durch Abänderung der Versuchsbedingungen zu erreichen, insbesondere war eine Verringerung der Hefenmenge nicht angängig. Glykogenfreie Hefe ist aber nicht gärkräftig genug. Die mitgeteilten Versuche tun also nur die Möglichkeit dar, die Brenztraubensäuregärung mit der Vergärung des Zuckers experimentell zu verknüpfen. Es dürfte nun aber einen Weg der sicheren Entscheidung geben, den wir jedoch erst im nächsten Winter beschreiten können. Es ist das die Verwendung des Hefemazerationssaftes nach A. v. Lebedeff^). Wir können die Angaben dieses Forschers durchaus bestätigen, nach denen der richtig dargestellte Saft kein Glykogen enthält und keine Selbstgärung aufweist. Da überdies auch die verwendete Hefe zuvor längere Zeit (2 Tage) Ijei 35" getrocknet wird, ist sie von anhaftendem Alkohol liefreit. Wie zuvor erwähnt, vergärt dieser Mazerationssaft die Brenztraultensäure; allein wegen der eiweißfällenden Wirkung der freien Brenztraubensäure-) kann man nur den Saft bestimmter Hefen, der nicht sehr eiweißreich ist, benutzen und l)en()tigt ihn auch dann noch literweise. Solche große Quantitäten sind ohne Gefährdung seiner Wirk- samkeit nur im Winter zu beschaffen. Mit diesem Lebedeff-Saft hoffen wir die Frage der Alkoholbildung aus Brenztraubensäure dann völlig entscheiden zu können. ') A. V. Lebedeff. Zeitscbr. f. pliysiol. Chem. 73, 447, 1911. -) Brenztraubensäure Salze sind nicht anwendbar. Die Alkalisalze fällen zwar Hefemazerationssaft uicht, werden durch die Karboxylase jedoch unter Bildung von Aldol vergoren. Letzteres geht wohl sekundär infolge gleichzeitiger Entstehung von Alkali- karbonat aus Azetaldehyd hervor, ist aber natürlich nicht mehr zu Alkohol reduzierbar. 2 CH3 . CO • COOK + H^O = 2 CH3 . COH + CO^ + K^CO, 2CH3.CHO = CHg.CHOH-CHo-CHO Die enzymatische Natur der Harnsäure- und Hippursäure-Gärung. 1. Mitteilung. Von Alexander Kossowicz. In einer früheren Arbeit konnte von mir^) nachgewiesen werden, daß zahlreiche Pilze zur Zersetzung von Harnsäure und von Hippursäure befähigt sind, und diese Säuren als alleinige Stickstoffquelle ausnutzen. Zu gleichen Resultaten kam 0. Hagem-) bezüglich einer Anzahl von ihm daraufhin geprüfter Mucorineen. Dox-^) hat eine Spaltung der Hippursäure durch ein Azetondauerpräparat von Penicillium camem- berti erzielt. Es erschien mir nun von wissenschaftlichem Interesse, zu unter- suchen, inwieweit bei der durch Schimmelpilze bewirkten Harnsäure- und Hippursäure-Gärung enzymatische Vorgänge in Betracht kommen. Zu diesen Versuchen wählte ich die Pilze Aspergillus niger, für welchen schon Czapek'^) festgestellt hat, daß er Harnsäure zu assimi- lieren vermag, Mucor Boidin, Phytophthora infestans, Isaria farinosa, Botrytis bassiana und Cladosporium herbarum, welcher letztere Pilz, meiner Erfahrung nach, in harnsäurehaltigen Zuckerlösungen sehr gut gedeiht, während er in hippursäurehaltigen Zuckerlösuugen ^) Alexander Kossowicz, Zeitschrift f. Grärungsphysiologie, allg. landw. und techn. Mykologie, Bd. 1, 1912, S. 60. ^) Oskar Hagem, Untersuchungen über norwegische Mucorineen II. Videnskabs- Selskabets Skrifter, I. Math.-Nat. Kl. 1910, Nr. 4. 8) A. W. Dox, Eeferat im Centralbl. f. Bakt., II. Abt., Bd. 26, 1!)10, S. 675. Nach einer vor einigen Tagen erhaltenen Mitteilung des Herrn Prof. Dr. Lohnis, für die ich ihm auch an dieser Stelle bestens danke, ist in der mir nicht zugänglich ge- wesenen Originalarbeit (Journ. Biol. Chemistry, 6, 1909, S. 461 — 467) erwähnt, daß auch aus Pen. chrysogenum, Pen. brevicaule und Asp. niger gewonnene Enzyme (Dauerpräpai'ate '?) die Hippursäure in Benzoesäure und GlykokoU zerlegen. *) Friedrich Czapek, Nach 0. Hagem, Unters, über norwegische Mucorineen II, S. 54. ]^22 Alexander Kossowicz, auch uacJi ^^e^lauf größerer Zeiträume (4 bis 8 Woclien) so gut wie keine Entwicklung zeigt. Jeder der Pilze wurde zunächst in 500 ccm einer sterilisierten harnsäurehaltigen Zuckerlösung- von der Zusammensetzung 1000 com Leitungswasser, 4 g Harnsäure, 25 g Zucker (Handelsraffinade), 2,5 g K2HPO4 und 0,5 g MgS()4 durch ca. 4 Wochen bis zur kräftigen Ent- wicklung herangezüchtet, worauf die Zuchten in Schüttelflaschen, die sterile Glasperlen enthielten, durch ca. 3 bis 5 Stunden kräftig ge- schüttelt wurden, um dann durch Porzellanfilter (Berkefeldfilter) fil- triert zu werden. Es wurde eine Harnsäurenährlösung gewählt, weil darin, wie dies auch Hagem hervorhebt, die Ammoniakbildung eine geringe ist, ein Umstand, der für die Weiterverwendung des Filtrates von Bedeutung erscheint, indem er die Beurteilung der Wirkung des Filtrates erleichtert. Je 5 ccm der so erhaltenen sterilen Filtrate wurden in je 300 ccm einer sterilisierten Lösung von 3 g Harnsäure in 300 ccm destilliertem Wasser und in 300 ccm einer sterilisierten Lösung von 3 g Hippur- säure in 300 ccm destilliertem Wasser eingebracht. Die Harnsäure war zum großen Teil ungelöst geblieben. Unmittelbar nach dem Einbringen des Filtrates und darauffolgendem kräftigen Schütteln der Lösungen konnte weder in den Harnsäure- noch in den Hippursäurelösungen eine Ammoniakbildung mit dem Xeß 1er scheu Reagens nachgewiesen werden. Ebensowenig zeigten die Hippursäurelösungen einen Benzoesäuregehalt. Nach 24 stündiger Aufbewahrung dieser Versuchsgefäße und zweier Kontrollgefäße mit je 300 ccm Harnsäure- und je 300 ccm Hippursäure- lösung ohne Filtratzusatz und von Kontrollkolben mit reinem sterili- sierten Wasser und einem Zusatz der Filtrate der oben genannten Pilze bei ca. 20^ C, zeigten die mit dem Filtrat der Aspergillus-, Phy- tophthora-, Isaria-, Botrytis- und Mucorzucht beschickten Ver- suchskolben deutliche Ammoniakbildung, die in den Kontrollkolben nicht nachzuweisen war. In den Hippursäurelösungen mit dem Filtrat von Aspergillus, Phytophthora, Isaria, Botrytis und Mucor war auch etwas Benzoesäure nachweisbar. Ein anderes Bild ergaben die mit dem Filtrat von Cladosporium her bar um versehenen Versuchskolben: in der Harnsäurelösung war deutliche Ammoniakbildung festzustellen, in der Hippursäurelösung hingegen nicht, ebenso fehlte hier die Benzoe- säurebildung. Der Auimoniaknachweis geschah bei allen Untersuchungen in einer kleinen Vorprobe mit Hilfe des Neßler sehen Reagens und bei Eintritt der Reaktion durch Destillation in — Salzsäure und Rücktitra- 10 tion, die Benzoesäurebestimmung mit Hilfe von Bleiazetat. Die enzymatische Natur der Harnsäure- und Hippursäure-Gärung. 123 Die mit den Filtraten versehenen Harnsäurelösungen und Hippur- säurelösungen waren während der 24 Stunden vollkommen steril geblieben, wie sich daraus ergab, daß bei Übertragung mehrerer Tropfen dieser Lösungen mit sterilen Pipetten in sterile Nährböden (Bouillon-Gelatine, Bouillon-Agar, Würze-Agar, Molken- Agar, Bier- Agar, Apfelmost-Gelatine, harnsäure- und hippursäurehaltige mineralische Zuckerlösung, Kartoffel- Streifen) keinerlei Bakterien- oder Schimmelpilzentwicklung eintrat. Ein Niederschlag, der durch Zusatz von öOproz. Alkohol zum Asper- gillus-Filtrat erhalten wurde, rief beim Einbringen in eine Harnsäure- und eine ffippursäurelösung gleichfalls eine Zersetzung dieser Säuren, ein solcher aus dem Cladosporium- Eiltrat gewonnener, nur von Haru- säui'e unter Ammoniakbildung hervor. Meine Versuche ergaben demnach die nachfolgenden Resultate: 1. Die Harnsäure- und Hippursäuregärung durch Schim- melpilze erfolgt durch ein von diesen erzeugtes Enzym. 2. Das Enzym der Harnsäuregärung ist von dem der Hip- pursäuregärung verschieden. 3. Für Aspergillus niger wird von vielen Forschern^) die Fähig- keit zur Assimilation des freien Luftstickstoffs behauptet. Bei Züchtung des Pilzes in harnsäure- oder hippursäurehaltigen Nährlösungen hat man also bei der Beurteilung der Assimilationsfähigkeit dieser Verbindungen mit einer sehr zu beachtenden Fehlerquelle zu rechneu. Durch die vor- liegenden Versuche mit dem Filtrat der Pilzkultur und dem durch Al- kohol-Fällung erhaltenen Enzym -Niederschlage wurde nun tatsächlich nachgewiesen, daß Aspergillus niger zur Zersetzung von Harnsäure und Hippursäure unter Ammoniakbildung befähigt erscheint. Weitere Untersuchungen über die Jüigenschaften dieser beiden En- zyme werden folgen. Schell mann-) hat harnsäure- und hippursäurezersetzende Bakterien aufgefunden, die nur die eine dieser Säuren, nicht aber die andere zu zersetzen vermögen; Untersuchungen über die Enzymwirkung derartiger Bakterien auf Harnsäure und Hippursäure wird eine zweite Mitteilung bringen. ^) Die Literaturnachweise findet der Leser in meiner kürzlich erschienenen „Ein- führung in die Agrikulturmykologie I. Teil, Bodenbakteriologie", Berlin 1912. ^) W. Schellmann, Über hippursäurezersetzende Bakterien. Dissert. Göttingeu, 1902. Zcitschr. f. Garungsphysiolog-ie. Bd. I. über das Verhalten einiger Schimmelpilze zu Kalkstickstoff. You Alexander Kossowicz. Über die Zersetzung von Kalkstickstoff und seiner Abbau- und Umsetzung-sprodukte durch Mikroorganismen liegen wohl schon einige Untersuchungen vor^); die diesbezüglichen Befunde verschiedener Forscher zeigen aber so große Widersprüche, daß weitere Untersuchungen auf diesem Gebiete wohl geboten erscheinen. Dazu kommt noch der weitere Umstand , daß in den bisherigen Forschungen fast ausschließlich die Spaltpilze (Bakterien) allein berücksichtigt wurden. Meine Versuche gingen dahin, festzustellen, wie sich eine Anzahl reingezüchteter, häufig vorkommender Schimmelpilze zu mineralischen Zuckerlösungen verhält, die von den selir geringen Verunreinigungen der Handelsraffinade abgesehen, nur Kalkstickstoff als Stickstoffquelle ent- halten. Die nach einigen Vorversuchen gewählte Nährhisung bestand aus 1000 ccm Leitungswasser, 25 g Handelsraffinade, 2,5 g K2HPO4, 0,5 g MgSOi, 5 g Weinsäure und lg Kalkstickstoff. Um eine, wenn auch noch so geringfügige, Zersetzung des Kalkstickstoffs durch die Sterilisation zu vermeiden, wurde die Nährlösung zunächst mit Aus- lassung des Kalkstickstoffs in kleine Erlenmeyerkölbchen gefüllt und durch Hitze sterilisiert. Der nicht sterilisierte Kalkstickstoff wurde den je 100 ccm der Nährlösung enthaltenden Erlenmeyerkölbchen getrennt zugewogen. Um eine Bakterienentwicklung infolge der Hinzufügung des unsterilisierten Kalkstickstoffs in der Nährlösung einigermaßen zu unterdrücken, hatte die Nährlösung den früher erwähnten Weinsäure- zusatz erhalten. Eine Reihe von Kölbchen wurde nun zur Kontrolle in diesem Zustande belassen. Auch nach Verlauf von zwei Monaten war in ihnen keine Organismeuentwicklung zu bemerken. Es sei erwähnt, daß der Kalkstickstoff vor seiner Verwendung ungefähr zehn Wochen ') Eine Zusammenstelhmg der einschlägigen Literatur findet der Leser in meiner kürzlich erschienenen „Einführung in die Argrikuliurmykologie, I. Teil: Boden- bakteriologie", Berlin, 1912. Alexander Kossowicz, Über das Verhalten einiger Schimmelpilze usw. 125 wohlversclilossen in eineiii mit Glasstöpsel versehenen Glasgefäße auf- bewahrt worden war, die Wägimg in sterilisierten Wägefläschchen vor- genommen, und eine Außeninfektion bei dem Einbringen des Kalkstick- stoffs in die Nährlösung tunlichst vermieden wurde. Die unbeimpfte Kalkstickstoff lösuug zeigte keine Ammoniakreaktion. Unmittelbar nach dem Zusätze des Kalkstickstoffs fand die Beimpfung der hierzu bestimmten Kölbchen mit den Pilzen statt, und zwar wurden von jedem vorher auf in Eprouvetten befindlichen sterilen Kartoffelstreifen gezüchteten Pilze zwei Kulturen angelegt. Zur Kontrolle wurde auch jeder der Pilze in je ein Erlenmeyerkölbchen eingebracht, das 100 ccm der oben erwähnten Nährlösung enthielt, in der aber der Kalkstickstoff durch 4 g Ammoniumchlorid, in einer zweiten Versuchsserie durch 2 g Asparagin ersetzt war. In diesen Kontroll- nährlösuugen kamen schon innerhalb der ersten Versuchswoche alle unten angeführten Pilze zur Entwicklung. Zu meinen Versuchen wurden die nachfolgenden Pilze herangezogen: Botrytis bassiana, Penicillium crustaceum, Mucor Boidin, Cladosporium herbarum, Phytophthora infestans, Penicillium brevicaule, Aspergillus glaucus, Aspergillus niger, Isaria farinosa und ein Fusisporium. Die Zuchten wurden bei ca. 20'' C gehalten. Von den ebengenaunten Pilzen kamen während einer Versuchsdauer von drei Monaten nur drei zur Entwicklung, Phytophthora infestans, die in der Nährlösung, die ursprünglich (nach Zusatz des Kalkstickstoffs) eine schwach saure Beaktion zeigte, kräftige Ammoniakbildung hervor- rief, Botrytis bassiana und Mucor Boidin. In den Zuchten der beiden letztgenannten Pilze war mit Nesslerschem Reagens keine Ammoniakbildung nachweisbar. Mucor Boidin wuchs untergetaucht, zur Bildung von Sporangien kam es während der dreimonatlichen Versuchsdauer nicht. Der Kalkstickstoff zeigte auch insofern eine Giftwirkung, als die Entwicklung der aufgezählten zehn Pilze in einer mineralischen Zucker- lösung, die neben Ammoniumchlorid (4 g auf 1000 ccm Leitungswasser) auch Kalkstickstoff (1 g auf 1000 ccm Leitungswasser) enthielt, sich als wesentlich langsamer und unbefriedigender erwies, als in einer solchen, in der nur Ammoniumchlorid vorhanden war. Dieser Umstand fiel ganz besonders bei den Pilzen Aspergillus niger und (Uadosporium herbarum auf. 9* Studien über Nectriaceen. (I. Mitteilung.) Von Josef Weese, Assistent der botanischen Lehrkanzel an der k. k. Technischen Hochschule iu Wien. (Mit 4 Textfiguren). I. Über die von A. Osterwalder aufgefundene neue, auf kranken Himbeerwurzeln auftretende Nectria. A. Osterwalder \) fielen im letzten Sommer im Himbeerquartier der Schweizerischen Versuchsanstalt für (3bst-, Wein- und Gartenbau in Wädenswil eine Reihe Himbeerpflanzen der Sorte .,Baumforths Säm- ling" durch spärliches Wachstum der Fruchttriebe auf. Triebe und Blätter zeigten keinerlei Krankheit, erst das Ausgraben der Wurzeln brachte den Erreger dieser Wachstumshemmung in Form einer Fusarium-Art aus Licht. Osterwalder übertrug sodann eine Anzahl erkrankter Wurzeln in die feuchte Kammer und bemerkte hier, wie aus den weiß und grün gefärbten vSporodochien des Pilzes eine Nectria hervorwuchs, die er, da ein Vergleich mit den bereits bekannten Spezies dieser Gattung eine Identifizierung nicht ermöglichte, als eine neue Art unter dem Namen Nectria Rubi beschrieb. Wer aber weiß, welche Verwirrung in der Gattung Nectria herrscht und wie wenig man sich auf die meisten Eiuzelbeschreibungen und auf \äele ausgegebene Exsikkate verlassen kann, und wem bekannt ist, daß sogar einheimische, leicht kenntliche und häufig auftretende Arten, wie z. B. die Nectria Peziza (Tode) Fr., wiederholt und auch manchmal sogar von ein und demselben Autor als neu beschrieben wurden, der verhält sich einer neu aufgestellten Art gegenüber ziemlich skeptisch. So ging es auch mir bei der Nectria Rubi Osterw. Da aber ohne *) Osterwalder, Über eine neue auf kranken Himbeerwurzeln vorkommende Nectria und die dazu gehörige Fusarium-Generation. (Berichte der Deutschen Botanisch. Gesellsch., 29. Bd., Dezemb. 1911, S. 611—622, Tafel XXII.) Josef Weese, Studien über Ncctriaceen. X27 ofi'ündliches Stiulium eines Originalexemplars sich über eine Nectria nichts Sicheres aussagen läßt, so wendete ich mich an Herrn Dr. Oster- walder mit der Bitte, mir zum Zwecke der Eevision einige Perithezien seines neuen Pilzes zu überlassen, welcher Bitte Herr Dr. Oster walder in bereitwilligster und freigebigster Weise nachgekommen ist, wofür ich ihm auch an dieser Stelle nochmals bestens danke. Bei der ersten flüchtigen Lupenbetrachtung erinnerte der Pilz au alte Perithezien von Nectria galligena Bresad.^) — dem Krebserreger verschiedener Bäume — die im Alter auch oft eine Art dunklerer Mündungsscheibe besitzen. Die mikroskopische Untersuchung zeigte mir aber gleich, daß dieser Pilz mit der Nectria galligena Bresad. nichts zu tun ha])e. Für die Auffindung der verwandtschaftlichen Beziehungen einer Nectria ist nämlich vor allem der Aufbau der Perithezieumembran wichtig. Das Vorkommen eines Stromas oder eines Subikulums hat, wie uns ja v. Höhnel''^) schon früher gezeigt, nicht jenen systematischen Wert, der ihm bisher beigemessen wurde, und am wenigsten in dem Sinne, daß darauf Sektionen der Gattung oder gar, wie es Fred J. Seaver^) bei Creonectria getan hat, neue Gattungen basiert werden können. Es kann nämlich ein und derselbe Pilz mit oder ohne Stroma auftreten und zwar auf ein und demselben Rindenstück, so daß es wohl schwer sein wird, die physiologischen Bedingungen herauszufinden, unter denen ein Pilz ein Stromagevvebe entwickelt und unter denen die Ausbildung eines solchen unterbleibt. Durch Theissen"^) wurden auch die Beobachtungen v. Höhnels bestätigt und zwar bei einer Art, Nectria orchidearum Theissen, die sogar in den Formenkreis desselben Pilzes gehört, durch den auch V. Höhnel^) in seiner bereits vertretenen Ansicht noch bestärkt wurde. Der andere von Theissen als Beweis für seine Anschauung angeführte Pilz Nectria innata Theiss. ist allerdings nach dem mir vom Autor ^) P. Strasser, Pilzflora des Sonntagsberges (Nieder-Östevreich) IV. (Verhand- lungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien, 1901, S. 41.'3). ^) V. Höhjiel, Fragmente zur Mykologie, VI. Mittig., gleichzeitig 2. Mitteilung über die Ergebnisse der mit Unterstützung der Kaiserl. Akademie 1907 — 1908 von ihm ausgeführten Forschungsreise nach Java. (Sitzungsberichte der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, mathem.-naturw. Klasse, Bd. CXVIII, Abteilung I, 1909, S. 298.) ") Seaver, The Hyijocreales of North America (Mycologia, Bd. 1, 1909, S. 183). *) Theissen, Die Hypocreaceen von Rio Grande de Sul, Südbrasilien (Annales Mycologici, Bd. 9, 1911, S. 45). *) V. Höhnel, Fragmente der Mykologie, IX. Mittig. (Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wien, raath.-naturw. KL, Bd. CXVIII, Abtlg. T, 1909, S. 12—13). 128 Josef Weese, giltig:st übersaudten Originalexeiiiplar keine Net'tria\), sondern eine Endotliia oder Myrmaeciella und identisch mit Mj^rmaeciella Hoehneliana Rick. (Annales Mycologiei, Bd. YIII, 1910, S. 456, Taf. VI, Fig. 55.) Bei Nectria ditissima Tul. fand v. Höhnel"), daß sie auf Rinde mit Stroma und auf bloßem Holz meist ohne Stroma aufzufinden sei. Eine Neueinteilung der Gattung Nectria wird sich daher vor allem auf den Bau der Perithezien und die Beschaffenheit ihres Inhaltes zu gründen haben. Nach der Gehäusewandung erwies sich die Nectria Rubi Osterw. als vollständig mit der Nectria mammoidea Phil, et Plowr. (Grevillea, 3. Bd., 1875, S. 126, Taf. 42, Fig. 5) übereinstimmend. Die Perithezien des letztgenannten Pilzes sind durch ihren deutlichen Diskus, durch ihre Leder- oder Pergamentartigkeit und ihren feineren Aufbau so charak- teristisch, daß es leicht ist, verwandte Organismen als solche zu er- kennen. Durch das bloße Zerdrücken der Perithezien bei der mikro- skopischen Betrachtung w^irde man allerdings bei der Nectria Rubi Osterw. eine ganz falsche Vorstellung von der Zusammensetzung ihrer Wandung bekommen. Genaue und dünne Medianschnitte sind die un- erläßliche Vorbedingung für das Studium einer Nectria. Die Perithezienwandung von Nectria Rubi Osterw. und Nectria mammoidea Phil, et Plowr. schwankt in ihrer Dicke je nach dem Alter und je nach der Größe der Gehäuse zwischen 45 — 70 (.i und zeigt gewöhnlich 3 deutlich voneinander geschiedene Schichten. Die äußerste, leicht ablösbare und daher nicht immer zu beobachtende Schichte besteht gewöhnlich aus einer Lage, seltener aus zwei Lagen flach-ellipsoidischer, seltener kugeliger. 10 — 30 // großer, mäßig zartwandiger Zellen, deren Außenwand hj'alin ist, während die Innenwand seltener farblos ist, da sie gewöhnlich schon der nächsten, mächtiger ausgebildeten, braunen Schichte angehört. Die braune, netzförmig zwischen die äußerste Zellenwandung vorspringende, plektenchymatische oder undeutlich zellige Wandschicht schwankt in ihrer Dicke zwischen 30 und 45 // und Avird von dickwandigen, braunen, senkrecht zur Oberfläche gerichteten, parallel gelagerten Hyphen gebildet. Gegen die Innenseite und gegen die Basis ^) V. Hüluiel und Weese J., Zur Synonymie der Nectriaceen (2. vorläufige Mit- teilung), Annales Mycologiei, Bd. 9, 1911, S. 423). ^) V, Höhnel, Fragmente zur Mykologie, VI. Mittig., gleichzeitig 2. Mitteilung über die Ergebnisse der mit Unterstützung der Kaiserl. Akademie 1907 — 1908 von ihm ausgeführten Forschungsreise nach .Java. (Sitzungsberichte der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, mathem.-naturw. Klasse, Bd. CXVIII, Abt. I, 1909, S. 298.) Studien über Xectriaceen. J29 werden gewöhnlich die Zellen etwas deutlicher und größer. Die innerste Schichte wird aus einer Anzahl Lagen flach gedrückter, zartwandiger bis manchmal fast derbwandiger, meist undeutlicher, hyaliner Zellen auf- gebaut. Bei den alten, überreifen Originalexemplaren (auf Ulex, North Wotton, England 1874) aus dem Herbarium in Kew ist die innerste Schichte braun und beinahe kompakt geworden, so daß der zellige Auf- bau fast nicht mehr zu erkennen ist. Die äußerste Zellenlage ist ge- wöhnlich nicht am ganzen Perithezium gleichmäßig ausgebildet und meistens gegen die Basis am deutlichsten zu sehen. Wie schon bereits gesagt wurde, k()nnen sich diese hyalinen und zartwandigen Zellen leicht ablösen, so daß dann ein Mediauschnitt durch das Fehlen dieser Schichte eine stachelige, gekerbte Außenkontur zeigt. Bei der mikroskopischen Betrachtung der zerdrückten Perithezien täuschen die Außenzellen einen deutlichen, parenchymatischen Aufbau vor, der sich natürlich bei Betrachtung von Medianschnitten als ein gründlicher Irr- tum erweist. Es stimmt aber nicht nur die Struktur der Gehäusewandung bei Nectria Bubi Osterw. und Nectria mammoidea Phil, et Plowr. über- ein, sondern die Perithezien dieser beiden Pilze zeigen auch gleiche Größe, gleiche Form und oben die gleiche, dunklere Mündungsscheibe. In den Sporen zeigt sich zwar zwischen beiden Organismen ein kleiner Unterschied, da nämlich nach meinen Untersuchungen des Original- exemplares die von Nectria mammoidea 18 — 22 // in der Länge und 6 — 7 // in der Breite messen, während die von Nectria Rubi nach den Angaben des Autors 15,9 — 18, B // lang und nur 4,6 — 5,2 i( breit sein sollen. Nun habe ich aber bei einem von Otto Jaap in Glücksburg (Schleswig -Holstein) auf Eichenwurzeln gesammelten Exemplar von Nectria mammoidea Phil, et Plowr. gesehen, daß bei diesem Pilz auch die Sporen etwas kürzer und schmaler auftreten können. Da nun auch die Aszi und die Anordnung der Sporen in den Aszi bei beiden genannten Pilzen gut tibereinstimmten, so ist es für mich ohne Zweifel, daß Nectria Rubi Osterw. als eigene Art nicht aufrecht erhalten werden kann^ sondern als eine Varietät von Nectria mammoidea Ph. et PI. anzusehen ist, die sich von der typischen Art durch etwas kleinere und schmälere Sporen unterscheidet. Osterwalder stellt seinen Pilz zu den Hyphonectrien, welcher Ansicht ich nicht zustimmen kann, weil ein kleines, festes Stroma vor- handen ist (Seaver stellt ja auch Nectria mammoidea in seine Gattung Creonectria) und von einer derartigen faserigen Unterlage, wie es die Zugehörigkeit zur Sektion Hyphonectria Sacc. erfordert, ]^30 Josef Weese, nichts zu finden ist. Damit will ich aber nicht gesagt haben, daß ich genannte Sektion als eine natürliche Entwicklnngsreihe betrachte, die bei einer Neueinteilung der Gattung Nectria aufrecht erhalten werden soll. Anfangs glaubte ich, daß die Nectria Kubi Osterw. mit der Nectria umbilicata P. Henn. (Hedwigia, 1902, S. 3) identisch sei, mit welch letztgenanntem Pilz auch die Nectria oculata v. Höhnel (Fragmente zur Mykologie, IX. Mittig., Nr. 418, Wien 1909) zusammen- fällt^). Die Sporengröße und Form würde recht gut übereinstimmen und auch die Struktur der Perithezien, die bei Nectria umbilicata P. Henn. ebenso charakteristisch ist wie bei Nectria mammoidea Ph. et. PI. Doch ein genauerer mikroskopischer Vergleich lehrte mich, daß bei Nectria umbilicata keine Spur von der äußeren, hyalinen Schichte zu bemerken ist, die für Nectria mammoidea und Nectria Eubi so kennzeichnend ist und deren augenblickliches, als auch ehe- maliges Vorhandensein bei diesen Pilzen immer nachgewiesen werden kann. Aus diesem Grunde betrachte ich die Nectria Rubi als eine Varietät von Nectria mammoidea, die ein gutes Bindeglied zwischen letztgenannter Art und der Nectria umbilicata darstellt. Ost er walder erinnerte sein neuer Pilz stark an die Nectria ditissima; doch meiner Überzeugung nach sind die Ähnlichkeiten zwischen diesen beiden Pilzen auch bei flüchtiger Betrachtung nicht sehr groß. In den Formenkreis der Nectria umbilicata P. Henn. gehört auch noch die Nectria polita Theiss. (Annales Mycologici, 9. Bd., 1911, S. 53, Taf. V, Fig. 21, VI, Fig. 56, 57). Theissen beschreibt zwar die Sporen als feinw^arzig und stellt den Pilz in die Sektion Cosmosporae — Theissen verteilt nämlich die Arten der Gattung Nectria nach der Beschaffenheit der Sporenmembran auf die drei Sektionen Leiosporae, Rhabdotosporae und Cosmosporae — doch mir gelang es trotz vieler Mühe nicht, die Rauliigkeit der Sporen an einem mir vom Autor übersandten Originalexemplar zu beobachten. Ich vermute, daß durch den Inhalt der Sporen die Rauhigkeit des Epi- sporiums vorgetäuscht wurde. Nach einem Originalexemplar aus dem Berliner königl. botanischen Museum (Herbar. Winter) stimmt Nectria leocarpoides Kalchbr. et Cooke (Grevillea, 1880, IX. Bd., S. 27) im Bau der Perithezien ganz ^) V. Höhuel F. und Weese J., Zur Synouymie in der Gattung Nectria (Annales Mycologici, 8. Bd., 1910, S. 467). Studien über Xectriaceen. 131 mit der Nectria umbilicata P. Henii. und Nectria oculata v. Höhn, überein. Leider ist der Pilz überreif, weshalb man keine sichere Yor- stellung- von der wahren Form der jetzt eingeschnürten Sporen bekommen kann. Doch die Größe der Sporen zeigt bei Nectria leocarpoides und Nectria umbilicata keinen deutlichen Unterschied. Es dürften sich also kaum durchgreifende Differenzen zwischen beiden Pilzen heraus- finden lassen und es ist höchst wahrscheinlich, daß die beiden Arten gänzlich zusammenfallen. Für mich ziemlich sicher ist es, daß Nectria polita Theiss. und Nectria leocarpoides Kalch. et Cke. identisch sind, denn diese beiden Pilze stimmen auch in ihren Sporen, soweit sie natürlich bei letzt- genannter Art im überreifen Zustand beobachtet wurden, vollständig überein. Bei Nectria leocarpoides Kalchbr. et Cooke hat man wirk- lich manchmal auch den Eindruck, als ob die Sporen feinwarzig wären, was ja Theissen bei Nectria polita Theiss. tatsächlich beschreibt. Mit Nectria mammoidea Phil, et Plowr. fällt nach der Unter- suchung eines Originalexemplars aus dem Berliner botanischen Museum Nectria nelumbicola P. Henn. (Verhandlungen des botanischen Vereins der Provinz Brandenburg, 40. Bd., 1898, Tafel II, Fig. 4) zusammen, welcher Pilz auf Rhizomen von Nelumbo luteum im Berliner botanischen Garten auftrat. Nectria discophora Fuckel non Moutagne in Fuckel, Fungi rheuan. Nr. 1581 auf alter, fauler und feucht liegender Rinde von AI uns glutinosa bei Weinheim gesammelt und von Winter^) auch augeführt, ist nichts anderes als Nectria mammoidea Phil. et. Plowr. Nectria discophora Moutagne (Prodromus Florae Fernandesianae etc., 1835, Nr. 42 und Sylloge, 1856, S. 224) zeigt einen ganz anderen Aufbau der Gehäusewandung wie Nectria mammoidea Phil, et Plowr. und besitzt schön längsgestreifte Sporen, wie ich an dem Pariser Origiualexemplar feststellen konnte. Nectria discophora Moutagne, die für Europa bis- her noch nicht bekannt ist, ist nach v. Höhn eis und meinen Unter- suchungen'-^) noch unter sechs verschiedenen Namen beschrieben worden und zwar als. Nectria Jungneri P. Hennings (Fungi camerunensis L, in Engler, Jahrb., XXII. Bd.. 1895, S. 75), Nectria eustoma Penzig et Saccardo (Malpighia, XL Bd., 1897, S. 509), Nectria cinereo-papil- *) Winter, Die Pilze in Eabenhorsts Kryptogamen-Flora von Deutsehland, Öster- reich und der Schweiz, 1. Bd., II. Abteilung, S. 116. -) ¥. V. Höhnel und J. Weese, Zur Synonymie in der (Tattunu- Nectria (Annales -Mycologici, 8. Bd., 1910, S. 464 — 468); Zur Synunyuiie der Nectriaceen (Zweite vorläufige Mitteilung in Annales Mycologici, 9. Bd., 1911, S. 422—424). 132 Josef Weese, lata P. Hennings (Monsunia I, 1899, S. 161), Nectria striatospora A, Zimmermann (Zentralblatt für Bakteriologie und Parasitenkunde, 2. Abtlg., 1901, S. 105, Fig-. 6), Nectria Huberiana P. Hennings (Hedwig-ia, 48. Bd., 1908, S. 104) und als Nectria Anacardii P. Hennings (Annales Mycologici, 6. Bd., 1908, S. 486). Paul Hennings allein hat also ein und denselben Pilz viermal hintereinander neu benannt. Da nach Theissen^) Nectria Huberiana P. Hennings mit Nectria capitata Bresadola (Hedwigia, 1896, -S. 299) identisch sein soll, so ist auch Nectria capitata Bresad. ein Synonym zu Nectria discophora Mont. und (wie die sechs früher aufgezählten Pilze) als selbständige Art aufzulassen. Eine genaue Beschreibung von Nectria discophora Mont. hat v. HöhneP) unter Nectria eustoma Penz. et Sacc. gegeben. 2. Zur Kenntnis des Erregers der Krebskrankheit an den Rotbuchen. Im verflossenen Jahre habe ich in einer kleinen Arbeit-^) darauf aufmerksam gemacht, daß nicht die Nectria ditissima Tulasne (1865) (identisch mit Nectria coccinea (Pers.) Fries, 1801), wie bisher nach Rob. Hartig"^) Rud. Göthe'') und AderhokP) behauptet wurde und in allen pflanzenpathologischen Werken zu lesen ist, die Ursache der Krebsbildungen an den Obst- und Laubholzbäumen sei, sondern eine ^) Theissen, Fragmenta brasilica, III. (Annales Mycologici, VIII. Bd., 1910 S. 460). -) V. Hölinel, Pragmente zur Mykologie, IX. Mitteilung, gleichzeitig ö. Mitteilung über die Ergebnisse der mit Unterstützung der Kaiscrl. Akademie 1907 — 1908 von ihm ausgeführten Forschungsreise nach Java. (Sitzungsberichte der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, matli.-naturw. Klasse, Abteilung I, 118. Bd., 1909, S. 1474). ^) Weese J., Zur Kenntnis des Erregers der Krebskrankheit an den Obst- und Laubholzbäumen. (Zeitschrift für das landwirtschaftliche Versuchswesen in Österreich, 1911, S. 872—885, 1. Tafel). *) H artig R., Der Krebspilz an Laubholzbäumen. (Untersuchungen aus dem forstbotanischen Institut zu München, I. Bd., 1880, S. 88); Die krebsartigen Krankheiten der Rotbuche (Zeitschrift für Forst- und .Jagdwesen, IX. Bd., 1878, S. .377—383). *) Göthe, Vorläufige Mitteilung über den Krebs der Apfelbäume (Rheinische Blätter für W^ein-, Obst- und Gartenbau, 1879, S. 87); Weitere Mitteilungen über den Krebs der Apfelbäume (Landwirtschaftliches Jahrbuch, IX., 1888, S. 837); Über den Krebs der Apfelbäume (Deutsche landwirtschaftliche Presse, VIII., 1882, S. öl7); Über den Krebs der Obstbäume, Berlin 1904 (P. Parey). ®) Aderliold, Impfversuche mit Nectria ditissima Tul. (Eine vorläuiige Mit- teilung im Zentralblatt für Bakteriologie und Parasitenkunde, 2. Abteilung, X. Bd> 1903, S. 7(53—766); Erwiderung (Zentral bl. f. Bakteriolog. u. Parasitenk., 2. Abt., XII. Bd., 1904, S. 639). Studien über Xectriaceen. I33 von diesem Pilz deutlich verschiedene Nectria- Art, die Nectria galligena Bresad. Die Uutersucliimg- des Pilzes auf Krebsstelleu von der Esche, der Hasel, vom Faulbaum und vom Apfelbaum hatte mich zu dieser Ansicht gebracht und durch die Bestimmung der auf einem Apfelbaumkrebs aus dem Versuchsmaterial Aderholds^) auftretenden Nectria hatte ich vollständige und endgültige Sicherheit in dieser Frage erlangt. Mit Rücksicht darauf, daß die Nectria galligena Bres. bisher auf Buchen noch nicht gefunden wurde und daß es mir niemals gelungen war, eine Nectria auf Buchenkrebs nachzuweisen und diese meine Be- obachtung auch von zwei hervorragenden Fachmännern auf pflanzen- pathologischem und mykologischem Gebiete bestätigt wurde, bemerkte ich damals, daß ich überzeugt sei,, daß der Buchenkrebs durch keine Nectria verursacht wird und am wenigsten durch die Nectria ditis- sima Tulasne. Daß letztgenannter Pilz für die Krebskrankheit au den Rotbuchen verantwortlich gemacht wurde, fand ich sehr leicht ver- ständlich, da ja dieser Pilz meistens auf Buchen auftritt und aus diesem Grunde ungerechtfertigterweise auch als Buchenkrebserreger an- gesehen wurde. Durch das Studium eines mir von Herrn königl. bayr. Forstamts- assessor Dr. Robert Münch gütigst übersandten Buchenkrebses ^) bin ich derzeit in der Lage, die in meiner Arbeit geäußerte Ansicht etwas zu korrigieren. Auf der mir vorgelegenen Krebsbildung war nämlich zu meiner großen Überraschung wirklich auf den Wulsträndern und in den Rissen der Rinde eine Nectria zu finden. Herr Dr. Münch teilte mir auch brieflich mit, daß er schon wiederholt Buchenkrebs mit den roten Nectria-Perithezien gesehen habe. Die Bestimmung des Pilzes ergab, daß es auch hier wie bei den aufgezählten Bäumen die Nectria galligena Bres. sei, die diese Krankheit hervorrufe. Daß die von mir früher besichtigten Buchenkrebse keine Perithezien zeigten, mag vielleicht darin seinen Grund haben, daß die Krebsstücke zu einer Zeit gesammelt ^) Durch die Freundlichkeit des Herrn Regierungsrates Dr. Appel erhielt ich nämlich von der Direktion der kaiserlichen biologischen Anstalt für Land und Forst- wirtschaft in Dahlem-Steglitz bei Berlin einen Apfelkrebs, den Geheimrat Dr. Ader- hold durch Impfung mit den Konidien der vermeintlichen Nectria ditissima Tul. er- zeugt hatte. ^) Herr Dr. E,ob. Münch schickte mir später noch eine Anzahl Krebsbildungen auf Rotbuche, die bezüglich des Erregers ganz mit dem hier erwähnten Krebsstück übereinstimmten. An einzelnen Wuudstellen konnte ich auch neben dem Pilz die Buchen-Wollschildlaus beobachten. 134 .1 osef Weese, wurden, in der der Pilz keine Perithezien ausg-ebildet hatte ^), oder daß die betreffenden Krebsbildnng-en zufällig durch keinen Pilz verursacht waren. Die Unterscheidung- von Nectria coccinea (Pers.) Fr. (= Nectria ditissima Tul.) und Nectria galligena Bres. ist auf Grund der Peri- thezienwandstruktur, die man allerdings an Schnitten studieren muß, und auf Gruiul der Sporen sicher durchzuführen. Näheres ist darüber in meiner Arbeit"-) vom Vorjahre zu finden. Durch den Befund, daß die Nectria galligena Bres. auch auf Buchen einen Krebs erzeuge, ist selbstverständlich meine Ansicht, daß Nectria ditissima kein krebsbildender Pilz sei, nicht erschüttert, sondern geradezu noch gefestigt worden. Einen Beweis für die Richtigkeit meiner Anschauung betreffs der Nectria galligena Bres. bietet auch ein erst kürzlich ausgegebenes Exsikkat dieses Pilzes. Nr. 508 von Otto Jaap, Fungi selecti exsiccati zeigt nämlich genannten Pilz, der richtig be- stimmt ist, auf Zweigen von Fraxinus excel- sior L. auftretend und hier Krebsstellen ver- ursachend, wie aus der beigegebenen Ab- bildung Fig. 1 deutlich zu ersehen ist. Durch die Verwechslung von Nectria ditissima Tul. und Nectria galligena Bres. sind so manche Widersprüche in der Literatur über die Morphologie und Biologie dieser Pilze entstanden. Zur Beseitigung dieser Verwirrung ist es jetzt vor allem notwendig, die Pilze, mit denen experimentelle Untersuchungen vorge- nommen wurden, uachzubestimmen, um sicher zu erfahren, mit welchem von diesen beiden biologisch und morpho- logisch verschiedenen Pilzen operiert wurde. Natürlich werden auf diese Weise auch nicht alle Widersprüche beseitigt werden und be- sonders die betreffs der Krankheitsempfänglichkeit der Bäume diesen Fig. 1. Krebswunde an cineiii Zweig von Fraxiuus exelsior L. (Eschelnirg bei Bergedorf, Schleswig-Holstein, 30. IV. 1911, leg. Otto .Jaap.) Rinde und Rolz der Krebsstelle sind mit Perithezien von Nectria galligena Bres. be- setzt. Natürl. Größe. ^) Die Perithezien scheinen meist nur im Herbst und Winter zu linden zu sein^ während sie im späten Frülijahr srhon seltener und schwerer zu beobachten sind. ^) Weese J., Zur Kenntnis des Erregers der Krebskrankheit an den Obst- und Laubholzbäumen. (Zeitschrift für das landwirtschaftliche Versuchswesen in Österreich, 1911, S. 872—885, 1 Tafel). Studien über Nectriaceen. I35 Pilzen g^egeiiüber werden oft auf eine andere Weise ihre Erklärung' finden, wie uns vor allem die interessanten und g'ründlichen Unter- suclmngen von Dr. Robert Münch über Immunität und Krankheits- empfäng'liclikeit der Holzpflanzen gelehrt haben. Dr. Müuch^) hat nämlich unter vielem andern auch mit der Nectria ditissima Tul. eine größere Anzahl Infektionsversuche ge- macht, um die Frage zu lösen, wie weit die Empfänglichkeit der Rinde für Rindenpilze vom Gesamtwassergehalt des Sprosses abhängt. Er wählte deshalb die Nectria ditissima Tul., weil er diesen Pilz für den typischesten unter allen Halbparasiten und als den Erreger des Laub- holzkrebses für den wichtigsten Rindenbewohner hielt. Münch konnte bei seinen Versuchen mit Nectria ditissima Tul. feststellen, daß der Pilz in lebender Rinde und lebendem Holz von sehr ausgetrockneten Stücken rasch zur Entwicklung kam, während die Rinde von wasserreichen Stücken für den Pilz fast unzugänglich war. Ein ähnliches Resultat erzielte er bei Versuchen mit toter Rinde. Die Infektion von wasserreichen Sprossen von Ulmus montana und Fagus silvatica mit genanntem Pilz ergab absolute Immunität und die von wasserarmen und dafür luftreicheren Sprossen deutliche Empfänglichkeit. Die bei diesen Experimenten gewonnenen Erfahrungen über die Beziehungen zwischen Wassergehalt und Krankheitsempfänglichkeit be- nützte nun Münch, um die widerspruchsvollen Angaben in der Literatur bezüglich der Krebsempfänglichkeit der Obst- und Laubholzbäume zu erklären. Doch meiner Meinung nach ist es aber nicht zulässig, die bei Nectria ditissima erzielten Ergebnisse ohne weiteres auf den Krebserreger zu übertragen, denn Dr. Münch hat nach meinen Unter- suchungen nur Versuche mit der echten Nectria coccinea (Pers.) Fr. (= Nectria ditissima Tul.) und nicht mit dem Krebspilz, der Nectria galligena Bres., angestellt. Durch die freundliche Vermittlung des Herrn Dr. R. Münch erhielt ich nämlich von Professor Dr. Freiherr von Tubeuf aus der botanischen Abteilung der königl. bayrischen forstlichen Versuchsanstalt in München Proben des von Herrn Dr. Münch seinerzeit kultivierten und verwendeten Versuchsmateriales, wofür ich genannten beiden Herren an dieser Stelle meinen herzlichen Dank zuni Ausdruck bringe. Die Bestimmung dieses Materials ergab, daß Herr Dr. Rob. Münch') nur mit Nectria coccinea (Pers.) Fries experimen- ^) Münch R., Untersuchungen über Immunität und Krankheitsempfänglichkeit der Holzpflanzen (Inauguraldissertation), Ludwigsburg, 1909. 2) Eine Anzahl von Dr. R. Münch bei der Besprechung seiner gewiß hoch- interessanten und wertvollen Versuche mit Nectria coccinea (Pers.) Fr. ( Nectria ]36 Josef Weese, tierte, welcher Pilz mit Nectria ditissima Tnl. ideutiscli ist. Der zu den Yersuclien verwendete Pilz war also ganz richtig- bestimmt worden^). Obwohl zu vermuten ist, daß Nectria coccinea (Pers.) Fr. und Nectria galligena im allgemeinen in ihrer Biologie ziemlich viele Übereinstimmungen haben werden, so bin ich doch fest überzeugt, daß sich in einzelnen Avesentlichen Punkten deutliche Unterschiede zeigen werden. Das geht ja schon daraus hervor, daß Nectria galligena Bres. Krebsstelleu verursachen kann, während Nectria coccinea (Pers.) Fr. nur aus der Rinde hervorbricht und keinerlei krebsartige Wunde nach sich zieht. Ich halte es daher für unbedingt notwendig, daß mit der echten Nectria galligena Bres. noch experimentelle Untersuchungen gemacht werden, damit wir endlich über diesen gefähr- lichen Baumschädling ins Klare kommen. Da die Nectria galligena stets auch auf den Zweiggallen von Salix pur purea nachzuw' eisen ist, halte ich es auch für eine interessante und dankbare Aufgabe, zu untersuchen, ob diese Kropfbildungen durch diesen Pilz verursacht werden — nach der Speziesbezeichnung dieses Pilzes müßten ja diese Hypertrophien durch ihn hervorgerufen werden — und ob dieser Pilz von Weiden auf Obst- und Laubholzbäume über- tragbar sei und hier einen Krebs erzeugen könne. Die Frage, welcher Pilz das Konidienstadium der Nectria galligena Bresad. darstellt, harrt auch noch der endgültigen Lösung. In meiner Arbeit vom Vorjahre -) gab ich der Vermutung Ausdruck, daß das von Appel und Wollen weber"') als Erreger der Krebskranldieit an den Laubholzbäumen betrachtete Fusarium Willkommii Lindau (Syn.: Fusidium candidum Willk.) zur echten Nectria ditissima Tulasne gehören dürfte, weil ich bei Lindau \) nurFagus als Nährpflanze an- ditissiina Tul.) angeführter Literaturstellen (so z. B. von R. Göthe, Lapine usw.) dürften sich höchstwahrscheinlich nicht auf seinen Versuclispilz, sondern auf den eigent- lichen Krebspilz, die Nectria galligena Bres., beziehen. Bei älterer Literatur wird es wohl kaum mehr möglich sein, die systematischen Fragen noch klarzustellen. ^) Schon aus den Angaben, die Dr. Münch über die Gewinnung seines Versuchs- materiales und über die Sporen des Pilzes machte, vermutete ich bereits, daß es sich hier wirklich um Nectria ditissima handelt. *) Weese Jos., Zur Kenntnis des Erregers d. Krebskrankh. usw. (Zeitschrift f. d. landwirtsch. Versuchswesen in Österreich, 1911, S. 884—885). ^) Appel und Wollenweber, Die Kultur als Grundlage zur bes^seren Unter- scheidung systematisch schwieriger Hyphomyzeten (Berichte der deutschen botanischen Gesellschaft, Jahrg. 1910, Bd. XXVIII., S. 448). *) Lindau , Hyphomycetes in Rabenhorsts Kryptogamenflora, Leipzig, 1910, S. 551. Studien über Nectriaceen. I37 geführt fand, imtl ich damals annahm, daß Nectria galligena Bres. anf Rotbuchen nicht auftrete. Durch die ausführlichen, ungemein gründ- lichen Arbeiten über die Gattung Fusarium von Appel und Wollen- weber') erfuhr ich aber später, daß das Fusarium Willkommii Lindau auch häufig an krebsigeu Stellen von Apfelbäumen zu finden sei. Ich halte es daher jetzt für hiU'hstwahrscheinlich, daß einer der \ier bei Fusarium Willkommii von genannten Forschern unterschiedenen Stämme, die ihrer Meinung nach möglicherweise selbständige Fusarien darstellen können, als Konidienpilz zur Nectria galligena Bresad. srehört. ö Um in dieser Frage doch einmal vollständige Sicherheit zu er- langen und um feststellen zu können, welches der Konidienpilz der Nectria ditissima Tul. sei, wird es erforderlich sein, sicher bestimmte Exemplare von Nectria galligena Bres. und von Nectria ditissima Tul. in Kulturen genau zu studieren. Solange die genannten beiden Pilze verwechselt und nicht scharf auseinander gehalten werden, wird die Konfusion nicht verschwinden und die Widersprüche in der Literatur, wie wir sie jetzt bezüglich des Parasitismus'-) und bezüglich der Kultur^) von Nectria ditissima bei hervorragenden Pflanzenpathologen und Mykologen finden, werden nicht aufhören. 3. Nectria pseudograminicola uov. spec. Der von W. Krieger auf faulenden Blättern von Calamagrostis arundinacea Rth. im Kirnitztale bei Schandau gesammelte und als Nectria graminicola Berk. et Broome in Fungi saxonici Nr. 1424 ausgegebene Pilz ist von dem Berkelej^schen Originalexemplar von Nectria graminicola B. et Br. aus dem Herbar Kew vollständig ver- schieden und stellt eine sehr charakteristische neue Art dar, die ich Nectria pseudograminicola genannt habe (Ann. Mycologici, VIII., 1910, S. 466) und von der ich folgende Beschreibung gebe (Fig. 2). *) 0. Appel und H. W. Wollen web er, Grundlagen einer ]\Ionographie der Gattung Fusarium (Linke). (Arbeiten aus der Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft. VIII. Band, 1. Heft, 1910, S. 1—207, 2 Tafeln). ') Z. B. bei Brzezinski, Aderhold, Sorauer, Lindau usw. ») Z. B. bei Tulasne (Carpologia, III., 1865, Taf. 73, Hartig (Untersuchungen aus dem forstbotanisch. Institut in München I, 1880, S. 109), Brefeld (Untersuchungen aus dem Gesamtgebiet der Mykologie, X. Heft, 1891, S. 171—172), Rostrup (Plante- patologia, 1902, S. 489, Fig. 20.3), Münch (Untersuchungen über Immunität und Krank- heitsempfänglichkeit der Holzpflanzen, 1909, S. 42) usw. 138 Josef Weese, Peritliezieu herdenweise auftretend, oberflächlicli , ohne Stroma, urnenförmig, nicht zusammenfallend, braun, 160 — 180 // hoch, oben eine am Rande etwas dunklere, gegen das Ostiolum wieder lichter werdende, deutlich abgegrenzte, manchmal etwas schollige oder stachelige Scheibe zeigend, die wie das Perithezium 200 — 250 // breit ist. Perithezien runzelig, schuppig oder warzig, steif fleischig bis hornig, am Grunde 2 — '?> n breite, steife, fast hyaline, dickwandige, verzweigte Hyphen aussendend. Ostiolum deutlich , klein auf einer ungefähr 25 ^i breiten, lichten, zartradialfaserigen, hornigen Papille. Periphysen am Münduugs- kanal sind manchmal nicht allzu deutlich zu beobachten. Perithezien- wandung in der halben Höhe zirka 30 (x, oben am runzeligen oder stacheligen Rande der Scheibe 40 — 45 // dick, innen aus sehr dick- wandigen, 4 — 5 // großen Zellen bestehend, außen undeutlich zellig. Fie. 2. ^ö Nectria i)seudograininicola Weese. A Mediansclmitt durch ein Perithezium, HOfache VergT.; B drei Sporeu, 770 fache Vergr. ; C zwei Aszi, 400 fache Vergr. plektenchymatisch und hornig werdend, und aus vollständig undeutlichen warzig oder stachelig vorstehenden Bündeln senkrecht zur Oberfläche gerichteter, dickwandiger Hyphen gebildet. Zerdrückte Perithezien er- scheinen undeutlich kleinzellig. Aszi zartwandig, schwach keulenförmig bis spindelförmig, oben eine Scheitelverdickung zeigend und gerade ab- geschnitten, sitzend bis gestielt, achtsporig, 44 — 55 // lang, 5 — 6 // breit. Sporen glatt, hyalin, schmal spindelförmig, beidendig abgerundet, gerade oder schwach ./'-förmig gekrümmt, zweizeilig, nicht eingeschnürt, in jeder Zelle zwei Öltropfen enthaltend und dadurch Vierzelligkeit vor- täuschend, meist schief einreihig oder gerade zweireihig, 8 — 11 // lang, P/2 — 2,2 // breit. Paraphysen fädig, zart, spärlich. Durch Einwirkung von Kalilauge wird die Farbe der Perithezien nicht verändert. Nach der bisherigen Einteilung der Gattung Nectria wäre die Nectria pseudograminicola Weese in die Sektion Hyphonectria zu stellen. Studien über Nectriaceen. 139 Nectria pseudogramiuicola ist von Nectria g'raminicola Berkeley et Brooine (The Anuals and Magazine of Natural History, 1859, S. 376, Taf. XI, Fig. 40) deutlich verschieden, denn letztgenannter Pilz zeigt nach dem Originalexemplar aus dem Herbariuui Kew ober- flächlich auftretende, kugelige, später schüsseiförmig- einfallende, kahle und glatte, braune Perithezien, die gewöhnlich 250 — 280 ^i breit sind und auf einer deutlichen, lichtbraunen Basalmembran aufruhen. Das Ostiolum ist deutlich auf einer kleinen, lichten, zart radialfaserigen Papille zu beobachten. Die Perithezienwand ist ungefähr 40 pi breit, innen aus dickwandigen, kugeligen 5 — 14 ,w großen Zellen aufgebaut, die manchmal gegen die Peripherie dünnwandiger und polyedrisch werden. Aszi spindelförmig, oben gerade abgeschnitten, sitzend, acht- sporig, 50 — 62 // lang, 8V2 — 10 // breit. Sporen spindelförmig, beidendig abgerundet, zweizeilig, jede Zelle zwei Öltropfen enthaltend, nicht ein- geschnürt, glatt, hyalin, schief einreihig oder gerade zweireiliig, 16 bis 20 // lang, 3V2 — 4\'2 ,w breit. Paraphysen scheinen vorhanden zu sein. Nectria graminicola B. et Br, ist also durch die Form und Struktur der Perithezien und durch die größeren Sporen leicht von Nectria pseudograminicola Weese zu unterscheiden. Nectriella graminicola Niessl in Rabenhorst, Fungi europaei Nr. 1652 stimmt mit dem Originalexemplar von Nectria graminicola Berk. et Br. gut überein. Nectria graminicola in Sydow, Mycotheca Marchica Nr. 3688 hat aber mit diesem Pilz nichts zu tun. Nach dem Bau der Perithezien ist Nectria graminicola Berk. et Br. mit Nectria fuscidula Rehm (Hedwigia, 1882, S. 119) sehr- nahe verwandt. Doch besitzt letztgenannter Pilz etwas kürzere und breitere Sporen und suliepidermal auftretende Perithezien. Da die Gattung Nectria nur oberflächlich auftretende Formen umfaßt, so muß Nectria fuscidula Rehm in die Gattung Nectriella Fuckel (Symbol. Mycolog., 1869, S. 175) oder Charonectria Saccardo (Michelia I, 1880, S. 72) gestellt werden. Da nun von beiden Gattungen die Gattung Nectriella Fuck. die Priorität besitzt, so hat Nectria fuscidula Rehm Nectriella fuscidula (Rehm) Weese zu heißen (Annales Mycologici, 1910, S. 466). Von Nectriella fuscidula (Rehm) Weese ist Nectria dacry- mycelloides Rehm (Hedwigia, 1903, Beiblatt, S. 175) in Krieger, Fungi saxonici Nr. 1729 nicht zu unterscheiden. Letztgenannte Art kann daher nicht aufrecht erhalten werden. Nectria dacrymycella (Nyl.) Karsten in Krieger, Fungi saxonici Nr. 1719 zeigt wie Nectriella fuscidula (Rehm) auch anfangs ein- Zeitschr. f. Gärungsphysiologie. Bd. I. 10 140 Josef Weese, gesenkte Perithezien und scheint auch von diesem Pilz nicht verschieden zu sein. Unter dem Namen Nectria dacrymycella (Nyl.) Karst, sind verschiedene Pilze im Uralauf und gerade dieses Exsikkat stimmt noch von allen am besten zu Karstens Beschreibung in Mycologia fennica, II., S. 216. Derzeit weiß also niemand, was Nectria dacrymycella (Nyl.) Karst, ist. Erst die Untersuchung eines authentischen oder eines Originalexemplares dieses Pilzes wird die große Konfusion in dieser Frage beseitigen. Allerdings wird die gleichzeitige Untersuchung eines Originalexemplares von Calonectria Bloxami (Berk. et Br.) (sub Nectria in British fungi Nr. 781, Annais and Magazine of Natural History, 1854) notwendig sein, um die mir sehr wahrscheinlichen ver- wandtschaftlichen Beziehungen zwischen diesen beiden Pilzen feststellen zu können. Charonectria Sambuci von Höhnel und Charonectria Umbelliferarum von Höhn. (Hedwigia, 1903, S. 187), die beide kaum spezifisch verschieden sein dürften, stehen vielleicht auch genannten Pilzen sehr nahe. Dasselbe dürfte auch bei Nectria alpin a Wint. (Hedwigia, 1880, S. 175) der Fall sein, von der ich leider auf dem Originalexemplar aus dem Berliner königl. l)otanischen Museum (Herbar Winter) keine Perithezien finden konnte. Nectria alpinaWint., die übrigens nach der Beschreibung wegen der anfangs eingesenkten Perithezien in die Gattung Nectriella Fuckel zu stellen wäre, wird sicher mit einem anderen bekannten Pilz zusammenfallen. Nach der Perithezienwandstruktur ist mit Nectria pseudogramini- cola Weese Nectria arenula Berk. et Broome (British fungi Nr. 622, Aunals and Magazine of Natural History, London, 1852, S. 320, Tafel IX., Fig. 5) verwandt, wie ich an einem Originalexemplar aus dem Herbar Berkeley (Kew) konstatieren konnte. Nectria arenula Berk. et Broome ist auf Aira caespitosa in Batheaston (England) gefunden worden. Auch makroskopisch sehen sich diese beiden Pilze ziemlich ähnlich, doch sind sie voneinander leicht zu unterscheiden. Nectria arenula Berk. et Br. zeigt nämlich zerstreut, seltener herdenweise auf- tretende, oberflächliche, ockergelbe, zuweilen etwas schollig -runzelige, steif-fleischige, kugelige bis schwach eiförmige, nicht zusammenfallende, 240 — 300 {i breite Perithezien, die oben auf einer flachen, zirka 100 // breiten, mehr oder weniger deutlichen Scheibe eine distinkt zartradial- faserige Papille mit einem kleinen, runden Ostiolum tragen. Die Perithezien sitzen gewöhnlich auf einem zirka 180 // breiten und 70 // hohen Stiel auf. Die Perithezienwandung ist ungefähr 25 // dick, besteht wie der Stiel aus äußerst dickwandigen, undeutlichen, 4 — 6 u großen Zellen, die gegen die Außenseite fast plektenchymatisch werden. Studien über Nectriaceen. 14] Aszi und Sporen waren leider am Origiualexemplar schon fast voll- ständig verschleimt und daher nur sehr undeutlich zu beobachten. Die Aszi dürften keulig-, gestielt, achtsporig' und beiläufig 70 ^ lang und 10 jW breit, die Sporen spindelförmig, beidendig abgerundet, manchmal wenig eingeschnürt, hyalin, glatt, gerade zweireihig, 16 — 19 ii lang und 3^/2 — 5 // breit sein. Berkeley bildet die Sporen deutlich eingeschnürt und spitz ab. Paraphysen dürften ursprünglich auch vorhanden ge- wesen sein. Die Nectria pseudograminicola Weese, deren Perithezien so charakteristisch urnenförmig sind, wird sich also von der Nectria arenula Berk. et Broome leicht an der Form des Gehäuses und an den Sporen unterscheiden lassen. In die Verwandtschaft von Nectria pseudograminicola Weese gehört noch nach dem feineren Bau der Perithezien unstreitig die Nectria tuber culariformis (Rehm) (sub Hypocrea in Bericht d. Naturhistor. Verein, Augsburg, 26. Bd., 1881, S. 106). Eine Verwechslung dieser beiden Pilze ist aber wohl nicht möglich. Der Nectria pseudograminicola steht auch die Nectria urceolus Speg. (Decades Mycologicae Italicae, Nr. 16, Michelia I., S. 463) nahe. Mit letztgenanntem Pilz fällt die Nectria truncata Ellis (Amer. Nat., 17. Bd., Febr. 1883, S. J94) und die Nectria Taxi Rehm in Herbar vollständig zusammen, wie ich an Originalexemplaren konstatieren konnte. Auch die Nectria citrino-aurantia de Lacr. (Tulasne, Carpolagia selecta fungorum, III., 1865, S. 86) wäre nach dem Bau der G-ehäusewandung in die Nähe von Nectria pseudograminicola zu stellen. Doch jeder dieser aufgezählten Pilze ist so charakteristisch, daß sie auf den ersten Blick schon unterschieden werden können. Zu der entfernteren Verwandtschaft von Nectria pseudogramini- cola wäre die Nectria carneo-rosea Rehm (Hedwigia, 1882, S. 119)zu stellen. Engere Beziehungen zu erstgenanntem Pilz zeigt noch die Nectria Eucalypti (Cooke et Harkn.) Sacc. (sub Dialonectria in Grevillea, 12. Bd., 1884, S. 82) mit der wieder die Nectria depallens (Cooke et Harkn.) Sacc. (sub Dialonectria in Grevillea, 12. Bd., 1884, S. 82) nach Fred J. Seaver^) identisch ist, was ich auch an authen- tischen Exemplaren feststellen konnte. Nach der Perithezienwand struktur können wir auch bei Nectria macrospora P. Hennings et E. Nyman (Monsunia I, 1909, S. 161) ') Fred J. Seaver, The Hypocreales of North -America (Mycologia, I. Bd., 1909, S. 58). 10* 142 Josef Weese, Ähnlichkeiten mit den aufgezählten Pilzen konstatieren; da aber bei Nectria macrospora P. Henn. et E. Nym. die Sporen nicht immer zweizeilig sind, so ist es besser diesen Pilz zu Calonectria (Meso- nectria)^) zu stellen. Nectria macrospora P. Henn. et E. Nym., welcher Pilz von den Autoren"^) umbenannt wurde, da eine Nectria macrospora von Starb äck schon beschrieben war, hat daher Calonectria g-igaspora (P. Henn. et E. Nym.) Weese-') zu heißen. 4. Nectria flammeola nov. spec. Perithezien oberflächlich einzeln bis dicht herdenweise auftretend, stromalos, kugelig, mit deutlichem Mündungskegel, 150 — 250// im Durch- messer, meistens nicht zusammenfallend, kahl, glatt, feuerrot. Bei Einwirkung von Kalilauge nehmen die Perithezien eine blauviolette Färbung an, durch Zusatz von einer Säure oder von Glyzerin werden sie gelb. Das Ostiolum ist deutlich auf der schön radialfaserigen Mündungspapille zu beobachten. Der Mtindungskanal ist ziemlich dicht mit zarten Periphysen ausgestattet. Die Perithezienwandung ist ungefähr 30 ;i dick und wird aus zwei deutlich getrennten Schichten gebildet. Die innere Schichte besteht aus dickwandigen, flach zusammengedrückten Zellen und ist zirka 10 // breit. Die äußere Schichte wird durch ein oder zwei Lagen parenchymatischer, polyedrischer oder ellipsoidischer, mäßig derb- bis fast zartwandiger, bis 36 // großer Zellen gebildet, die in der halben Höhe des Peritheziums gewöhnlich am größten sind und gegen die Mündung und gegen die Basis an Größe abnehmen. Diese periphere Schicht bildet bei den Perithezien eine Art lichtere Hülle um den durch die innere Schichte begrenzten dunkleren Kern. Die Membrandicke der Perithezienwandungszellen nimmt von innen gegen außen ab. Aszi zahlreich, zartwandig, zylindrisch oder schwach keulig, sitzend, oben mit einer Scheitelverdickung, gerade abgeschnitten, acht- sporig, 55 — 75 // lang, 5 — 7 // breit. Sporen hyalin, glatt, elliptisch bis spindelförmig, beidendig abgerundet, zartwandig, zweizeilig, nicht eingeschnürt, meist mit 4 Öltropfen versehen, meist eiureiliig oder oben teilweise zweireiliig, 9 — 13 // lang, 3V2 — 4 a breit. Paraphysen meist fädig unverzweigt (Fig. 3). ^) F. V. Höhnel u. Jos. Weese, Zur Synonymie in der Gattung Nectria (Annales Mycologici, 8. Bd., 1910, S. 467). *) Monsunia 1., 1899, S. 173. ') F. V. Höhnel u. Jos. Weese, Zur Synonymie der Nectriaceen (Annales Mycologici, 9. Bd., 1911, S. 424). Studien über Nectriaceen. 143 Auf der Rinde vou Pop ii Ins canadensis Mich. (Triglitz in der Prignitz, Mark Brandenburg; leg. Otto Jaap; 10. August 1908, Verh. d. bot. Ver. d. Provinz Brandenburg, 52, 1910, S. 134). Nach der bisherigen Einteilung der Gattung Nectria wäre dieser Pilz in die Sektion Dialonectria zu stellen. Nectria flammeola Weese ist durch die auffallend großen, in ein oder zwei Schichten angeordneten parenchyraatischen Zellen der Ge- häusewandung ungemein charakteristisch und nimmt in der Gattung Nectria meiner Ansicht nach eine ziemlich isolierte Stellung ein. Nahestehende Arten kann ich für diesen Pilz keine anführen; am nächsten dürften ihm noch der Formenkreis von Nectria Bolbophylli P. Henn. (Hedwigia, 45. Bd., 1905, S. 171) stehen, der die Nectria Fig. 3. Nectria flammeola Weese. ^-1 Medianschnitt durch ein Perithezium, 110 fache Vergr.; B Aszi und Paraphysen, 460 fache Vergr.; C Perithezien, 60 fache Vcro-r. ; D zwei Sporen, 720 fache Vergr. Behnickiana P. Henn. (Hedwigia, 1905, S. 172), Nectria bogoriensis P. Henn. in Herb. Berlin (1906), Nectria Victoriae P. Henn. (Annales Mycologici, 1907, S. 81), Nectria Citri P. Henn. (Hedwigia, 48. Bd., 1908, S. 104), Nectria calonectricola P. Henn. (Hedwigia, 48 Bd., S. 105), Nectria luteo-coccinea v. Höhn. (Sitzungsber. Kais. Akad. d. Wissensch., Wien, math.-naturw. KL, 1909, S. 299), Nectria citri CO la P. Henn. in Herb. Berlin, Nectria asperat a Rehm (Anuales Mycologici, 1909, S. 137) und Nectria Melanom matis Syd. (Hedwigia, 1909, S. 79) umfaßt. Vielleicht könnte man noch Nectria illudens Berk. (1854) als entfernt verwandten Pilz ansehen. Jedenfalls existieren engere Beziehungen zwischen Nectria flammeola Weese, Nectria Bolbophylli P. Henn. und Nectria illudens Berk. nicht. Bei der Lupenbetrachtung zeigt Nectria flammeola Weese manch- mal eine gewisse Ähnlichkeit mit nicht eingefallenen Perithezien von 144 Josef Weese, Nectria sanguinea (Bolt.) Fries (sub Splvaeria in Fimgi Halifax, 1789, S. 121), bei einer mikroskopisclien Untersuclumg erweisen sich, jedoch die beiden Pilze als total verschieden. 5. Nectria incrustans nov. spec. Perithezien dicht herdenweise auftretend und zwar stellenweise so dicht, daß sie in einer Kruste vereinigt sind, in der dann die Einzel- perithezien oft bei der Lupenbetrachtung ziemlich schwer zu erkennen sind. Perithezien oberflächlich, anfangs kugelig und rotbraun, dann schmutzig-ockergelb werdend und tief napfförmig einsinkend, ungefähr 180 — 200 n im Durchmesser, oben mit hyalinen bis schwach gelblichen, zartwandigen bis derbwandig-steifen, zylindrischen, stumpf abgerundet endigenden, zirka 3 // breiten und bis 40 // laugen Haaren dicht besetzt, die dann seitlich in die längeren, septierten, verzweigten, ebenfalls steifen und 2 — 3 // breiten Seiten- und Basalhyphen übergehen, die das ganze Perithezium umschließen und manchmal so dicht auftreten, daß die Perithezien dann in eine förmliche ockergelbe Ivi'uste eingesenkt er- scheinen. Alle Perithezien erscheinen oft durch zu kugelförmigen Bündeln vereinigte Haare stachelig oder warzig. Der ungefähr 40 (i breite und 17 // hohe, glatte, glänzende, hornig aussehende Mündungs- kegel ist frei von Haaren. Die Perithezienwandung ist zirka 15 — 20/^ dick und wird aus kleinen, zirka 4// großen, undeutlichen, derbwandigen, gleichartigen Zellen gebildet. Aszi zylindrisch bis schwach keulig. zart- wandig, oben meist gerade abgeschnitten, manchmal eine zarte, undeut- liche Scheitelverdickung zeigend, achtsporig 42 — 50// lang, 5 — 6// breit. Sporen hyalin, glatt, zartwandig, länglich-elliptisch, selten schwach ein- geschnürt, zweizeilig, in jeder Zelle meist 1 oder 2 Oltropfen enthaltend, schief einreihig oder teilweise schief oder gerade zweireiliig, 7 — 10 //. lang, 2V'2 — 3V2// breit. Paraphysen sehr zahlreich, fädig, zirka 2 (i breit, fast gerade, meist einfach, seltener gabelig verzweigt. Durch Einwirkung von Kalilauge wird die Farbe der Perithezien nicht verändert. Auf dürren, entrindeten Ästen von Betula und Alnus. (Mark Brandenburg: Triglitz in der Prignitz, 1. Oktober 1909 und 6. Oktober 1908, leg. Otto Jaap. Verh. d. bot. Yer. d. Provinz Brandenburg, 52, 1910, S. 134.J Nectria incrustans Weese könnte nach der bisherigen Einteilung der Gattung Nectria in die Sektionen Lasionectria und Hypho- nectria gestellt werden. Studieu über Nectriaceen ]^45 Der vorliegende Pil^ der vielleicht auch als eine Übergang-sform zu Hypomyces aufgefaßt werden könnte, ist wohl durch die Größe und Form der Sporen und Aszi, sowie durch die ziemlich charakteristische Krustenbildung verschieden von den nahestehenden Arten wie Nectria oropensoides Kehm (Jahresberichte d. westfälisch. Prov. -Vereines f. Wissenschaft und Kunst; Botanische Sektion. 1891 — 92, S. 35), Nectria lactea Ellis et Morgan (North Americ. Pyrenomyc, 1892, S. 110), Nectria Rexiana Ellis (Amer. Nat., 17. Bd., 1883, S. 194) und Nectria squamulosa Ellis (Bulletin of Torrey Botan. Club, 9. Bd., 1882, S. 20). Nectria oropensoides Rehm und Nectria lactea Ellis et Morgan besitzen, breit elliptische Sporen, die in der Form denen von Nectria Peziza (Tode) Fries gleichen und im Askus einreihig auftreten. Diese beiden Pilze, die nach meiner Meinung einander sehr nahe stehen und wahrscheinlich auch zusammenfallen, werden also leicht von Nectria incrustans Weese zu unterscheiden sein. Bei Nectria Rexiana Ellis und Nectria squamulosa Ellis, die einander ebenfalls sehr nahestehen, zeigen die Sporen nach Fred J. Seavers') Beschreibung ähnlich geformte, aber kleinere Sporen und kleinere Aszi. Leider ist in den Beschreibungen über ein sehr wichtiges Merkmal zur Charakterisierung der Nectria-Arten, über den Aufbau der Perithezienwandung nichts zu finden. Ohne Kenntnis der Originale, also bloß auf Orund der Diagnosen läßt sich dann leider oft nicht viel Sicheres aussagen. Als ein der Nectria incrustans Weese nahestehender Pilz er- schien mir einige Zeit die Calonectria flavida (Corda) Saccardo (sub Sphaeria in Icones, tom. IV, S. 40, Tafel VIII, Fig. 117; sub Calo- nectria in Michelia, I, S. 313), die auch auf Erlenholz gefunden wurde. Nach der leider unvollständigen Beschreibung hätte ich es sogar für möglich gehalten, daß beide Pilze zusammenfallen, doch nach Cordas Abbildung sind sie voneinander deutlich verschieden. Corda bildet die Aszi breit spindelförmig, vielsporig und die Sporen schmal spindelförmig (7 bis 8 mal so lang als breitj, einzellig und gekrümmt ab. Wenn diese Zeichnung richtig ist, so gehört Sphaeria flavida Corda nicht in die Gattung Calonectria, sondern infolge der Vielsporigkeit der Aszi in die Gattung Chilonectria Sacc. und hat mit Nectria incrustans Weese gar nichts zu tun. ^) Fred J. Seaver, The Hypocreales of North America (Mycoiogia, I. Bd., 1909, S. 55). 146 Josef Weese, Über Calonectria flavida var. aurautio-rnfa Rabenh. (Hed- wigia, 1870, S. 26) deren Sporengröße gut mit der von Nectria in- crustans Weese übereinstimmt, läßt sich leider auf Grund der Be- schreibung ohne Kenntnis des zugrunde liegenden Originalexemplares auch nichts Bestimmtes behaupten. Auf faulendem Holz von Alnus glutinös a ist auch die Nectria citrina Fries (Summa veget. Scandin. 1845, S. 388) gefunden worden, über die sich leider aus der ganz unvollständigen Beschreibung auch nichts vSicheres aussagen läßt. Ich halte es für sehr leicht möglich, daß dieser Pilz mit Nectria Peziza (Tode) Fries (sub Sphaeria in Tode, Fungi Mecklenburg, II. Bd., 1791, S. 46; sub Nectria in Fries, Summa veget. ScancUn. 1845, S. 388) zusammenfällt. Die Angaben über Größe und Form der Aszi und Sporen weisen deutlich darauf hin. 6. Nectria inundata Rehm. nov. spec. Auf Wasserbrettern aus Tannenholz wurde von Wegelin am 26. Oktober 1888 in Burgdorf in der Schweiz ein Pilz gefunden, den Dr. Rehm als Nectria inundata Rehm. nov. spec. (5. VIII. 1889) in sein Herbarium einreihte, aber keine Besehreibung davon veröffentlichte. Beim Studium eines Teiles der Nectria- Arten aus dem Rehm sehen Herbarium stieß ich auch auf diesen Pilz, dessen Untersuchung mich lehrte, daß es sich hier wirklich um eine charakteristische neue Art handelt. Aus diesem Grunde gebe ich im folgenden eine Beschreibung des vorliegenden Pilzes (Fig. 4). Perithezien zerstreut auftretend, mit der Basis gewöhnlich etwas in das Substrat eingesenkt, stromalos, kugelig bis kugel- kegelförmig, bis 300 u im Durchmesser, im Alter manchmal einsinkend, blutrot bis dunkelrotbraun, glänzend, glatt, selten mit einigen hervorstehenden, braunen, dickwandigen, kurzen Hyphen versehen, oben eine sehr deut- liche, dunklere, meist fast schwarze und lebhaft glänzende, aus parallel gelagerten dickwandigen Hvphen gebildete, bis 110 // hohe und bis 150 // breite, halbkugelige Papille mit deutlichem Ostiolum tragend. Die Perithezien nehmen nach der Einwirkung von Kalilauge eine blau- violette Färbung an. Der Mündungskanal ist dicht mit deutlichen und steifen Periph>seu besetzt. Die Perithezienwandung ist ungefähr 25 // dick, wird aus dickwandigen, ziemlich undeutlichen, 3 — 4 ,(/ großen Zellen gebildet und zeigt außen häufig noch eine dünne hyaline Sclücht. Aszi zartwandig, spindelförmig, keulenförmig bis fast zylindrisch, oben gerade abgeschnitten und eine zarte Scheitelverdickung zeigend, fast sitzend, Studien über Xectriaceen. 147 kurz g'estielt, achtsporig 85 — 100// lang-, 11 — 14 ,w breit. Sporen glatt, mäßig derbwaudig, elliptisch bis schwach spindelförmig, meist ungleich- seitig gekrümmt, beidendig abgerundet, anfangs hyalin, dann bräunlich und braun werdend, deutlich zweizeilig, manchmal auch etwas einge- schnürt, meist schief einreihig oder manchmal oben teilweise zweireihig, 13 — 20 f.1 lang (einzelne bis 24 //), 5^'2 — 7 // breit, Paraphysen fädig, ästig und verschleimend. Die Nectria inundata Rehm scheint mit der Nectria galligena Bres. am nächsten verwandt zu sein. Die Sporen der beiden Pilze sind sehr ähnlich in der Form, unterscheiden sich aber später durch die Farbe und die Perithezien sind in ihrer Form, ihrem feineren Aufbau und in Fig. 4. Nectria iniiDdata Kehm. A Zwei Perithezien, die mit der Basis etwas in das Holz eingesenkt sind. Links befindet sich eine Stelle, wo das Perithezium bereits heraus- gefallen ist, 24 fache Vergr.; B Sporen, 600 fache Vergr.; C Zwei Aszi mit Sporen, 350 fache Verffr. der Art des Auftretens am Substrat deutlich verschieden. Die Peri- thezien von Nectria inundata Rehm sind bei der Lupenbetrachtung meist schon daran zu erkennen, daß sie mit ihrer Basis etwas in das Nährgewebe eingesenkt sind. Dann sind die Gehäuse etwas länglicher geformt durch die deutliche Papille als bei Nectria galligena Bres. und die Gehäusewandung ist meist glatt, ungemein kleinzellig, während sie bei letztgenanntem Pilz häufig schollig und undeutlich zellig erscheint. Nach der bisher gebräuchlichen Einteilung der Gattung Nectria wäre Nectria inundata Rehm in die Sektion Phaeonectria Sacc. zu stellen. Nectria inundata Rehm wurde von mir auch auf Holz von Pru- nus Päd US (Herbarium Berkeley, Kew) gefunden. Einen ebenfalls von We gelin in Burgdorf (Schweiz) auf Weiden- holz gesammelten Pilz nennt Dr. Rehm Nectria inundata Rehm f. 148 Josef Weese, minor. Meine Untersuchungen dieses Pilzes ergaben, daß er in der Tat in der Form der Perithezien. in ihrem feineren Bau und in der Art ihres Auftretens g:anz mit der typischen Nectria inundata Rehm über- einstimmt, daß sich doch aber in einzelnen Punkten einige Abweichung'en zeigen. Die Perithezien sind auch mit der Basis deutlich in das Holz- gewebe eingesenkt, sind al)er meistens etwas kleiner (bis 260 // im Durchmesser) als wie bei Nectria inundata und lassen die Papille manchmal nicht so deutlich, kurzschnabelartig erkennen als wie bei der typischen Art. Die Sporen sind ebenfalls anfangs hyalin und werden dann bräunlich und braun, sind aber etwas kleiner und werden nur 12 bis 15 // lang, 5 — 6 ,w breit. Ihre breitelliptische Form stimmt aber ganz gut zu denen vom Typuspilz. Die Sporen sind meist schief oder gerade einreihig in den zylindrischen 75 — 90 // langen, 8 — 11 // breiten Aszi angeordnet. Es ist nun reine Aufstellungssache, den vorliegenden Pilz als neue Art oder als eine Varietät von Nectria inundata Behm zu betrachten. Da der Gesamteindruck, den der PUz macht, meiner Ansicht nach für die letztere Auffassung spricht, so bezeichne ich ihn als Nectria inundata Behm var. minor (Behm) nov. var. Nectria inundata var. minor stellt unstreitig einen Übergang von der typischen Art zu Nectria sanguinea (Bolton) Fries (sub Sphaeria in Bolton, Fungi Halifax, 3. Bd., 1789, sub Nectria in Fries, Summa Veget. Scand. , 1845, S. 388) dar. Bei einzelnen Pilzen ist es schwer zu entscheiden, ob sie zu Nectria inundata Behm var. minor (Behm) oder zu Nectria sanguinea zu stellen sind. So ist z. B. die Nectria Westhoffiana P. Henn. et Lind. var. coriicola Feltgen (III. Nachtrag, S. 307) ein Pilz, dessen Perithezien ganz mit denen von Nectria inundata var. minor übereinstimmen, dessen Sporengröße sich aber der von Nectria sanguinea (Bolt.) Fries nähert. Selbst- verständlich rechne ich diesen Pilz, dessen Sporen deutlich braun werden, zu Nectria inundata var. minor. Mit Nectria Westhoffiana P. Henn. et Lindau (Jahresber. des westfälischen Prov. -Vereines für Wissenschaft und Kunst, Botanische Sektion, 1896—1897, S. 194) hat nämlich dieser Pilz gar nichts zu tun, denn Nectria Westhoffiana ist mit Nectria Peziza (Tode) Fr. (sub Sphaeria in Tode, Fungi Meckl., IL Bd., 1791, S. 46; sub Nectria in Fries, Summa Veg. Scand., 1849, S. 288) nach meinen Untersuchungen eines Originalexemplars vollständig identisch, v. HöhneU) hat den Feltgenschen Pilz zu Nectria di- ^) Franz v. Höhnel, Revision von 292 der von .]. Feltgen aufgestellten Asco- mycetenformen auf flrund der Originalexemplare. (Sitzungsber. der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, matliem.-naturw. Klasse, 1. Abt., 115. Bd., S. 1192.) Studien über Xectriaceen. |^9 tissima Tul. (Carpologia III, 1865, S. 73) gestellt, was sehr leicht da- durch verständlich wird, daß Nectria iniin data Rehm var. minor (ßehm) damals noch nicht bekannt war und niemand eigentlich wußte, was man unter Nectria sanguinea (Sibth.) Fr. verstehen sollte. Nach der Untersuchung eines authentischen Exemplars vonSphaeria sanguinea Bolton in Fries, Sclerorayc. suec. Nr. 264 ist es für mich ganz sicher, daß Nectria sanguinea (Bolton) Fries und Nectria episphaeria (Tode) Fries (sub Sphaeria in Tode, Fiingi Meckl., IL Bd., 1791, S. 21; sub Nectria in Fries, Summa Veg. Scand., 1845, S. 388) mikroskopisch nicht verschieden sind. Nach Fred J. Seaver^) soll sich allerdings die Nectria sanguinea (Bolt.) Fries von der Nectria episphaeria (Tode) Fr. durch die Art des Zusammenfallens der Peri- thezien und vor allem durch die Form der Sporen unterscheiden. Nec- tria sanguinea (Bolt.) Fr. soll nämlich durch das meist zweiseitige Einsinken der Gehäuse und durch die breit-spindelförmigen Sporen, die ungefähr zweimal so lang als breit sind, wohl charakterisiert sein. Nectria sanguinea (Bolton) Fr. soll hingegen schmal -spindelförmige Sporen besitzen, die beiläufig dreimal so lang sind als breit, und soll sich durch dieses Merkmal leicht vom früher genannten Pilz unter- scheiden lassen. Die Untersuchung eines von Fred J. Seaver selbst bestimmten Exsikkates von Nectria sanguinea (Bolt.) Fr. (Ascomycetes und lower fungi, guy West Wilson and Fred J. Seaver, Nr. 87) tiber- zeugte mich jedoch von der Hinfälligkeit dieses Unterscheidungsmerk- males und von der Unrichtigkeit der Seaverschen Sporenabbildung genannten Pilzes (Mycologia, I. Bd., 1909, Taf . V, Fig. 17). Die Sporen dieses Exemplares von Nectria sanguinea (Bolt.) Fr. stimmen voll- ständig mit denen von Nectria episphaeria (Tode) Fr. überein und zeigen durchaus nicht die schmal -spindelförmige Form (er zeichnet die Sporen fast viermal so lang als breit, dann ungleichzellig und einge- schnürt), wie sie Seaver nach einem Exemplar von Nectria sanguinea in Rehm, Ascomycetes Nr. 1771 entworfen hat. Daß die wahre Sporen- form des von ihm selbst bestimmten Pilzes mit seiner Zeichnung nicht übereinstimmt, ist aber ganz erklärlich. Nach meiner Untersuchung ist nämlich Rehm, Ascomyc. Nr. 1771 gar keine Nectria sanguinea (Bolt.) Fries, sondern, wie schon aus den deutlich parenchymatischen Peri- thezien hervorgeht, eine Holzform von Nectria coccinea (Pers.) Fr. (Icon. et Descript., II. Bd.. 1800. S. 47 sub Sphaeria), mit welchem Pilz ') Fred .1. Seaver, The Hyiiocreales of North America. (^Mycologia, 1. Bd. 1909, S. 63.) 150 Josef Weese, die Nectria (litis sima Tul. (Selecta Fungor. carpologia, 1865, S. 73), die Nectria armeniaca Tul. (Carpologia III, 1865, S. 75, Taf. V, Fig. 1 — 12) und die Nectria Selenosporii Tul. (Carpologia III, 1865, S. 72) zusammenfallen. Die Perithezienwandung von Nectria sau- guinea (Bolt.) Fr. stimmt auch in ihrem feineren Aufbau ganz mit der von Nectria episphaeria (Tode) Fr. üherein, ebenso zeigt sich be- züglich der Art des Einsinkens der Gehäuse keinerlei Unterschied. Es ist daher für mich nicht mehr der geringste Zweifel vorhanden, daß beide Pilze identisch sind. Da die Nectria sanguinea (Bolt.) Fries im Jahre 1789 aufgestellt wurde, Nectria episphaeria (Tode) Fr. aber erst zwei Jahre später, so besitzt der erste Name die Priorität und Nectria episphaeria (Tode) Fr. ist als selbständige Art aufzulassen. Übrigens hat schon Winter^) die Ansicht ausgesprochen, daß Nectria sanguinea (Sibthorp) Fr, — er faßt nämlich Sibthorp-) als ersten Autor auf — kaum von Nectria episphaeria (Tode) Fr. ver- schieden sein dürfte. Schroeter^) faßt wahrscheinlich, wie ich aus der Beschreibung schließe, die Holzform von Nectria coccinea (Pers.) Fr. oder vielleicht die Nectria inundata Rehni als Nectria sanguinea (Sibth.) auf. Mit Nectria sanguinea (Bolt.) Fr. ist die Nectria microspora Cooke et Ellis (Grevillea, V. Band, 1876, S. 53), die Fred J. Seaver^) zu den zweifelhaften Arten stellt, identisch. Erstgenannter Pilz zeigt oft deutliche tn)ergänge zu Nectria applanata Fuckel (Symbol., Nach- trag I, 1872, S. 22), mit der wieder die Nectria pithoides Ellis et Everhart (Proceed. Acad. Nat. Scienc. Philadelphia, 1890, S. 247) zu- sammenfällt. Nectria sanguinea var. corallina Bresad. (Verhandlungen d. k. k. zool.-bot. Gesellsch., Wien, 1901, S. 414) ist nach v. HöhneP) eine stromalose Holzform von Nectria coccinea (Pers.) Fr. ') "Winter, Die Pilze iu Rabenhorsts Kryptogameuflora von Deutschland, Öster- reich und der Schweiz, 1. Ed., II. Abtlg., S. 117. 2) Sibthorp, Fungi Oxonienses, 1794, S. 404. ^) Schvoeter, Die Pilze Schlesiens, II., S 255 (Kryptogamenflora von Schlesien, herausgegeben von F. Cohn). *) Fred. J. Seaver, The Hypocreales of North America (Mycologia I., 1909, S. 194). *) V. Höhnel, Fragmente zur ]\Iykologie, VI. ]\littlg., gleichzeitig 2. Mitteilung über die Ergebnisse der mit Unterstützung der Kaiserl. Akademie 1907 — 1908 von ilim ausgeführten Forschungsreise nach Java (Sitzungsberichte d. kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, mathem.-naturw. Kl., Ed. CXVIII, Abteiig. I, 1909, S. 298). Studien über Xectriaceen. 15X Nectria sang-uinea in Rabenliorst, Fuugi europaei Xr. 1829 ist Nectria cicatricum (Berk.) Tul. (siib Sphaeria in Magaz. of Zoology and Botany, I. Bd., 1837, S. 48; sub Nectria in Aunales scienc. natur. m., 1848, S. 77). Nectria episphaeria (Tode) Fr. form. Kretzschmariae P. Kenn. (Hedwigia, 1897, S. 219) zeigt wie schon A. Möller^) konstatieren konnte, deutlich rauhe Sporen und ist, wie ich an Berliner Original- exemplaren feststellte, mit Nectria meliolopsicola P. Hennings (Eng-ler, Pflanzenwelt Ostafrikas und der Nachbargebiete, Berlin, 1895, Teil C, S. 32) identisch. Daß letztgenannter Pilz rauhe, später etwas bräunlich werdende Sporen zeigt, hat der Autor ganz übersehen. Mit Nectria meliolopsicola P. Henn. fallen nach der Unter- suchung der Originalexemplare noch Nectria vilior Starbäck (Bih. K. Svensk. Vet.-Akad. Handl., Bd. XXY, Afd. HL, n. 1, S. 28, 1899), Nectria Rickii Rehni (Hedwigia, 1905, S. 2) und Nectria stigme Rehm (Hedwigia, 1905, S. 2) zusammen. 7. Nectria cinnabarina (Tode) Fries var. Veneta nov. var. Nectria cinnabarina (Tode) Fries (sub Sphaeria in Tode, Fuugi Mecklenburg., II. Bd., 1791, S. 9, sub Nectria in Fries, Summa veget. Scandin., 1849, S. 388) in Saccardo, Mycotheca Veneta 96 zeigt eine ganz abnorme, zylindrische, schwachkeulige, oft in Reihen angeordnete, ungefähr 1,2 mm hohe, 0,45 mm breite Tubercularia, die aus dick- wandigen, 8 — 12 // großen, kugeligen Zellen gebildet wird. ' Der soeben beschriebene Konidienpilz dürfte wahrscheinlich die Tubercularia granulata Pers. sein, die vielleicht, wie man aus der Abbildung in Greville, Scott. Cryptog. Flora tab. 187 schließen kann, nur eine Varietät von der Tubercularia vulgaris Tode (Fungi Mecklenburg., 1. Bd.,' 1790, S. 18) darstellt. Da die Perithezien in ihrem Aufbau ganz mit denen der typischen Nectria cinnabarina (Tode) Fries (Syn.: Nectria purpurea (Linne) Wilson et Seaver) übereinstimmen, der Pilz sich aber durch den Besitz der höckerf örmigen , meist reihig angeordneten Tubercularia sowie durch die etwas kleineren und schmäleren Sporen (sie werden nur 12 — 15 // lang und 4 — 5 // breit) wieder vom Typus der Art deutlich *) A. Möller, Pliycomyceten und Ascomyceten, .Jena, 1901 (Botanische Mitteilungen aus den Tropen, hgb. v. A. F. W. Schimper, Heft 9, S. 121). 152 •' "sef Weese, uuterscheidet, so betrachte ich ihn als eine g-iite Varietät, die ich Nectria cinnabarina (Tode) Fries var. Veueta Weese nenne. Auf Rinde von V Robinia pseudacacia. Nectria cinnabarina (Td.) Fr. var. Veneta zeigt eine große Ähnlichkeit mit Calonectria Canadensis (Ellis et Everh.) Berl. et Vog. (sub Nectria in Bulletin of the Torrey Botanical Club, XI. Bd., 1884, S. 74) welchen Pilz Fred J. Seaver in seine neue Gattung Scoleconectria (Mycologia, I. Bd., 1909, S. 197) gestellt hat. An der Form und Größe der Sporen sind jedoch beide Pilze leicht voneinander zu unterscheiden. Nectria cinnabarina var. Veneta bildet einen deutlichen Über- gang zu der Gattung Sphaerostilbe Tul. (Selecta Fungor. Oarpologia I, S. 130), deren Arten ja oft schwer von Nectria-Arten zu unterscheiden sind. So ist z. B. die Sphaerostilbe caespitosa Fuckel (Symbol., Nachtrag IL, S. 35) kaum von Nectria punicea (Kunze et Schmidt) Fries (sub Sphaeria in Mycolog. Hefte I., S. 61; sub Nectria in Fries, Summa veget. Scandin., S. 487) oder von jungen Exemplaren von Nectria galligena Bresadola verschieden, wie ich an einem Original- exemplar in Fuckel, Fungi rhenan. Nr. 2533 konstatieren konnte. 8. Nectria platyspora (Rehm) Weese. Der von Dr. Ilick S. J. in Saö Leopoldo (Südbrasilien) gesammelte und von Rehm als Nectria ? coccinea (Pers.) Fries var. platyspora Rehm beschriebene und in Rehm, Ascomycetes Nr. 1813 ausgegebene Pilz (Anuales Mycologici, VII. Band, 1909, S. 137), hat mit Nectria coccinea (Pers.) Fries nichts zu tun und stellt eine gute eigene Art dar, die Nectria platyspora (Rehm) Weese zu heißen hat. (Ann. Mycol, VIII., 1910, S. 465). Der leider nicht gut entwickelte Pilz zeigt in der Form äußerst wechselnde, bald kugelige bis eiförmige mit einem deutlichen Mündungs- kegel oder einer Art Mündungsscheibe versehene, bald längliche mit einem 230 // langen, am Grunde 140 u breiten Hals ausgestattete, manch- mal ganz unregelmäßig zusammensinkende, bis 350 ;/ breite, zinnober- rote, bei der Mündung meist blutrote, durch vorstehende Zellgruppen oder dickwandige Borsten meistens deutlich rauhe, warzige, oberfläch- liche Perithezien, die bald in kleinen Gruppen, bald in größeren Rasen auf einem Stroma auftreten. Durch Einwirkung von Kalilauge werden die Perithezien blauviolett, durch Hinzusetzen einer Säure oder von Glyzerin gelb. Perithezienwanduug ist im Mittel ungefähr 50 // dick, Studien über Neetriaceen. X53 aus kugeligen, dickwandigen 10 — 15 ii großen, deutlichen Zellen ge- bildet, die gewöhnlich bei zerdrückten Perithezien ziemlich scharf zu beobachten sind. Der Mündungskanal ist niit deutlichen, steifen Peri- physen besetzt. Bei einzelnen Perithezien konnte ich beobachten, daß vom unteren Teil der Perithezien derbwandige, lange, septierte, zirka 8 — 9 i^i breite Hyphen weggehen. Aszi zahlreich, fast zylindrisch sich gegen den Fuß etwas verschniälernd, oben meist abgerundet, bisweilen eine Scheitelverdickung zeigend, kurz bis deutlich gestielt, 5- bis 8-sporig, 85 — 122 // laug, 8^/2 — 13 , der Enzyme, II. Mitt. Ztschr. f. phys. Chemie Bd. 70, 1911, S. 279. Verf. suchten durch Darbietung verschieden zusammengesetzter Nähr- lösungen die Enzymwirkung untergäriger Brauerhefe zu variieren. Bei ge- wöhnlicher Ernährung der Hefe zeigte sich, daß die verschiedenen Hefe- dauerpräparate (erhalten durch Behandlung der Hefe mit absolutem Alkohol, durch Trocknen im Vakuum, durch Behandlung mit Alkoholäther) einen Invertasegehalt mit gleicher Wirkung aufwiesen. Wurde die Hefe aber zuvor 40 Minuten mit einer 0,3proz. Natriumphosphatlösung behandelt, so invertiert sie 2,7 mal schneller, produziert also eine Invertase von höherem Wirkungswert. Zikes. Rlöeker, Alb. l ber den Nachweis kleiner Alkoholiuengen in gärenden Flüssig-keiten. Ctbl. f. Bakt. 2. T., Bd. 31, 1911, S. 108. Bei der sog. Pasteurschen Tropfenreaktion zum Nachweis von Alkohol in gärenden Flüssigkeiten wird die zu untersuchende Flüssigkeit in einer Retorte mit langem Rohr gekocht und die zuerst im Retortenhals sich bil- denden Tropfen untersucht. Diese Tropfen erscheinen als Tränen mit langem Schwanz oder als größere oder kleinere runde ölartige Tropfen. Klöcker hat diese Methode in folgender Weise abgeändert und verbessert: 5 ccm der auf Alkohol zu untersuchenden Flüssigkeit werden in ein Reagenzglas gebracht, dessen Länge 180 mm und dessen Durchmesser 24 mm beträgt. Referate. 171 Durch den Korkstöpsel geht ein Kühlrohr von 80 cm Länge und 9 mm Breite. Das Reagenzglas wird mit dem Aufsatz verschlossen und in senk- rechter Stellung auf einem Drahtnetz mäßig erhitzt. In dem Glasrohr sind die besprochenen Alkoholtropfen gut sichtbar. Verf. will 0,001 Vol.-Proz. Alkohol auf diese Weise bestimmen können. Weitere Ergebnisse der Arbeit sind, daß Würze aus der Luft Alkohol aufnehmen kann und daß in Hefe- wasser spontan Alkohol gebildet wird. Zikes. Franzeil, Hartwig-, Über einen Kolben für quantitative (Järnngsversuche. Ctbl. f. Bakt. 2. T., Bd. 80, 1911, S. 232. Verf. betont, daß bei vergleichenden quantitativen Gärungsversuchen auf einen gleichmäßigen Luftwechsel geachtet werden muß. Wattever- schlüsse genügen diesem Anspruch nicht, da sie, je nachdem sie dichter oder weniger dicht gestopft sind, die Luftzirkulation in ganz verschiedener Weise beeinflussen. Verf. hat ein Gärgefäß konstruiert, welches einen gleich- mäßigen Luftaustausch ermöglicht. Es besteht aus einem 200 ccm fassenden Erlenmeyerkolben mit einem etwa 5 — 6 cm langen Hals, dessen Ränder nicht umgeschmolzen sind. An dem Hals wird ein Kragen von Messingblech befestigt, der einem oben geschlossenen Glasrohr als Unterstützung bezw. Unterlage dient. Der Zwischenraum zwischen Kölbchenhals und Glasrohr soll nicht über Y2 ^^ betragen. Zikes. Bokorny, Th. Beobachtungen über Pilze, welche Methylalkohol als Kohlenstoffquelle verwenden können. Ctbl. f. Bakt. 2. T., Bd. 29, 1911, S. 176. Verf. hat die Entwicklung verschiedener Pilze, wie Bakterien, Hefen und Schimmelpilze in Nährlösungen, welche nur Methylalkohol und mine- ralische Bestandteile enthielten, beobachtet. Aus seinen Versuchen geht hervor, daß mancher Pilz hohe Konzentrationen des Methylalkoholes (^^/q) erträgt, daß es aber auch Pilze gibt, welche selbst mit Spuren von Methyl- alkohol als einziger Kohlenstoffquelle auskommen und auf Kosten desselben zur Vermehrung gebracht werden können (0,0025 %). Am günstigsten er- weist sich eine Konzentration von 0,5 — 1 ^|^^. In solchen Lösungen erhält man üppige Pilzvegetationen. Zikes. Nagel, C. Eine neue Methode der Hefetriebkraftbestininiung unter Zu- grundelegung der Hayduckschen Bedingungen, um Preßhefen des Handels nacli dem Grade ihrer Brauchharkeit als Backliefen zu difPe- renzieren. Brennerei-Ztg. 1911, S. 5675. Die alte Hayducksche Methode der Triebkraftbestimmung weicht oft in ihren Ergebnissen von den Resultaten, wie sie bei Backversuchen erhalten werden, ab. Eine Hefe, welche nach dem Backversuch als sehr gut qualifiziert betrachtet werden muß, gibt nach der alten Hayduckschen Methode nicht befriedigende Resultate. Diesem Mangel der Triebkraftbestimmung sucht Zeitsclir. f. Gärungsphysiologic Bd. 1. 1^ j 7 2 Referate. Verf. dadurch abzuhelfen, daß er ein neues Nährsalzgemisch zur Verwendung bringt (2 g s. phosphors. Kalium, 1 g s. phosphors. Ammon, 0,25 g MgS04, 0,20 g K2SO4 auf 400 com 10 % Saccharoselösung). Nach dieser neuen Trieb- kraftbestimmungsmethode lassen sich Preßhefen einteilen in gute Backhefen mit einer Triebkraftzahl von über 1000, in mittelgute mit einer solchen von 800—1000 und in schlechte, bei denen die Triebkraftzahl unter 800 liegt. Zikes. Ehrlich, F. und Jacobseii, K. A. (her die Umwandlung von Amino- säuren in Oxysäuren dureli Schimmelpilze. Ber. d. deutsch, ehem. Ges. 44, 1911, S. 888. Verf. haben über 50 verschiedene Schimmelpilze und Hefen auf amino- säurehaltigen Nährböden gezüchtet und die Spaltungsprodukte dieser Ver- bindungen untersucht. Sie fanden, daß nicht allein Kulturhefen, sondern auch wilde Hefen, darunter Kahmhefen, ja selbst den Hefen ferner stehende Organismen wie Dematium pullulans aus Tyrosin Tyrosol zu bilden ver- mögen. Dagegen ist das Verhalten der Schimmelpilze gegenüber Amino- säuren verschieden. Ist keine weitere Kohlenstoff quelle da, so werden in der Regel, falls der betreffende Schimmelpilz überhaupt gedeihen kann, die Aminosäuren sehr weitgehend abgebaut. Ist aber ein Kohlehydrat außer den Aminosäuren vorhanden, so vermag nur ein Teil der Schimmelpilze die letzteren abzubauen. Hierher gehört z. B. Oidium lactis. Für diese Art sind alle Aminosäuren vorzügliche N-Quellen, mag nun Glukose, oder Invert- zucker oder Milchzucker zugegen sein. In verdünnten Lösungen verbraucht Oidium lactis die Aminosäuren rasch; hierbei findet eine Desamidierung unter Wasseranlagerung in dem Sinne statt, daß Ammoniak abgespaltet wird und dieses dann, wie bei den Hefen, zum Eiweißaufbau dient. Der zurück- bleibende Atomkomplex stellt dann die dem Amin entsprechende Oxysäure vor; einzelne Pilze können, ähnlich wie Hefen, auch Alkohole erzeugen. Zikes. (iuilliermond, A. Über den Rückgang der Sexualfunktion bei den Hefen. Compt. rend. des seanc. de la societe de Biologie 70, 1911, S. 277. Die Sporenbildung geht bei der Reihe Saccharomyces gewöhnlich ohne Kopulation zweier Zellen vor sich. Die einzige Ausnahme bildete bisher das Genus Zygosaccharomyces, dagegen zeichnen sich die Schizosaccharomyceten durch eine häufiger vorkommende Zellverschmelzung vor der Sporenbüdung aus. Unter den übrigen Hefen konnte heterogene Kopulation noch bei A\'illia anomala beobachtet werden. Verf. studierte den von Klöcker ge- fundenen Debaryomyces globosus und fand auch bei diesem Pilze Zellver- schmelzung vor der Kopulation, aber nur bei 25 7o der Asci. Die übrigen Asci entstehen durch eine spontane Umwandlung einzelner vegetativer Zellen. Vereinzelt wurde auch eine Sporenbildung nach einer Verschmelzung von einer Mutterzelle und einer im Entstehen begriffenen Tochterzelle beobachtet. Zikes, Referate. ]^73 Rohlaiid. Die Schauuibildiiiig und Adsorption der Kolloide des Bieres. Zeitschr. f. ges. Brauw. XXXIV, Nr. 26, 1911, S. 320. Das Bier ist wesentlich eine Lösung von hochmolekularen Kohlehydraten, also kolloiden Substanzen und Hopfenbestandteilen, welche teilweise Elektrolyte sind. Die Rohmaterialien des Bieres, der Hopfen und das Malz, entwickeln und verwandeln unter Mitwirkung des kolloidalen Hefeprotoplasmas beim Brauen zahlreiche Substanzen in kolloidale Zustände wie Hopfenöle und Harze, Stärke, Dextrin, Albumine; beim Brauprozesse wird aus dem Malzkorn speziell Stärke und Eiweiß vor allem in einen wasserlöslichen kolloiden Extrakt verwandelt. Außerdem sind aus dem Hopfen stammende noch freie Säuren, wie Hopfenbittersäure, Gerbsäure, vorhanden, welche ganz besonders die Schaumbildung fördern. Die Kolloide des Bieres adsorbieren Kolüensäure und binden dieselbe. Die Kolloidstoffe des Bieres sind also die Ursache so- wohl der starken andauernden Schaumbildung als auch der Adsorption und stärkeren Bindung der Kohlensäure. Zikes. Lindner, P. Weitere Gärversuehe mit verschiedenen Hefen und Zucker- arten. Wochenschr. f. Brauerei Jahrg. XXVin, Nr. 6, S. 61. Als wichtigstes Ergebnis der vorliegenden Arbeit kann angesehen werden, daß es dem Verf. gelungen ist, bei Anwendung seiner bekannten Kleingär- methode durch Verlängerung der Beobachtungszeit (nicht 24 Stunden wie früher, sondern 3 — 4 Tage) und unter Ausschaltung des früher empfohlenen Erliitzens der Probe noch häufig eine Gärung festzustellen, wo eine solche früher ausgeblieben war, insbesondere bei der schwer vergärbaren Galaktose. Die neuen Versuche ergaben, daß fast sämtliche Bier-, Brennerei-, Wein- und Preßhefen erst nach einigen Tagen Galaktose, dann aber meist ziemlich kräftig, vergären. Für an höhere Temperaturen angepaßte Pilze empfiehlt Verf. die Kleingärmethode bei 37 '^ event. bei einer anderen Optimaltempe- ratur auszuführen. Zikes. Pernbach, A. und Yulquin, E. Sur le pouvoir microbicide des macera- tions de levure et des macerations des cereales. Compt. rend. hebdo- mad. des seances de TAcademie des sciences 1910, Nr. 15. Verfasser haben nachgewiesen, daß die nach der Methode von F. Hayduck aus getrockneter Hefe mittels Salzsäure gewonnenen Auszüge die Hefezellen töten. Auch das Destillat der Auszüge wirkt auf die Hefe giftig, ebenso bei Gegenwart wie bei Abwesenheit von Zucker. Dagegen wirken aber weder der Auszug, noch das Destillat, noch der Rückstand auf die Zymase der Hefe ein. Ferner fanden die Verfasser, daß die aus den Weizenauszügen erhaltenen Giftstoffe auf die Vermehrung der Hefe und die Tätigkeit der Zymase anders wirken, als die aus Hefe gewonnenen. Zikes. 12* \'t4: Referate. Feuerstein, U. Erfahrungen mit der Hefereinzuclit im kleinen. Wochenschr. f. Brauerei 28, lüU, S. 18. Feuerstein hat einen neuen Reinzuchtapparat erdacht und bringt in vor- liegender Arbeit seine Beobachtungen zur Publikation, welche er an 20 neuen Reinzuchtsstämmen machte. Er betont, daß die Reinhefe im Laboratorium nicht zu warm geführt werden dürfe, wie dies häufig geschieht, und daß 12 *^ das Maximum der Anstelltemperatur sein soll. Zu niedrig (1 — 2^) darf aber andererseits die Reinzucht auch nicht gehalten werden, da sonst im Groß- betrieb die Deckenbildung zu stark werde, eine Eigentümlichkeit, welche bei weiteren Gärungen wohl verschwinde. Zikes. Bertrand, G. und Javillier, M. t ber den Einfluß des Mangans auf die Entwicklung des Aspergillus niger. Compt. rend. de l'Academie des sciences T. 152, 1911, S. 225. Die Verfasser fanden, daß bei Darbietimg von schwefelsaurem Mangan- oxydul, das frei von Zink war, Aspergillus niger sich viel günstiger entwickelt, als bei Abwesenheit dieses Salzes. Nur bei ganz großen Mengen von Mangan zeigte sich ein Rückgang in der Entwicklung. Das von dem Pilze auf- genommene Mangan ist jedoch gering, selbst bei sehr kleinen Manganmengen, nimmt derselbe nur einen Teil derselben auf. Zikes. Hailer, E. Versuche über die entwicklungshemmenden und keimtötenden Eigenscliaften der freien schwefligen Säure, schwefligsauren Salze und einiger komplexen Verbindungen der schwefligen Säure. Chem. Ztg. Nr. 52, 1911, S. 215. Am meisten ertragen von diesen Desinfektionsmitteln Schimmelpilze, dann folgen Hefen, dann Bakterien. So wird z. B. die schweflige Säure von diesen Organismengruppen im Verhältnis von 5:4:1 noch ertragen. Glukose im Nährboden setzt die Wirkung herab, während zunehmende Temperatur dieselbe steigert. Schweflige Säure wirkt in ^/^^^ molarer Lösung auf Schimmelpilze, in ^se ^^^ Hefen und in 7520 ^^^ Bakterien tötend. Schwächer wirkt bei gleichem Titer Mononatriumsulfit. Binatriumsulfit übt dagegen bei gleicher Konzentration keine antiseptische Wirkung aus. Von den kom- plexen Verbindungen erweisen sich gegen Schimmelpilze, selbst in hoher Konzentration, unwirksam formaldehyd- und azetaldehydschwefligsaures Na- trium, dagegen wirkten azeton- und gly koseschwefelsaures Natrium schwach. Zikes. Müller, Fritz. Untersuchungen über die cliemotaktisdie Reizbarkeit der Zoosporen von Chytridiaceen und Saprolegniaceen. Jahrb. f. wissensch. Botanik Bd. 49, 1911, S. 421—521. Da es bis jetzt noch niemand unternommen hatte, die Zoosporen der Chytridiaceen auf chemotaktische Reizbewegungen hin zu untersuchen und nur einige Angaben sich in der Literatur finden, die eine chemotaktische Referate. 175 Sensibilität dieser Schwärrasporen fast gewiß erscheinen lassen, so hat Verf. seine Untersuchungen, in die er auch die Schwärmzellen der saprophytisch lebenden Saprolegniaceen einbezog, unternommen, um diese auf reizphysio- logischem Gebiete bestehende Lücke auszufüllen. Zu seinen Untersuchungen verwendete der Verf. Rhizophidium pollinis (A. Braun), Rhizophidium sphaerotheca (Zopf), Saprolegnia mixta und Pseudolpidium Saprolegniae. Über die Gewinnung und die Kultur des üntersuchungsmateriales und über die Methodik und die Fehlerquellen seiner Versuche macht der Verf. genaue Angaben. Von den zahlreichen Einzeluntersuchungen geben wir hier die wichtigsten Resultate bekannt. Die Schwärmsporen von Rhizophidium pollinis werden nur durch die genuinen Eiweißstoffe zu chemotaktischen Reizbewegungen veranlaßt, während die von Rhizophidium sphaerotheca, Pseudolpidium Saprolegniae und Saprolegnia mixta nicht nur von diesen, sondern auch von Produkten der regressiven Eiweißmetamorphose und verwandten stick- stoffhaltigen Verbindungen zu Bewegungen angeregt werden. Auf die Zoo- sporen von Saprolegnia üben außerdem noch die Phosphat -Ionen einen chemotaktischen Reiz aus. Die Chemotaktilia lösen bei den Schwärmsporen einen „räumlich orientierenden" Reiz aus. Osmotaktische Reizbarkeit scheinen die Chytri- diaceen- und Saprolegniaceen-Zoosporen nicht zu besitzen. Die freien Säuren und Alkalien wirken vermöge ihrer abdissoziierten Wasserstoff- respektive Hydroxyl- Ionen nur negativ chemotaktisch. Parallel mit dem Grade der Dissoziation geht die Stärke der Repulsion. Wird die Konzentration eines positiv wirkenden Chemotaktikums entsprechend ge- steigert, so schlägt die Reaktion in eine negativ chemotaktische um. Die Reaktion in beiden Fällen ist der physiologischen Qualität nach negativ topo- taktisch. Die Reizwirkungen der Wasserstoff- und Hydroxyl-Ionen verhalten sich auf die Rhizophidium pollinis-Schwärmsporen ungefähr wie 2: 1 und auf die Saprolegnia mixta-Zoosporen wie 1 : 1. Die Zoosporen scheinen nicht die Fähigkeit zu haben, durch die Schwer- metall-Ionen chemotaktisch gereizt zu werden. In bezug auf die genuinen Eiweißkörper und ihre Derivate beträgt die Reizunterschiedsschwelle für die Zoosporen von Rhizophidium j)ollinis 30, für die von Rhizophidium sphaerotheca und Pseudolpidium Sapro- legniae 15 und für die von »Saprolegniae raixta 5. Zur Erzielung der Reiz- unterschiedsschwelle bezüglich der Phosphat-Ionen ist dagegen eine 50 fache Steigerung des Reizstoffes notwendig. Die Eiweißkörper und ihre Derivate sowie die Phosphat-Ionen üben auf die Saprolegnia- Schwärmsporen zwei, voneinander unabhängige, spezifische Reize aus. Gegen giftige Bestandteile der Atmosphäre sind die Zoosporen von Rhizophidium pollinis sehr empfindlich. Bei andauernder Kultur lassen 176 Referate. sie trotz der günstigsten Bedingungen eine Abnahme ihrer chemotaktischen Reizempfindlichkeit erkennen. Temperaturen unterhalb und oberhalb des Optimums wirken ebenfalls auf die chemotaktische Sensibilität abstumpfend ein. Gegen Sauerstoffmangel sind die Zoosporen der beiden Rhizophidiutn- Arten außerordentlich empfindlich. Durch Äther und Alkohol läßt sich bei den Schwärmsporen von Rhizo- phidium pollinis die chemotaktische Empfindlichkeit aufheben, nicht aber durch Chloroform. Bei den Zoosporen von Rhizophidium sphaerotheca dagegen tritt die Aufhebung der chemotaktischen Sensibilität sowohl durch Äther als auch durch Chloroform früher ein, als die Sistierung der Ortsbewegung. Die Zoosporen von Rhizophidium sphaerotheca sind für Anästhese außerordentlich empfindlich. Elektrolyte wirken auch schon in sehr schwacher Konzentration sehr abstumpfend auf die Reizempfindlichkeit, Nichtelektrolyte dagegen erst bei stärkerer Konzentration. Die Zoosporen von Rhizophidium pollinis sind zu phototaktischen Reizbewegungen befähigt. Durch niedrige Temperatur wird bei Rhizophidium pollinis die Bildung von Dauersporen gefördert. Verf. glaubt, daß Rhizophidium pollinis vorwiegend Saprophyt und nur gegebenenfalls Parasit sei und daß dem Pilze als gewöhnliches Nährsubstrat abgestorbene Pflanzenzellen der verschiedensten Art dienen. J. Weese, Wien. Lieske, R. Untersuchiingeii über die Physiologie eiseiispeiclieriider Hyphomyceten. Jahrbücher f. wissenschaftl. Botanik Bd. 50, 1911, S. 328 bis 354, 3 Fig. Verf. fand in der Natur in eisenhaltigen Wässern Pilzarten, deren Hyphen in ihrer Membran wie die Eisenbakterien eine beträchtliche Menge von Eisenoxydhydrat aufgespeichert haben und die Verf. deshalb als „Eisen- pilze" bezeichnet. Die Hauptmasse dieser Pilze wird durch eine Citro- myces-Art gebildet, die morphologisch von Citromyces Pfefferianus kaum verschieden ist, physiologisch aber eine Sonderstellung in mannig- facher Hinsicht unter den Schimmelpilzen einnimmt. Verf. nennt den Pilz wegen seiner physiologischen Eigenarten Citromyces siderophilus. In Nährlösungen ohne Eisenzusatz gedeiht dieser Pilz wie andere Schimmelpilze. Doch ein Zusatz von ^2 ^i o Ferrosulfat bewirkt eine be- trächtliche Vermehrung des Erntegewichtes, was bei anderen Schimmelpilzen nicht der Fall ist, weil bei diesen hierdurch das Wachstum geradezu ge- hemmt wird. C. siderophilus ist gegen die chemische Giftwirkung von Zinksulfat weit resistenter als die meisten Schimmelpilze. Ferrosalze üben auf den Pilz in keiner Weise eine chemische Gift Wirkung aus, sondern fördern nur das Wachstum, während hingegen Ferrisalze in verhältnismäßig geringer Kon- zentration so giftig wirken, daß das Wachstum unterbleibt. Die wachs- Keferate. 177 tum sf ordernde Wirkung ist dem Ferro -Jon, die Giftwirkung dem Ferri-Jon zuzuschreiben. Nicht dissoziierte Eisensalze haben keinen merklichen Ein- flui^ auf das Wachstum. Die Anwesenheit des Eisenoxyduls in der Nährlösung ermöglicht dem Pilz eine wesentlich bessere Ausnutzung der gebotenen Kohlenstoffquelle, namentlich bei schlechteren Nährstoffen. Die Eiseninkrustation der Pilzhyphen ist nicht von der wachstums- f ordernden Wirkung des Eisenoxyduls abhängig und tritt ein, wenn der Pilz auf eine schlechte Kohlen Stoff quelle angewiesen ist. Der Nachweis der Kohlensäureassimilation durch Eisenpilze ist Verf. nicht gelungen. Die der Nährlösung zugesetzten Eisensalze werden beim Wachstum des Pilzes reduziert, bezw. verhindert, sich zu oxydieren. Die Eisenpilze haben ebenso wie die Eisenbakterien einen wesentlichen Anteil an der Bildung des Raseneisensteins in der Natur. J. Weese, Wien. Dietel, P. Versuelic über die Keimungsbediiigungen der Teleutosporeu eiiiig-er Urediiieen. Ctbl. f. Bakt. D. Abt. Bd. 31, 1911, S. 95—106. Da die jährliche Entwicklung eines Parasiten im Einklang stehen muß mit den Entwicklungsverhältnissen seines Wirtes, so hat wohl die Vermutung, dali die Uredineen ihren Lebensbedingungen so angepaßt sind, daß ihre Teleutosporen zu einer Zeit keimen, in der die Nährpflanze sich in einem für die Fortentwicklung des Pilzes möglichst günstigem Zustande befindet, große Berechtigung. Da aber die Entwdcklung der verschiedenen Nähr- pflanzen zu verschiedenen Zeiten einsetzt, so dürften wohl auch die Be- dingungen der Sporenkeimung für die einzelnen Uredineen - Arten ver- schieden sein. Zur Klärung dieser interessanten Frage hat Verf. Versuche über die Keimungsbedingungen der Teleutosporen dreier Melampsora-Arten gemacht und gefunden, daß die im Freien überwinterten Sporen von Melampsora Larici-Caprearum bereits anfangs März keimungsfähig sind. Dem Walde entnommen und in höhere Temperatur versetzt, keimen sie zu dieser Zeit schon nach 8 Tagen, welcher Zeitraum aber später immer kürzer wird. Der Grund für das letztgenannte Verhalten ist nicht bekannt. Durch Aus- trocknung , des Sporenmaterials erreicht man, daß die Keimung erheblich früher, z. B. schon nach 2^/^ Stunden, eintritt. Vorübergehende starke Ab- kühlung im trockenen oder feuchten Zustande übt auf ausgereiftes Material keinen hemmenden Einfluß aus, dagegen wirkt intensive Sonnenbestrahlung auf die Keimung stark verzögernd. Die niedrigste Temperatur für den Eintritt der Keimung liegt etwa bei 6" C. Verzögernder Einfluß ist nur in unmittelbarer Nähe dieser Tempe- raturgrenze zu bemerken, bei höheren Temperaturen entschieden nicht. Wenn nachts die Temperatur bis auf den Nullpunkt herunterging, am Tage ]^7g . Referate. hingegen Temperaturen eintraten, die für die Keimung ausgetrockneten Materials vollkommen ausreichend waren, so gelang es im Freien nicht, mit feuchten Sporen Keimung zu erzielen. Verf. machte dann noch Versuche mit zwei anderen Melampsora- Arten und fand auch, daß die Keimung bei verhältnismäßig niederen Tem- peraturen eintreten kann, daß sich aber doch große Unterschiede im Ver- halten zeigen. So ist z. B. die Zeit, die von der Einleitung der Keimung bis zum Austreiben der Promyzelien erforderlich ist, verschieden und der Einfluß des Austrocknens ebenfalls nicht gleich. J. Weese. Wien. Somnierstorff, H. Ein Tiere fangender Pilz. Öster. botan. Zeitschr., 1911, S. 361—373, 2 Taf. Verf. macht uns in morphologischer, cytologischer und biologischer Hin- sicht mit einem zu den Phycomyceten gehörigen Pilz bekannt, der mit den Seitenästen seiner Haupthyphen imstande ist, Rädertierchen, die mit dem Munde dieselben berühren, festzuhalten. Durch die Berührung des Tieres mit den Hyphen wird auf diese ein Reiz ausgeübt, auf den hin an der Hyphen- spitze eine schleimige, klebrige Substanz gebildet wird. Nach dem Fange eines Tierchens wächst die Hyphe durch die Mundöffnuug in das Innere des Tieres sehr schnell hinein, bildet Haustorien aus und resorbiert den ganzen Körper. Trotzdem die systematische Stellung des Pilzes, von dem nur Hyphen bekannt sind, noch ganz in Dunkel gehüllt ist, benennt ihn der Verf. auf Grund der biologischen Eigenschaften Zoophagus insidians n. g. et. n. sp., was Ref. wohl für etwas verfrüht hält. J. Weese, Wien. Zimmermann, H. Über die Lebensdauer des (Jerstenflugbrandes (Ustilago Hordei) in infiziertem Saatgute. Zeitschr. f. Pflanzenkrankheiten, Bd. XXI, 1911, S. 133—135. Veif. gelangte auf Grund seiner Versuche zu dem Ergebnis, daß sich die Brandkeime in einem infizierten Saatgut unter Umständen 3 .Jahre lebens- fähig erhalten. Die Fähigkeit des Brandkeimes, eine Brandährenentwicklung- zu bewirken, soll von der jeweiligen Entwicklung der betreffenden Gersten- sorte in den einzelnen Jahren abhängig sein. Der Brandbefall soll somit bei den infizierten Sorten in den verschiedenen -Jahren stärker oder schwächer hervortreten. J. Weese, Wien. ) Stahel, G. Stiokstoffbinduug durch Pilze bei gleichzeitiger Ernährung mit gebundenem Stickstoff*. Jahrbücher f. Wissenschaft!. Botanik Bd. 49, 1911, S. 579 -615. Verf. knüpft bei dieser Arbeit unmittelbar an eine Abhandlung von Fröhlich (Jahrb. f. wiss. Botanik Bd. 45, 1908) an, der eine Anzahl auf ab- gestorbenen Pflanzen auftretende Hyphomyceten isolierte und quantitativ auf ihr Stickstoffbindungsvermögen untersuchte. Referate. 179 Die vom Verf. zur Untersuchung verwendeten und isolierten Pilze ge- hörten größtenteils zu den Fungi imperfecti. Basidiorayecten waren von den Studien ganz ausgeschlossen. Zuerst wurden die Pilze auf Agar ohne Zusatz von gebundenem Stickstoff kultiviert. Der Stick stoffgehalt des Nährbodens mit Agar betrug 0,025 "/q. Die Pilze wuchsen unter diesen Bedingungen meist gut, manche sogar sehr gut, während sie auf sehr Stickstoff armem Substrat (Stickstoffgehalt 0,002 ^/q) mit geringen Ausnahmen nur kümmerlich gediehen. Hierauf unternahm Verf. Kulturen auf Kieselsäuregallerte — von seinem Verfahren zur Darstellung der Kieselsäure gibt uns der Verf. eine genaue Beschreibung • — ohne Zusatz von gebundenem Stickstoff. Nach dem Wachs- tum auf diesem Nährboden konnte der Verf. die untersuchten Pilze in drei Gruppen teilen: 1. Kaum wachsend, ganz steril, sehr viel Öl (25 Pilze), 2. Etwas besser wachsend, steril oder wenige Anfänge von Frukti- fikation, viel Öl (22 Pilze), 3. Relativ gut wachsend, zum Teil sehr gut fruktifizierend , wenig Öl (5 Pilze). Durch quantitative Analyse von Kulturen mit stickstofffreier und stick- stoffhaltiger Nährlösung konnte Verf. feststellen, daß außer den bereits be- kannten Pilzen (Macrosporium commune Rabenh., Alternaria tenuis Nees, Hormodendron cladosporioides Sacc, Aspergillus niger van Tiegh. und Penicillium glaucum Link) noch vier andere Pilze und zwar Botrytis cinerea Pers., Bispora molinioides Corda, Epicoccum pur- purascens Ehrenb. und Melanomma spec. fähig sind, den ungebundenen Stickstoff der Atmosphäre zu assimilieren. Bei Gegenwart geringer Anfangsstickstoffmengen in der Nährlösung nimmt die Bindung des elementaren Stickstoffs bei den vier darauf unter- suchten Pilzen etwa proportional der Anfangsstickstoff menge zu. Bei Ma- crosporium, Alternaria und Hormodendron ist das Verhältnis vom gebundenen Stickstoff zum Anfangsstickstoff etwa 100 '^/q, bei Bispora etwa 35 %. Mit steigendem Stickstoffgehalt der Nährlösung nehmen die pro- zentualen Werte noch etwas zu. Verf. schreibt den stickstoffbindenden Pilzen wegen ihrer Häufigkeit und wegen ihrer ungemein ökonomischen Verwertung der Kohlehydrate eine be- deutende Rolle im Kreislauf des Stickstoffs zu. Im Walde sollen sie sogar eine Hauptrolle spielen. J. Weese, Wien. Leiniiiger, H. Zur Mori)liol<>f»ie iiiul Physiologie der Fortpflanzung" von Pestalozzia Palmarum Cooke. Centralbl. f. Bakt. IL Abt., Bd. 29, 1911, S. 3—35. Verf. gibt zuerst eine morphologische Übersicht über die zu seinen Untersuchungen verwendete Pestalozzia Palmarum Cooke, die auf ab- |g() Referate. sterbenden Sprossen von Mesenbryanthemum und Echeveria auftrat. Er beschreibt zunächst nach einer allgenoeinen Charakteristik der Gattung Pestalozzia das Myzel des vorliegenden Pilzes, beschäftigt sich eingehend mit der Entwicklung und Beschaffenheit der Sporen, sowie mit der Ab- hängigkeit ihrer Gestalt vom Substrat und macht uns zum Schluß des mor- phologischen Teiles mit den verschiedenen Fruktifikationsformen bekannt. Verf. verzeichnet für Pestalozzia Palmarum Cke. vier Fruchtformen und zwar die Bildung der Sporen an freien Myzelfäden, die Konidienlager, die Pseudopykniden und die echten Pykniden, von denen er uns eine genaue Schilderung gibt und deren Entwicklungsgeschichte er auf verschiedenen Substraten studiert hat. Im physiologischen Teil der Arbeit beschäftigt sich der Verf. mit der Keimung und dem Wachstum des Pilzes und stellt Untersuchungen über die Bedingungen der Fortpflanzung und die Bildung der einzelnen Fortpflanzungs- organe an. Die Avichtigsten Ergebnisse der vorliegenden Arbeit sind folgende: Pestalozzia Palmarum bildet immer dieselben Sporen aus und zwar an einzelnen Hyphen, in Lagern, in Pseudopykniden und in Pykniden. Pykniden kann man sicher erlangen durch die Entziehung der Nähr- stoffe bei einem in Flüssigkeit gewachsenen Myzelium oder durch Über- tragung eines Myzels aus Luft in Wasser nach Entfernung der Nährstoffe. In Flüssigkeiten, in der Luft und auch auf festen Substraten bilden sich bei Nahrungsmangel Pseudopykniden. Wird ein Myzel aus einer Flüssig- keitskultur in feuchten Raum übertragen, so werden Pykniden ausgebildet. Lager und Einzelsporen treten nur in Flüssigkeiten auf, erstere in Mal- tose, Rohrzucker, Mannit, Galaktose, Arabinose; mit Einzelsporen zusammen in Traubenzucker, Rohrzucker, Maltose und Mannit bei Zusatz von stickstoff- haltigen und phosphorhaltigen Salzen. In lOprozentiger Zitronen- und Weinsäure kann der Pilz noch vegetieren, zeigt aber anormale Keimung und anormales Zellwachstum und kann sich nicht fortpflanzen. Verf. will auf Grund dieser Studien erwiesen haben, daß das System der Fungi imperfecti einer Reform auf physiologischer Grundlage bedarf. J. Weese, Wien. üietel, P. (her einige Kulturversuche mit Hyalopsora Polypodii (Fers.) Magn. Annales Mycologici Bd. 9, 1911, S. 530—533. Auf Grund von Kulturversuchen mit Hyalopsora Polypodii bringt der Verf. den interessanten Nachweis, daß es Rostpilze gibt, die sich durch überwinterte Uredosporen zu erhalten vermögen und normalerweise auch er- halten und deren Überwinterung nicht durch das Myzelium stattfindet. Die Referate. XgX Frage, welche ßoUe die Teleutosporen im Leben dieser Pilze spielen und ob diese Organismen eine heterözische Entwicklung haben, harrt noch der Lösung. J. Weese, Wien. Wehmer, C. Hausschwammstudieii. I. Zur Biologie von Coniophora cerebella A. et Schw. Mykolog. Centralbl. Bd. I, 1912, S. 2—10, 4 Fig. Nach den Untersuchungen des Verf. zeigt Coniophora cerebella bei der Kultur in einem streng abgeschlossenen Räume von gleichmäßiger Luft- feuchtigkeit die ausgesprochene Neigung zu starker Luftmyzelentwicklung. Durch das höchst eigenartige Verhalten, unter diesen Bedingungen bei Reagenzglaskulturen in größeren, gut verschlossenen Gläsern mit seinem gelblichen Luftmyzel aus dem Kulturröhrchen durch den Wattepfropfen her- auszukriechen und auf irgend einen erreichbaren Gegenstand überzugehen, läßt sich genannter Pilz leicht von allen anderen Holzpilzen unterscheiden und auch die Identität eines zweifelhaften Pilzes mit Coniophora in Kul- turen sicher feststellen. Coniophora, welcher Pilz einen sehr verbreiteten Schädling der Bauten darstellt und durchaus nicht auf die Kellerräume beschränkt ist, ist der aus- gesprochene Pilz der stickigen Räume, wenn diese nicht völlig trocken sind. Der Pilz greift hier sehr schnell um sich und vermag in kurzer Zeit Fuß- böden und Tragbalken sowohl von Neubauten als auch von alten Häusern zu vernichten. Bei starkem Luftzutritt stirbt der Pilz bald ab. Verf. stellte fest, daß Coniophora — der Pilz tritt meist steril auf — außer Nadelholz auch Buchenholz, aber nie Eiche angreift. Genannter Pilz bedarf nicht direkt nassen Holzes, sondern ihm genügt zu seiner Entwicklung eine entsprechende Luftfeuchtigkeit, die er sich übrigens in abgeschlossenen Räumen selbst genügend erzeugen kann. Verf. konnte Ansteckungsversuche von lufttrockenem Holz mit Reinkulturen von Coniophora erfolgreich durchführen. Die Schäden von Coniophora wurden bisher häufig auf Kosten des Merulius gebucht. Coniophora gedeiht wie Merulius lacrymans am besten auf festen Nährböden. J. Weese, Wien. II. Landwirtschaftliche und technische Mykologie. Kühl, H. Der Milchzucker. Molk. -Ztg., Hildesheim, 26, 1912, S. 31—32. In 6 Milchzucker- Proben des Handels wurden pro Gramm 26400 bis 57300 Keime gefunden (Zählung auf Fleischagar nach 36 Stunden bei 37° C). Durch wiederholtes Umkristallisieren in destilliertem Wasser gereinigtes, speziell von Stickstoff verbin düngen befreites Produkt enthielt nur 900 bis 1100 Keime. Im allgemeinen wächst die Keimzahl mit dem Stickstoffgehalt. Im Handel müßten stickstoffarme Präparate gefordert werden. Löhnis. 10 9 Referate. Weifiinauii, H. fbor die Brauchbarkeit der Giiajaktiiiktur zum Xaeli- weis einer ausreichenden Pasteurisierun§: der Milch, Milchwirtsch. Zentralbl. 41, 1!)12, S. 33—39. In erhitzt gewesener Milch trat (entgegen Tewes' Angaben) nur dann Bläuung ein, wenn große Mengen Futter- oder Mehlstaub beigemischt wurden. Wasser und Bakterien blieben ohne Einfluß. Bei Dampfi^asteurisation er- lischt die Reaktion sicher erst bei Vs stündiger Erhitzung auf 72° (70'' ge- nügt nicht). Positive Befunde bei der polizeilichen Kontrolle pasteurisierter Molkereimilch dürften in der Regel auf ungenügende Erhitzung zurück- zuführen sein. Löhnis. Schroeter, 0. A erj^leichende Prüfung bakteriologischer und biochemischer Methoden zur Beurteilung der 3Iilch. Diss. phil. Leipzig, 1912. Orig.-Ref- Centralbl. f. Bakt., IL Abt., 32, 1912, S. 181—192. Es wurde bestimmt: 1. die Gesamtkeimzahl auf Fleischextrakt-, Ragit- und Molken-Agar (Heyden-Agar bewährte sich nicht); 2. die Zahl der Milch- säurebakterien (nach Beijerinck); 3, die Zahl der Coli -Bakterien (nach Harrison und Vanderleck); 4. Menge und Beschaffenheit des Sediments in der Leukozytenprobe; 5. der Ausfall der Katalaseprobe : (J. das Ergebnis der Reduktionsprobe; 7. das Verhalten in der Milchgärprobe; S. der Azidi- tätsgrad; 9. der Ausfall der Koch- und der Alkoholprobe. Im ganzen wurden 122 Milchproben geprüft. Die Coli-Bestimmung er- wies sich als wenig genau. Die Ergebnisse der Gärprobe und der kombi- nierten Gär -Reduktase -Probe (nach 0. Jensen) differierten in .52 Fällen. Die Resultate sind tabellarisch zusammengestellt und die für 90 Proben er- langten Hauptbefunde auch graphisch wiedergegeben. Die Gesamtkeimzählen beliefen sich in Marktmilch (89 Proben) auf 27ÖO0— 142000000, dnrchschii. 7153000, in Torzugsmilcli (28 ,, ) „ 195.5— 8f)500, „ 20-300. 46 7o der Marktmilchproben enthielten < 1 Million, 24 '^/^ > 10 Millionen Keime. Dagegen blieben 89 '^/^ der Vorzugsmilchproben unterhalb 50000, der für Leipziger Vorzugsmilch behördlich festgesetzten Maximalzahl. Auf die Milch- säurebakterien entfielen 20 — 100 '^/q der Gesamtkeimzahl: relativ keimreiche Vorzugsmilch (17000—86500) enthielt 62%, keimarme Marktmilch (27500 bis 187800) nur 39% Milchsäurebakterien. Die von Vanderleck für die Coli-Bakterien bei 1 *'/q gezogene obere Grenze ist sicher zu eng bemessen. Mikroskopisch als- Mastitis-Streptokokken erscheinende Formen waren in 11 von 89 Marktmilch-, in keiner der 28 Vorzugsmilch-Proben nachweisbar. Die Resultate der Leukozyten- und der Katalase-Probe stimmten im allgemeinen überein; besonders der Verlauf der beiden Kurven ist sehr instruktiv. Ein zulässiger Höchstwert für die Katalaseprobe läßt sich nicht angeben. Der Einfluß des Keimgehalts ist hierbei zwar wahrnehmbar, aber nicht erheblich. Referate. 183 Die Ergebnisse der Reduktionsprobe schwankten z. T. sehr. Z. B.: Keimgehalt . . 17250 1U82000 935000 21000 000 Red.-Zeit (Stdn.) 8,5 > 9 2,25 2,3 Mit ziemlicher Sicherheit scheint man schließen zu dürfen, daß innerhalb 2 Stunden entfärbte Milch > 1 — 1^/, Millionen, solche, die länger als 7 Stunden gefärbt bleibt, < 1 — V/o Millionen Keime enthält. Die Gärprobe bewährte sich von neuem. Durch die Katalaseprobe sind zur Blähung neigende Milch- proben nicht mit Sicherheit ei'kennbar. Säureprüfung, Koch- und Alkohol- probe lieferten in keinem Falle (selbst nicht bei einem Keimgehalt von 142 Millionen) ein bemerkenswertes Resultat. Löhnis. Trillat, A. Actioii des gaz putrides sur la fennent lacticiue. Compt. rend. de l'Acad. Paris 154, 1912, S. 372—374. Wurden auf feuchten Papierstreifen verteilte Milchsäurebakterien der Einwirkung der aus faulender Bouillon entweichenden Gase ausgesetzt, so machte sich ein fördernder Einfluß geltend, der bei der nachfolgenden Prüfung in Milch deutlich hervortrat. Die aus feuchter Erde sich entwickelnde Atmosphäre wirkte analog. Die Gase reagierten neutral, Ammoniak war nicht nachzuweisen; weder dieses noch die Kohlensäure können für den Effekt verantwortlich gemacht werden. Um was für Substanzen es sich handelt, bleibt festzustellen. Löhnis. Coheiidy, M. Experieiices sur la vie sans microbes. Compt. rend. de l'Acad. Paris 154, 1912, S. 533—536. Mit Hühnchen durchgeführte Versuche ergaben , daß sich die steril gehaltenen Individuen während der 45tägigen Beobachtungsdauer ganz normal entwickelten. Zur angemessenen Ausnutzung des (hinsichtlich seiner Be- schaffenheit nicht näher charakterisierten) Futters haben sich demnach die Darmbakterien in diesem Falle als entbehrlich erwiesen. Eine ausführliche Publikation wird demnächst in den „Annales de l'Institut Pasteur" erscheinen. Löhnis. Puppel, R. Über Streptokokkeu in der Milch und im Säuglingsstuhl. Zeitschr. f. Hygiene 70, 1912, S. 449—496. Die Milchstreptokokken sind nicht virulent und wirken nicht hämolytisch Dasselbe gilt im großen und ganzen auch für die Streptokokken der chroni- schen Rindermastitis. Streptokokken finden sich regelmäßig im Darm und auf allen anderen Schleimhäuten bei Mensch und Tier. Die Milchsäure- Streptokokken sind sicher nicht pathogen, aber auch die etwa mit der Milch aufgenommenen Mastitis-Streptokokken spielen im menschlichen Darm zwei- fellos nicht die verhängnisvolle Rolle, die ihnen von verschiedenen Seiten zugeschrieben wurde. Selbstverständlich ist aber die Rinder-Mastitis energisch zu bekämpfen und Mastitis-Milch vom Genüsse möglichst auszuschalten. Löhnis. -[ y4 Referate. Rahii, 0. Die Stuiulengärleistiing: der Eiiizelzelle von Bact. lactis aeirti. Centralbl. f. Bakt. II. Abt. 82, 1912, S. 375—406. Die aus einer größeren Zahl von Versuchen resultierende Folgerung, daß die enzymatische Milchsäurebildung zeitlich der Zellvermehrung in gewissem Abstände nachfolgt, glaubt Verf. durchaus ablehnen zu müssen. Seine Ansicht geht dahin, daß Vermehrung und Säurebildung im wesent- lichen parallel verlavifen. Dies könne allerdings nicht bewiesen werden, da die in der ersten Zeit gebildeten Säureraengen sich dem chemischen Nach- weise entziehen. Aber: „Wenn wir die Gärung als Kraftquelle für die Bak- terien ansehen, dann ist es sogar notwendig, daß zur Zeit des kräftigsten Wachstums auch die Säuremenge pro Zelle am größten ist". Daß gerade die Laboratoriumskulturen von Milch säurebakterien oft gar keine Säure bilden und trotzdem recht gut weiterwachsen, spricht allerdings nicht für die Richtigkeit dieser Annahme: die feststehende und jederzeit leicht erweisliche Tatsache, daß gar nicht selten Wachstumsintensität und Gär- vermögen im umgekehrten Verhältnis stehen, wird vom Verf. (zu Unrecht) bestritten. Die vorgeführten Versuche bestätigen die bekannte Tatsache, daß in alten Kulturen sowohl Wachstum wie Gärfähigkeit abnehmen, aber — „das Wachstum ist früher unterdrückt als die Gärung". Und berechnet man aus den mitgeteilten Tabellen die jedesmaligen Zunahmen der Keimzahl und des Säuregrades, so ergibt sich ein deutliches Voran eilen der Keimvermehrung. In Übereinstimmung hiermit säuerten junge Bouillonkulturen weniger lebhaft als etwas ältere, während sich für Milchkulturen das Gegenteil herausstellte. Von seinem Standpunkte aus vermag Verf. keine Erklärung für diese Diffe- renzen zu geben. Bleibt man dagegen bei der bisher allgemein anerkannten (nach Ansicht des Ref. allein logischen) Annahme, daß die Gärung in jungen Kulturen langsam einsetzt, in älteren den Höhepunkt erreicht und in alten Kulturen wieder allmählich absinkt, so findet auch dieser Punkt sofort seine Erledigung. In den Bouillonkulturen waren die Keimzahlen klein bis mittel- groß, in den Milchkulturen dagegen mittelgroß bis sehr groß, d. h. die Kulturen waren im ersten Falle teils sehr jung, teils ziemlich jung, im zweiten Falle dagegen entweder noch ziemlich jung, oder aber auch schon alt, und die differenten Leistungen entsprachen so der vom Verf. bekämpften Annahme vollkommen. Unter Zugrundelegung seiner Hyi^othese und der weiteren Voraussetzung, daß die Vermehrung der Bakterien stets in geometrischer Progression erfolge, konstruiert Verf. eine Formel zur Errechnung der Stundengärleistung (der „Gärkraft") einer Einzelzelle. Diese wird für Bact. lactis acidi zwischen 8,9 und 160 X lO^i« ^ig liegend gefunden, eine „Durchschnittzelle" soll 14 X 10-i'J mg, also ungefähr das eigene Körpergewicht an Säure bilden. Anderslautende Befunde sollen unrichtig sein. Löhnis. Referate. 185 Olseii-Sopp, 0. J. Taette, die iiriiordisclie Dauerniilch und verwandte Milchsorten, sowie ihre Bedeutung- für die Tolksernährung (erste Serie). Centralbl. f. Bakt. II. Abt. 33, 1912, S. 1—54 m. 1 Tafel. Die Taette (norwegisch) oder Tättemjölk (schwedisch) ist dicht (zähe), zuweilen fadenziehend, nicht eigentlich koaguliert, riecht und schmeckt säuerlich, aromatisch. Sie wird stets aus frischer Milch unter Verwendung von etwas älterem Material als Impfstoff hergestellt. Von Mikroorganismen wurden gefunden: ein fadenziehender „Streptobacillus" (oder Streptococcus), ein Laktobacillus , ein sporenbildender Saccharomyces Taette, ein sehr ähn- licher, aber nicht sporenbildender Organismus, verschiedene Torula- und Moniliaformen, Laktococcus und Oidium lactis. Die zuerst genannten drei Mikroben sind die wichtigsten. Die Hefenflora wechselt nicht selten. Oidium lactis ist nur schädlich. Der Lactobacillus Taette unterscheidet sich von den im übrigen sehr ähnlichen Laktobazillen anderer fermentierter Milchsorten vor allem durch sein relativ geringes Wärmebedürfnis: zwar liegt auch bei ihm das Optimum bei 33 " C, aber er vermag noch in Reinkultur bei 4 — 5 ^, in Mischkultur sogar bei 3° C, wenn auch langsam, zu wachsen und an- sehnliche Säuremengen zu bilden. Auch Rohrzucker und stärkehaltige Sub- stanzen werden von ihm rasch gesäuert. Gute Taette enthält ca. 1 7o Milchsäure, ^2 — 1 7o Alkohol, 0,03 — 0,15 7o Kohlensäure; mitunter ist auch etwas Kaseinlösung und eine geringe Fettzersetzung wahrnehmbar. Wegen der speziellen Angaben über die Eigenschaften der Taette- Organismen und über die Wirkung der Mischkulturen muß auf das Original verwiesen werden. In Übereinstimmung mit einem weitverbreiteten Glauben, demzufolge Taette auch unter Verwendung des Fettkrauts (Pinguicula) hergestellt werden kann, gelang es Verf; mit Hilfe von jungen Pinguicula -Sprossen (nicht da- gegen mit älterem Material) eine zähe Milch zu erhalten. Die echte Taette diente früher oft zur Herstellung sogen. „Kellermilch", die als Dauerware für Zeiten des Milchmangels vorrätig gehalten wurde und für deren Verwendung Verf. warm eintritt. Man bereitet sie stets aus ge- kochter Milch, die mit Taette geimpft wird, in großen bis 300 Liter fassen- den Holzfässern. 15 — IS'' C ist hierfür die geeignetste Temperatur; dagegen erfolgt die Aufbewahrung am besten bei 10 ^ C. Die Kellermilch wird oft 10 Monate, mitunter 2 Jahre lang aufbewahrt; zum Trinken wird sie mit Wasser, zum Essen mit süfier Milch vermischt. Taette gibt auch guten „Kellerkäse", zu dessen Bereitung sie früher wahrscheinlich in größerem Umfange benutzt wurde. Zur Herstellung von Gammelost und Pultost, den verfeinerten Abarten des „Kellerkäses", dient sie dagegen nicht mehr. In schlechter, „falscher" Taette wurde ein „Knorpelbacillus" gefunden, der Bac. cartilagineus benannt wird und nach der unvollständigen Beschrei- bung eine gallertbildende Form aus der Mesentericus-Gruppe zu sein scheint. Löhnis. IQQ Referate. Hesse, A. Katalase in Butter. Molk.-Ztg., Hildesheim, 26, 1912, S. 81—84. 100 g Butter wurden bei 45 '^ C geschmolzen, mit 40 ccm Wasser von 45° C geschüttelt und nach dem Absetzen in 15 ccm Buttermilch die Katalase- zahl in der üblichen Weise bestimmt. Die Werte schwankten für ver- schiedene Butterproben zwischen 0,36 — 1,80. Bestimmte Beziehungen zwischen Wassergehalt. Säuregrad und Qualität der Butter waren nicht erkennbar. Doch scheint eine hohe Katalasezahl auf nicht sachgemäße Herstellung zu deuten. Einige Versuche in dieser Richtung wurden ausgeführt; weitere sollen folgen. Löhnis. Gorini, C. Das Verhalten der säurelabbildenden Bakterien (acido- pro- teolytischen Bakterien) des Käses gegenüber niedrigen Temperaturen hinsichtlich ihrer Mitwirkung beim Reifen der Käse. Milchwirtsch. Zentralbl. 41, 1912, S. 18—17. Im Gegensatz zu den Milchsäure -Streptokokken vermehren sich die säurelabbildenden Mikrokokken auch noch unterhalb 10° C. Allerdings tritt die Säureproduktion hierbei gegenüber der peptonisierenden Wirkung stark zurück. Die Enzyme bleiben auch bei - 5° C in Aktion. Für die Vor- gänge bei der Kältereifung und bei dem „Überwintern" der Parmesankäse sind diese Tatsachen von Bedeutung. Löhnis. Nierenstein, M. Contributions to the Chemistry of Cheddar Cheese. Journ. Agric. Science 4, 1912, S. 225 — 244. Von den schon genauer erforschten Emmentaler und amerikanischen Ched- darkäsen differiert der bisher nicht näher untersuchte englische Cheddarkäse besonders im späteren Reifungs-Stadium. Zunächst wurden die im Reifungs- prozeß selbst entstehenden Produkte festgestellt: über die Tätigkeit der einzelnen Reifungsfaktoren (Bakterien, Enzyme usw.) soll später berichtet werden. Es wurden isoliert: 1. intermediäre Verdauungsprodukte (Albumine), 2. Aminosäuren, 3. sekundäre (aus den Aminosäuren entstehende) Produkte. Wie im Emmentaler Käse fanden sich auch im englischen Cheddarkäse Caseoglutin und Tyrocasein. Von Aminosäuren wurden ermittelt: Glyzin, Alanin. Valin, Leucin, Isoleucin, Phenylalanin, Tyrosin, Serin, Glutaminsäure, Tryptophan, Lysin, Aminobuttersäure , Aminovaleriansäure. Dagegen war Arginin nicht nachweisbar. Intermediäre Polypeptide konnten nicht isoliert werden. Putrescin, Cadaverin, wahrscheinlich auch Briegers Diamin waren vorhanden. Löhnis. Kossowicz, Alexander. Die Fäulnis und Haltbarmachung der Eier. Mo- natshefte f. Landwirtschaft, Jahrg. 5, Febr. 1912, Heft 2, S. 43. Der Verf. bespricht zunächst die Pilzinfektion der Eier bei ihrem Ent- stehen, um sich dann hauptsächlich einer kritischen Besprechung jener Arbeiten zuzuwenden, die Beweise für das Eindringen von Mikroorganismen durch die unverletzte Eischale gebracht zu haben glauben. Er zeigt an den Referate. 187 Abhandlungen von Zörkendörfer und Piorkowski, daß die Schlußfolge- rungen dieser Autoren im Widerspruche zu deren eigenen Versuchsergebnissen stehen, denen zufolge gerade die Annahme gerechtfertigt wäre, daß Bakterien die frische unverletzte Eischale nicht zu durchdringen vermögen. Der Ver- fasser wendet sich gegen die Beweiskraft aller Versuche, die mit ausge- blasenen Eiern, mit solchen, die mit Bouillon gefüllt wurden, mit sterilisierten oder mit sehr nachdrücklich gereinigten Eiern ausgeführt wurden, und ebenso jener, bei denen die Eier in flüssige infizierte Nährböden (Nähr- lösungen) eingebracht wurden, da durch die Reaktionsänderungen der Nähr- böden infolge der fortschreitenden Bakterienentwicklung und durch die Bildung verschiedener Stoffwechselprodukte eine chemische Änderung der Eischale veranlaßt werden kann, die eben erst dadurch für Mikroorganismen passierbar wird. Verf. weist auch auf die Angaben Latschenkos über die Bakterizidie des Hühnereiweißes hin, die er bestätigen konnte und die nach Versuchen des Ver- fassers auch für Schimmelpilzsporen und Weinhefe besteht. Allerdings ist diese Bakterizidie nach Angabe des Verf. nur für frische Eier deutlich nach- weisbar und erfährt mit dem Altern der Eier eine auffällige Schwächung. Nach Ansicht des Verf. besteht in bezug auf das Passieren der unver- letzten Eischale durch Mikroorganismen ein wesentlicher Unterschied zwischen frischen und älteren Eiern. Dies geht aus den eigenen Versuchen des Verf. mit Schimmelpilzen hervor, von denen nur Clado- sporium hevbarum und Phytophthora infestans und auch diese erst nach Verlauf von mehreren Wochen bis Monaten (je nach den Versuchs- bedingungen) die unverletzte Eischale zu durchdringen vermochten. Der Verf. beschreibt auch die verschiedenen Zersetzungserscheinungen, die an faulenden Eiern zu beobachten sind, hebt die Bildung von Giftstoffen bei der Fäulnis der Eier hervor, und bespricht zuletzt die verschiedenen üblichen und empfohlenen Konservierungsmethoden für Eier. In die Original- arbeit haben sich ohne Verschulden des Verf. einige sinnstörende Druckfehler eingeschlichen. Autoreferat. Külümoif, Ch. J. Über eine unbekannte Brotgärung. Mitteilung aus der staatl. landw. Versuchsstation in Sofia (Bulgarien) , Estestwoznanie, III. Jahrg. H. 4, Sonderabdruck. Verf. l^at mykologische Untersuchungen über die Brotgärung des in Bulgarien und in der Türkei viel verbreiteten Kicherbrotes ausgeführt. Das Kicherbrot (nahuten Chleb, Simit, Gewrek) wird aus feinstem Weizen- mehl hergestellt, dem man an Stelle von Sauerteig oder Hefe den sogenann- ten „Kwassez" zugesetzt hat. Die Bereitung des „Kwassez" erfolgt, indem man ca. 20 g Kicher (Cicer arietinum) in einem Porzellanmörser grob zer- kleinert, dann in einen Topf schüttet, ^'3 S Kochsalz zusetzt und mit ^/^ Liter kochenden Wassers übergießt. Der gefüllte Topf wird mit einem wollenen Tuch umwickelt und bei einer Temperatur von 35—40*^ C gehalten. Zeitschr. f. Gärungsphysiologic. Bd. I. 1,3 \QQ Referate. Nach Verlauf von 12 — 15 Stunden tritt eine kräftige Gärung unter starker Schaumbildung ein. Die Gärung ist eine Milchsäure- Alkoholgärung. Der Säuregehalt (als Milchsäure berechnet) steigt von 0,14^0 »ach 24 Stunden auf 0,16 7o, nach 80 Stunden auf 0,2 ^q. Das freiwerdende Gas ist ein Ge- misch von 7? ^ol. Wasserstoff und ^/- Vol. Kohlendioxyd. Methan wurde nicht aufgefunden. Der Alkohol wurde mit Hilfe der Jodoformreaktion nachgewiesen. Die gärende Flüssigkeit wird dekantiert, hierauf mit Weizen- mehl zu einem Teig geknetet, den man als Kwassez bezeichnet. Das Kicher- brot zeigt einen angenehmen Geschmack und ein feines Obstaroma. [Der Verf. isolierte eine sporenbildende Stäbchenbakterie, die er als Bacillus macedonicus bezeichnet und für den Erreger der Kichergärung ansieht. Die mikroskopische Prüfung der gärenden Flüssigkeit ergab das Vorhanden- sein zu zweien auftretender Stäbchen von 3,5 bis 4,5 u Länge und 1 bis 1,3 /i. Breite. Auf Fleischagar kamen die gleichen Stäbchen zur Entwicklung. Die Sporen waren zylindrisch. Die Kolonien erschienen auf diesem Nähr- boden bei 21 — 22 '^ C als kartoffelfarbige glänzende Flecken; die bei 40" C gehaltenen Kulturen zeigten baumartige Verzweigungen. Auf Gelatine ent- wickelte sich die Bakterie meist nicht, doch trat anderseits auch starke Verflüssigung der Gelatine ein. In Bouillonkulturen waren die Stäbchen 5 — 6 /j lang und 1 — 3 /j breit: sie bildeten darin machmal auch eine schwer zerreißbare Haut, die aus einem Gewebe langer Fäden bestand. Milch wurde zur Gerinnung gebracht. In der geronnenen Milch konnte auch eine Gasbildung beobachtet werden. Kartoffelzuchten zeigten manchmal eine violette Verfär- bung. Der Arbeit sind drei Abbildungen beigegeben. (Anmerkung des Refe- renten: Die Zuzählung der aufgefundenen Bakterie zur Coli-Gruppe durch den Verf. ist nach dem angegebenen morphologischen Aussehen und dem kulturellen Verhalten nicht zulässig. Es erscheint übrigens recht zweifelhaft, ob der Verf. dieser im übrigen interessanten Arbeit tatsächlich immer Reinzuchten vor sich gehabt hat. Die gärende Flüssigkeit, ganz besonders aber der er- haltene Kwassez, werden, wäe man dies aus den vorliegenden Untersuchungen ähnlicher Produkte schließen kann, wohl eine mannigfaltigere Miki'oflora aufweisen. Eine diesbezügliche Nachprüfung, wenn tunUch unter Verwendung der Burrischen Tuschepunktkultur wäre zu empfehlen. Als tatsächlicher Erreger der in Frage stehenden Gärung könnte die isolierte Bakterie erst nach erfolgreichem Impf versuch angesehen werden, der um so leichter aus- geführt werden kann, als ja die Sterilisierung der frischen Kicherlösung keine Schwierigkeiten bietet. Von Interesse erscheint auch die Frage, wie weit Hefen an der Kicherbrotgärung beteiligt sind.) A. Kossowicz. Simon, J. Bericht über Arbeiten aus dem bakterioloj^ischen Laboratorium der Königl. Pflanzenpliysiologischen Yer.suchsstation für die Jahre 1909 und 1910. Sachs, landw. Zeitschr. 60, 1912, S. 16— lU. Die seit 10 Jahren an der Dresdner Station durchgeführten Versuche über Leguminosen -Impfung haben dazu geführt, ein besonders wirksames Eeferate. j^gg Präparat (Erdkultur der Knöllchenbakterien) darzustellen, das seit 1910 unter der Bezeichnung ..Azotogen" von der Firma Hu mann und T eis 1er in Dohna, Bez. Dresden vertrieben wird. Unter Heranziehung anderer Impf- stoffe durchgeführte Feldversuche erv^^iesen stets die Überlegenheit des Azotogens. In Nitrobakterine vearen nie Knöllchenbakterien nachweisbar; Nitragin der „Agrikultur werke" in Wesseling-Cöln (Dr. A. Kühn) war stets sehr reich an fremden Keimen. Verf. betont, daß zwischen den gut wirken- den „Nitragin "-Kulturen Hiltners, die im Handel aber nicht zu haben sind, und dem wenig wirksamen „Nitragin" A. Kuhns scharf unterschieden werden müsse. Die Kosten einer Leguminosenimpfung beliefen sich (nach den An- fang 1910 geltenden Preisen) pro ha: Nitragin bei Azotogen Xitrobakterine Inland Kolonien Parmogerni Nitrocnlture auf 4 5,60 7,50—15 11—22 21,25 40 M. Starke Kalkung beeinträchtigte (in Topfversuchen) Knöllchenausbildung und Wachstum der Serradella nicht. Dagegen wurde diese sehr geschädigt durch eine zur Unterdrückung des Hederichs versuchsweise in Anwendung ge- brachte Eisenvitriol-Bespritzung. Löhnis. Niklewski, B. Bodenbakteriologisclie Beobaclituu^en als Mittel zur Be- urteilung von Böden. Centralbl. f. Bakt., H. Abt., 32, 1912, S. 209—217. Den Wert mikrobiologischer Bodenuntersuchung erblickt Veri. vor- nehmlich in der Möglichkeit, gewisse physikalische und chemische Eigen- schaften der Böden exakter zu studieren, als dies mit Hilfe der jetzigen physikalischen und chemischen Methoden erreichbar sei. Wurde Erde außer mit anderen Nährsalzen mit wechselnden Mengen (NH^jgSO^ und Zellulose versetzt, so zeigte sich bei Bes.timmung der entstehenden Kohlensäure, daß das Optimum bei 1 (NH4)2S04 : 10 Zellulose gelegen war. Aus dem Ver- hältnis der bei Stickstoffzugabe eintretenden Steigerung der Kohlensäure- produktion zu der Höhe der gesamten Kohlensäure Entwicklung aus der nicht mit Stickstoff versetzten Erde, scheint ein Rückschluß auf den im Boden vorhandenen Vorrat an verfügbarem Stickstoff möglich zu werden. Löhnis. Russell, E. .J. and Petherbridge, F. R. Partial Sterilisation of Soll for (Jlasshouse Work. Journ. Board of Agric. 18, 1912, No. 10. Eine partielle Sterilisation der in Treibhäusern benutzten Erde wirkt günstig durch Förderung der Umsetzungen und Abtötung von Schädlingen. Am häufigsten und mit bestem Erfolge wurde die Erhitzung (auf 180 — 200*^ F) in Anwendung gebracht, seltener ein Zusatz von ^j^^U Toluol oder Schwefel- kohlenstoff. Die Kosten stellten sich auf ^/o — 1 sh pro Tonne Erde; das Verfahren ist demnach auch pekuniär für Treibhausanlagen von Vorteil, da es das häufige Erneuern und Brach-Liegenlassen der Erde überflüssig macht. Löhnis. 13* 190 Referate. Molliard, M. L*huiiius est-il uiie source directe de carboiio |>our les plaiites vertes superieiires^ Compt. rend. de l'Ac. Paris 154, 1912, S. 291—294. Humus scheint nur als CO., -Quelle nützlich zu sein, nicht als direkte C-Q,uelle. tJber einige Versuche, die z. T. mit sterilisierter Erde, bezw. mit steril erzogenen Pflanzen (Radieschen) durchgeführt wurden, wird referiert; weitere Experimente werden in Aussicht gestellt. Löhnis. Müiitz, A. et (j^audeclioii, H. Le reveil de terre. Compt. rend. de l'Acad. Paris 154, 1912, S. 163—168. Wie verschiedene andere (nicht genannte) Autoren finden Verff. , daß die Intensität der Salpeterbildung im Frühjahr auffallend rasch ansteigt und zwar auch dann, wenn die Erde konstant bei nur 2" C aufbewahrt wird. Sie bringen diese Erscheinung in Zusammenhang mit der im Frühjahr neu einsetzenden Tätigkeit des Bodens, die von den französischen Landwirten bezeichnet wird mit „la terre est en travail", „la teiTe est en amour" oder „la terre est amoureuse". Löhnis. Fred, E. B. Eine physiolog^ische Studie über die iiitratreduziereiiden Bakterien. Centralbl. f. Bakt. H. Abt. 32, 1912, S. 421—449, m. 6 Taf. und 9 Kurven. B. fluorescens, pyocyaneus, Hartlebi und denitrificans wurden (meist in Giltay- Lösung) hinsichtlich ihrer Befähigung zur Reduktion von Nitrat und von Farbstoffen geprüft. Bei gleicher N- Menge wurden die verschiedenen Nitratformen (KNO3, NaNOg, Ca(N03)2, NH^NOg) gleich rasch denitrifiziert. Die Kurven für die Nitrat- und für die Methylenblau -Reduktion verlaufen sehr gleichartig. Löhnis. Sewerin, S. A. Die 3IobiIisieriiiig der Phosphorsäure des Bodens unter dem Einfluß der Lebeustätigkeit der Bakterien. 2. Mitteil. Centralbl. f. Bakt. IL Abt. 32, 1912, S. 498—520. In Fortfühnxng früherer Untersuchungen wurde zunächst geprüft, ob in sterilisierter, mit Erdinfus geimpfter Schwarzerde eine Phosphat lösende Wirkung der Mikroorganismen wahrzunehmen ist. Die Ergebnisse waren auch diesmal negativer Art. Trotz kräftiger COg -Entwicklung war keine Zunahme an löslichem Phosphat zu konstatieren ; dagegen war diese deutlich in der sterilisierten Erde. Desgleichen wurde vergeblich versucht, auf Tri- kalziumphosphat-Agar phosphatlösende Bakterien zu isolieren (was mit Rück- sicht auf den unterbliebenen Zuckerzusatz allerdings nicht wundernehmen kann). Von verschiedenen Reinkulturen, die in mit Phosphorit versetzte Erde eingeimpft wurden, zeigten nur B. radicicola und pyocyaneus eine geringe lösende Wirkung. Die COg - Entwicklung war hier bedeutend schwächer als in den Mischkulturen; zwischen diesem Prozeß und der Phos- phatlösung besteht also kein Parallelismus. Löhnis. Referate. 191 Tog^el, J. Untersuchungen über «las KalibedUrfnis von Azotobakter. Centralbl. f. Bakt. II. Abt. 32, 1912, S. 411—421. In Übereinstimmung mit früher erlangten eigenen Befunden kommt Verf. (entgegen H. Krzemieniewska) erneut zu dem Resultat, daß Azoto- bakter wahrscheinlich ohne Kali zu existieren vermag. Jedenfalls genügen die sehr geringen, nie vollständig auszuschließenden Kalispuren zu einer allerdings nur dürftigen Entwicklung. Mit Kalzium und Phosphorsäure ver- hält es sich ganz anders ; bei Ausschluß dieser Stoffe kommt kein Wachstum zustande. Eine fördernde Wirkung des Kali ist aber nicht in Abrede zu stellen. Löhnis. Caron, H. von. Untersuchungen über die Physiologie denitrifizierender Bakterien. Centralbl. f. Bakt. II, Abt. 33, 1912, S. 62—116. Unter Verwendung von Bact. Hartlebi, pyocyaneum und fluorescens wurden entweder in Dextrose-Salpeter-Lösung oder in Erde Versuche durch- geführt, die größtenteils Bekanntes bestätigen. Als zur Denitrifikation optimale Dextrosegabe wurde (für Pyocyaneus) 1 ^/^ gefunden ; dadurch wurde die Zersetzung von l\2Vo Salpeter ermöglicht. Zur Eiweißbildung wurden pro Milligramm Nitrat-N meist ca. 100 mg (40 — 260 mg) Zucker verbraucht. Löhnis. Ritter, G. A. Das Trocknen der Erden. Centralbl. f. Bakt. IL Abt. 33, 1912, S. 116—143. In Fortführung einiger von Rahn ausgeführten Experimente findet Verf. erneut, daß die Kohlensäureproduktion und ebenso die Bildung organischer Säuren ini ümsetzungsversuch durch das vorherige Trocknen der Erde eine mehr oder minder deutliche Verstärkung erfährt. Diese Erscheinung wird auf eine „Selektion" der kräftigsten Keime (oder nach Verf. der mit der größten ,. Virulenz" [d. i. Giftigkeit!] ausgestatteten) zurückgeführt : die jeden- falls nicht unwichtige Dezimierung der Protozoen bleibt unbeachtet. Weil infolge des schwankenden Wassergehalts, ungleicher Temperaturen (und vor allem infolge Einwirkens anderer, nicht berücksichtigter Faktoren) die Tätig- keit der Böden inkonstant ist und sein muß, wird empfohlen, die zu Um- setzungsversuchen bestimmte Erde längere Zeit vor der Verwendung bei verschieden hoch bemessenem Wassergehalt aufzubewahren und dann immer nur gleiche Volumina (nicht gleiche Gewichtsmengen) zur Impfung zu ver- wenden. Verf. meint: „Nur so lassen sich über den Tätigkeitsgrad mehrerer verschiedener Erden deutliche, sofort faßliche verständliche Vorstellungen gewinnen", und verspricht, in einer späteren Arbeit näher hierauf einzugehen. Ref. vermag dem Vorschlage aus an anderer Stelle anzugebenden Gründen nicht zuzustimmen. Löhnis. 192 Referate. Heiiscliel, G. Das Verhalten fies teolmisclieii Kalziumzyanainids bei der AufbeAvahruiig- sowie unter dem Einfluß von Kulturböden und Kolloiden. Diss. i)hil. Leipzig, 1912. 75 S. Bei der Aufbewahrung konnte nie ein Stick stoffverlust beobachtet werden. Die relative Verringerung des Stickstoff gehalts findet in der Ge- wichtserhöhung der Substanz ihre Erklärung. In einigen Fällen kam es zu einer lebhaften Harnstoffbildung. Sechs verschiedene Kulturböden und eine größere Zahl von anorgani- schen und organischen Kolloiden gaben, wenn sie trocken sterilisiert worden waren, Veranlassung zu einer lebhafteren Zyanamidumsetzung als in nicht sterilisiertem Zustande. Dagegen war im sterilisierten Substrat nie eine Ammoniak- oder Salpeterbildung wahrnehmbar. Der umgesetzte Stickstoff erschien nur z. T. als Dizyandiamid und als Harnstoff wieder: was aus dem nickt nachweisbaren Reste wurde, bleibt noch festzustellen. Im Boden sind für die Zyanamidumsetzung jedenfalls die Humusstoffe von größter Wich- tigkeit. Löhnis. Bottoiuley, W. K. The root nodules of Myrica (iale. Ann. of Botany 26, 1912, s". 111—116 w. 2 plates. Die äußere und innere Struktur der Knöllchen wird beschrieben und abgebildet, die isolierten Organismen werden mit Bact. radicicola identifiziert. In 1 proz. Maltoselösung gezüchtet , assimilierten sie in 7 Tagen bei 25 ° C 2,05 mg Stickstoff. Knöllchenfreie Myrica-Pflanzen wuchsen in sterilisiertem, stickstoffarmem Boden nur sehr kümmerlich; Impfung mit Myrica-Bakterien rief Knöllchenbildung und üppige Entwicklung hervor. Löhnis. Spratt, E. R. The morpliology of tlie root tubereles of Alnus and Elaeag:nus and tlie polymorpliism of the or^anisni causing- their for- mation. Ann. of Botany 2ü, 1912, S. 119—127 w. 2 plates. Verf. untersuchte eingehend die Knöllchen von Alnus incana, Elaeagnus edulis und rhamnoides. Im Gegensatz zu anderen Autoren wird als wirk- samer Organismus eine mit Bact. radicicola identifizierte Bakterie angesehen. Diese assimilierte in Iproz. Saccharose -Lösung (in 10 Tagen bei 25*^ C) 2,5 — 3,5 mg N. Der Polymorphismus wird darin erblickt, daß unter Um- ständen (in den Knöllchen besonders in der kälteren Jahreszeit) große kugelige Gebilde auftreten, die 10 Minuten dauerndes Kochen vertragen und bei ge- änderten Bedingungen wieder die normale Kurzstäbchenform entstehen lassen sollen. Löhnis. Molisoh, H. Neue farblose Scliwefelbakterieu. Centralbl. f. Bakt. IL Abt. 33, 1912, S. 55—62, m. 2 Tafeln. Hillhousia mirabilis West et Griffith wird mit dem seit 1897 bekannten Achromatium oxaliferum Schewiakoff identifiziert. Sechs neue marine Formen werden aufgeführt und von Süßwasserformen ein großes Spirillum granu- Kofevate. 193 latum beschrieben und abgebildet, das dem Thiospirillum Winogradskii Ome- lianski jedenfalls sehr nahe steht. Zur Anhäufung der Schwefelbakterien verfährt Verf. derart, daß er in einem Glasgefäß eine 2—3 cm hohe Schlamm- schicht mit Leitungswasser übergießt, dem er pro Liter eine Kinderhandvoll getrocknete Elodea- Sprosse und ^2 Teelöffel voll Gips hinzugefügt. Nach 2 — 3 Wochen kommen im Licht vorwiegend Purpurbakterien, bei Licht- abschluß farblose Formen vermischt mit Eisenbakterien zur Entwicklung. Löhnis. Boullaiig:er, E. Actioii du soufre en fleur sur la Vegetation. Corapt. rend. de lAcad. Paris 154. 1912, S. 369—370. Bei Gefäßversuchen erwiesen sich schwache Düngungen mit Schwefel- blume (0,10 g pro 7 kg Erde oder 10 g pro 30 kg Erde) als sehr förderlich. Die Erntesteigerung trat nur im keirahaltigen, nicht im sterilisierten Substrat hervor. Die hiernach zu vermutende günstige Beeinflussung der Boden- organismen soll weiter untersucht werden. Löhnis. Deinoloii, A. Sur raction fertilisaiite du soufre. Compt. rend. de l'Acad. Paris 154, 1912, S. 524—526. Die ertragssteigernde Wirkung einer Schwefeldüngung wird bestätigt. Speziell wird der im Roh Ammoniak vorhandene, im Mittel 40 Prozent be- fragende Schwefelgehalt als nützlich angesprochen. Der günstige Effekt beruht nach Verf.s Ansicht nicht in einer spezifischen Einwirkung auf die Mikroflora des Bodens, sondern in einer direkten Beeinflussung der Chloro- phylltätigkeit. Eine geringe Sulfatbildung im Boden wird nachgewiesen; ob stärkere Sulfatdüngungen die Schwefelwirkung aufheben, soll noch ge- prüft werden. Löhnis. Schwarz, L. und Auniann. tber Trinkwasserbehandhinj»- mit ultra- violetten Strahlen. Zeitschr. f. Hygiene Bd. 69, 1911, S. 1. Verf. stellten mit einem Apparat, der von der Quarzlampengesellschaft Hanau geliefert wurde und bei welchem die Lichtquelle innerhalb des Wassers angebracht ist, Versuche über dessen Sterilisationswert an. Sie fanden, daß der Keimgehalt des Wassers selbst nach kurzer Einwirkung beträchtlich sinkt. Selbst die Sporenformen unterliegen dem Einfluß der ultravioletten Strahlen. Später arbeiteten sie mit einem Apparat der Westinghouse Cooper-Hewitt Gesellschaft, bei welchem sich die Lichtquelle oberhalb des Wassers befindet und das Wasser durch eingebaute Wände einen längeren Weg zurücklegen muß und einige Male in nächster Nähe von der Quarzlampe vorbeigeführt wird. Die Leistungsfähigkeit des letzteren Apparates beträgt 600 Liter, die des ersteren 60 Liter pro Stunde. Es wird darauf hingewiesen, daß an- organische Trübungen den Wert der Sterilisation sehr herabsetzen. Mit einem Apparate der Quarzlampengesellsch. Hanau arbeiteten auch Grimme und Weldert. Mitt. aus der Kgl. Prüfungsanstalt für Wasservers. u. Ab- wasserb. Heft 14, 1911, S. 85. ■ Zikes. 1^94 Referate. III. Pflanzenkrankheiten und Systematik der Pilze. Geiger, A. Beiträge zur Kenntnis der Sproßpilze ohne Sporenbildung. Ctbl. f. Bakt. IL Abt., Bd. 27, 1910, S. 97. Verf. hat vier Sproßpilze aufgefunden, für welche er den neuen Gattungs- begriff Pseudoraonilia aufstellt. Diese Gruppe von Pilzen w^ird folgender- maßen charakterisiert. Zellformen sehr mannigfaltig, in jungen Kulturen heri'schen gedrungene Sproßzellen vor, in älteren dagegen überwiegt bei weitem ein mehr oder weniger verzweigtes meist dünnes, querwandfreies Fadenmyzel. Zeigt kräftige Decken Vegetation, gegenüber welcher die Boden- satzbildung völlig zurücktritt. Häute derb und in sich fest zusammenhängend, mitunter von knorpeliger Beschaffenheit. Keine oder nur schwache alko- holische Gärung. Verf. unterscheidet Pseudomonilia albomarginata, Ps. rubescens, Ps. mesenterica, Ps. cartilaginosa. Zikes. Zikes. Heinrich. Zur Nonienklaturfrage der Apieulatushefe. Ctbl. f. Bakt. II. Abt., Bd. 30, 1911, S. 145. Verf. hat zwei Apiculatushefestämme, von welchen der eine aus Most, der zweite aus Bier isoliert worden war, auf die verschiedenste Weise zur Sporulation zu bringen versucht, aber ohne Erfolg. Er ist daher der An- sicht, dal) man die Apiculatushefen, nachdem von Lindner und Rohling sporulierende Arten gefunden wurden, viele andere Forscher aber, die sich mit der Apieulatushefe beschäftigten, gleich ihm, nie Sporenbildung be- obachten konnten, in zwei Gruppen unterscheiden müsse. Die s])orenbildende soll den echten Saccharomyceten eingereiht und mit Hanseniaspora, die zweite aber vorläufig zu den fungi imperfecti gerechnet und mit Hansenia bezeichnet werden. Unter Berücksichtigung dieser Bezeichnungen könnte man die von Lindner gefundene Hefe Hanseniaspora Lindneri, die gewöhn- liche in Most auftretende Hansenia vini nennen. Autoreferat. Fischer, Ed. Über die Spezialisation des Uromyces caryophyllinus (Schrank) Winter. Mykolog. Centralbl. Bd. I, 1912, S. 1—2. In dieser vorläufigen Mitteilung zieht Verf. auf Grund seiner Infektions- versuche den Schluß, daß der Uromyces caryophyllinus auf Tunica prolifera mit demjenigen auf Saponaria ocymoides nicht identisch ist, daß hier also zwei biologische Arten vorliegen. J. Weese, Wien. Maoyr, Recherches experinientaies sur «luehpies Uredinees heteroiques. Annales Mycologici Bd. 9, 1911, S. 341—362. Verf. gelang es durch eine Anzahl Infektionsversuche nachzuweisen, daß eine von ihm bei Neuchätel auf Carex glauca, C. digitata und C. alba gefundene Puccinia zu einem Äcidium auf Ribes alpinum gehört. Die Referate. Idb Entwicklung von Acidien gelang ihm zunächst nur aus den Teleutosporen von den auf C. glauca und C. digitata auftretenden Pilzen, die Infektions- versuche mit derPuccinia auf C. alba hingegen mißlangen, wahrscheinlich wegen schlechter Beschaffenheit des verwendeten Sporenmaterials. Die Te- leutosporen von C. digitata scheinen auch fähig zu sein, Ribes grossu- laria zu infizieren, doch dürfte letztgenannte Pflanze für eine Infektion viel weniger empfindlich sein als Ribes alpinum. Der Pilz gehört zur Gruppe der Puccinia Ribesii-Caricis Kleb. Die Frage, ob er mit einer der fünf von Kleb ahn unterschiedenen Arten dieser Gruppe identisch ist, bedarf zur Lösung noch weiterer Untersuchungen. Mit Teleutosporen von Carex muricata wurde eine Infektion auf Crepis biennis hervorgerufen. Auf Taraxacum ging dieser Pilz nicht über. Es handelt sich also hier um eine von Puccinia silvatica Schrot. — man rechnete nämlich bisher das Äcidium auf Crepis biennis zu diesem Pilz — verschiedene Art. Wie es scheint, wurde auch mit demselben Sporenmaterial Äcidienbildung auf Lactuca muralis erzielt. Der Pilz dürfte zur nahen Verwandtschaft von Puccinia Opizii gehören. Auf Koeleria cristata und Koeleria valesiaca wurden mit Äcidien von Sedum reflexum (Endophyllum Sedi Wint.) die Puccinia lon- gissima erzielt. Interessant ist der Nachweis, daß auf Actaea spicata zwei nur durch geringe morphologische Merkmale verschiedene Äcidien vorkommen. Das eine gehört nach Ed. Fischers Kulturversuchen zu einer Puccinia auf Triticum caninum, das andere nach des Verf. Untersuchungen zu einer Puccinia auf Elymus europaeus. Die letztgenannte Puccinia wird als P. Actaeae-Agropyri beschrieben. J. Weese, Wien. Yuillomiii, P. Sur un Champignon parasite de rHomine, Glenospora Graphii Siebenm. Compt. Rend. Bd. 154, 1912, S. 141—143. Verf. hat auf Grund des Studiums der Entwicklungsgeschichte des von Hassenstein im Jahre 1869 im menschlichen Ohre gefundenen Verticillium Graphii festgestellt, daß genannter Parasit in die Gattung Glenospora Berk. et Gurt, gehört. J. Weese, Wien. Bubak, Fr. Ein neuer Pilz mit sympodialer Konidienbiidung. Berichte d. Deutsch. Bot. Gesellsch. Bd. 29, 1911, S. 383—385, 2 Textfig. u. 1 Taf. Verf. beschreibt einen neuen auf Blättern von Betula odorata auftreten- den Pilz, den er Acarosporium sympodiale Bubäk et Vleugel nov. gen. et nov. spec. nennt und unter die Excipulaceen einreiht, der durch die Bildung von Konidienketten auf sympodiale Weise im ganzen Pilzsystem einzig dastehen soll. J. Weese, Wien. 196 Referate. Weese, J. Zur Kenntnis des Erregers der Krebskranklieit un den Obst- und Laubliol/bäumen. Ztschr. f. das landwirtschaftl. Versuchswesen in Österreich, 1911, S. 872—885, 1 Taf. Nach Robert Hartig, Rud. Göthe und R. Aderhold soll die Nectria ditissima Tul. die Ursache der Krebskrankheit an den Obst- sowie an ver- schiedenen Laubholzbäumen sein. In vorliegender Arbeit wird dieser An- schauung widersprochen und darauf aufmerksam gemacht, daß die Nectria ditissima, die mit der Nectria coccinea Pers. vollständig zusammenfällt, niemals auf Krebsbildungen zu finden sei, daß es vielmehr eine ganz andere Art derselben Gattung sei, und zwar die Nectria galligena Bresad., die immer an Krebsstellen nachgewiesen werden kann. Die Krebsstellen aus dem Versuchsmaterial Aderholds, die er an Obstbäumen durch Infektion mit Konidien der vermeintlichen Nectria ditissima Tul. hervorgerufen haben will, zeigten nach den Untersuchungen des Verf. keineswegs eine Nectria ditissima Tul., sondern ebenfalls die davon deutlich verschiedene Nectria galligena Eres., welchen Pilz allerdings Rehm schon ein Jahr früher als Nectria ditissima Tul. var. salicincola Rehm aufgestellt, aber nicht be- schrieben hat. Da die Originaldiagnose von N. galligena zu knapp ist, wird der Pilz ausführlich beschrieben, sodann die ihm ähnlich sehenden Nectria- Arten kurz besprochen und auf die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale hinge- wiesen. Mit N. galligena Eres, sind Nectria punicea (Ktze. et Schm.) Pr. und Sphaerostilbe caespitosa Fuck. nahe verwandt. Nectria galligena ist bisher nur auf Krebsbildungen von Apfel- und Birnbaum, von der Esche, Haselnuß und vom Faulbaum nachgewiesen worden. Weitere Nachforschungen werden sicher noch andere Bäume ergeben. Be- zügbch des Buchenkrebses glaubt der Verf., daß er nie durch eine Nectria und am wenigsten durch die Nectria ditissima verursacht wird. Der Konidienpilz von Nectria galligena Bres. scheint bisher noch nicht bekannt zu sein. Fusarium Willkommii Lindau dürfte zur echten N. ditissima gehören und nichts mit den Krebsbiklungen zu tun haben. Durch den Befund, daß die N. ditissima Tul. und die N. galligena Bres. bisher häufig verwechselt wurden, werden viele Widersprüche in der Literatur über den Parasitismus des erstgenannten Pilzes erklärlich. Noch manche Nachuntersuchungen werden notwendig sein, bis in dieser Frage volle Klar- heit herrschen wird. Autoreferat. Laubert, R. Ein interessanter neuer Pilz an absterbenden Apfelbäumen. Gartenflora, Jahrg. 60, 1911, S. 76. Verf. hat an jungen Apfelbäumen, die durch Dürre und andere Um- stände etwas herabgekommen waren, einen Pilz gefunden, den er als einen Schwächeparasiten des Apfelbaumes betrachtet. Der Pilz tritt in Form von kleinen schwarzen, das Periderm durchbrechenden Knötchen auf. Die un- Referate. 1 g 7 reifen Fruchtkörper stellen ein schwarzes Stroma dar, das unter dem Periderm liegt und aus dem ein dichtes, farbloses Paraplektenchym hervorgeht. Die reifen Fruchtkörper werden von einer schwarzen Hülle gebildet, die eine in Gallertmasse eingebettete Sporenmasse umschließt. Die ovalen, farblosen und einzelligen Sporen sollen auf eine merkwürdige Weise entstehen und zwar soll sich der Inhalt einer jeden Paraplektenchymzelle zu einer dünn- wandigen Spore umbilden, während die Membran der Mutterzellen ver- gallerte. Es soll sich also hier um eine eigenartige endogene Sporen- bildung handeln. Über die systematische Stellung des Pilzes ist sich der Verf. noch nicht klar. Er nennt ihn Pseudodiscula endogenospora nov. gen. et nov. spec. und gibt eine Diagnose dieses Pilzes. J. Weese, Wien. Laubert, R. 1 ber den Namen des auf Seite 76 beschriebenen neuen Pilzes an Apfelbäumen. Gartenflora Jahrg. 60, 1911, S. 133. Verf. teilt in diesem Nachtrag mit, daß er darauf aufmerksam gemacht wurde, daß der von ihm auf absterbenden Apfelbäumen gefundene Pilz Pseudodiscula endogenospora zur Gattung Sclerophoma v. Höhnel gehört und somit Sclerophoma endogenospora Laub, heißen muß. Ref. bemerkt noch, daß nach v. Höhneis Untersuchungen (Fragmente zur Mykologie, XIH. Mittig., Nr. 716 in Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wien, math.-naturw. KL, 1911, Bd. CXX, S. 88) Myxo- sporium Mali Bres. eine Sclerophoma v. Höhn, darstellt und mit der Sclerophoma endogenospora Laub, und Sclerophoma Mali Sydow identisch ist, weshalb alle drei Pilze Sclerophoma Mali (Bres.) v. Höhn, zu heißen haben. J. Weese, Wien. Bubäk, Fr. Eine neue Krankheit der Maulbeerbäume. II. Mitt. Ber. d. Deutsch, botan. Gesellschaft, Bd. XXIX, 1911, S. 70—74. In dieser Arbeit knüpft der Verf. an eine frühere mit gleichem Titel an (Ber. d. Deutsch, botan. Gesellschaft, Bd. XXVIII, 1910, S. 533—537, 1 Taf.), in der er über eine sich rasch verbreitende, in Gegenden mit Seidenraupen- zucht bedeutungsvolle Krankheit der Maulbeerbäume berichtete, die durch einen Pilz, den er in die Gattung Thyrococcum stellte und Thyrococcum Sirakoffii Bub. nannte, verursacht wurde. Genannter Pilz, der die Zweige oberhalb der Infektionsstelle zum Absterben bringt, lebt unter der Rinde der Äste, wo er kleine schwarze Tuberkeln erzeugt, die die Rinde zum Auf- platzen bringen, so daß ein älteres Stadium ein krebsartiges Aussehen be- kommt. In vorliegender Abhandlung beschreibt der Verf. einen Pilz, den er an den kranken Maulbeerästen fand, der aus dem Myzelium von Thyrococcum Sirakoffii hervorging und der eine neue Sphaeropsideen-Gattung darstellt, die er Dothiorellina nennt. Dothiorellina ist von Dothiorella durch weiche Pykniden und verästelte Sj^orenträger verschieden. Der neue Pilz heißt Dothiorellina Tankoffii Bub. 298 Referate. Bern. d. Ref.: Nach v. Höhn eis Untersuchungen (Fragmente zur My- kolo